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Nachrichten Bauverein unterstreicht Wert einer Genossenschaft
Region Wunstorf Nachrichten Bauverein unterstreicht Wert einer Genossenschaft
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00:18 30.06.2019
Michael Nahrstedt (Zweiter von links) und Kathrin Tietz (Dritte von links) erläutern der Abgeordneten Thordies Hanisch (von links), Ortsbürgermeister Thomas Silbermann, der Regionsabgeordneten Frauke Meyer-Grosu sowie den Abgeordneten Wiebke Osigus und Claudia Schüßler ihr Projekt für die Nordstadt am Modell. Quelle: Sven Sokoll
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Wunstorf

Die SPD-Landtagsabgeordneten aus der Region haben am Mittwoch eine Station beim Wunstorfer Bauverein eingelegt. In der Begegnungsstätte der Genossenschaft an der Rembrandtstraße diskutierten Wiebke Osigus, Thordies Hanisch und Claudia Schüßler mit den Verantwortlichen über die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt.

Bauvereins-Vorstand Michael Nahrstedt sagte dabei: „Derzeit gibt es in der Debatte im Bund eine Stimmungslage gegen die gesamte Wohnungswirtschaft.“ Er warnte dabei davor, Genossenschaften wie die Wunstorfer in einen Topf mit profitorientierten Gesellschaften zu werfen. „Das ist eine wunderbare Unternehmensform“, sagte er und schilderte, welche Angebote der Bauverein seinen Mietern über das reine Wohnen hinaus macht. Die Abgeordneten fanden es durchaus wünschenswert, auch in anderen Städten mehr solcher Genossenschaft zu haben. In der Vergangenheit sind vielerorts kommunale Unternehmen auch privatisiert worden.

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Geld für Unterhaltung der Wohnbestände muss da sein

Wer versuche, Mieten zu begrenzen, müsse auch daran denken, dass die Wohnungsbestände auch unterhalten werden müssen. „Die Gefahr ist, dass die Objekte verkommen“, sagte Nahrstedts Vorstands-Kollegin Kathrin Tietz. Die Abgeordnete Thordies Hanisch gestand zu, dass die unterschiedlichen Arten von Vermietern wohl differenziert betrachtet werden müssen. „Wir können versuchen, das nach Berlin weiterzugeben“, sagte sie.

Ein Viertel der Bauvereins-Wohnungen ist noch öffentlich gefördert. Für neue Projekte auf Fördermittel zurückzugreifen, sieht Nahrstedt eher skeptisch. „Die Ausschreibungen, die dann gefordert werden, sind meist ein Killer-Kriterium“, sagte er. „Sie grenzen die kleineren, regionalen Handwerker aus.“ Beim Neubau an der Albrecht-Dürer-Straße habe der Bauverein gerade mit dieser Gruppe gute Erfahrungen gemacht. Die Kosten blieben unter dem Plan, und das fast ohne Mängel.

Allerdings sind für die Bauherren derzeit einige Voraussetzungen zeitweise gelockert worden. Der Bauverein will prüfen, ob sich dadurch neue Möglichkeiten auch für Wunstorf ergeben. „Eine Miete von 5,60 Euro werden wir aber trotzdem nicht erreichen“ – in dieser Größenordnung bewegt sich die Genossenschaft mit ihren Wohnungen. Sie versucht, nachhaltig zu arbeiten, doch höchste energetische Standards seien mit niedrigen Mieten nicht zu vereinbaren. Bei seinem Neubau in der Nordstadt hat der Bauverein auf die hohen Baukosten reagiert, indem er nun mit relativ kleinen Wohnungseinheiten plant. „Wir versuchen aber, die Grundrisse möglichst variabel zu halten.“

Zur Beruhigung der Barne beigetragen

Nahrstedt schilderte auch, wie der Bauverein sich in den letzten Jahren mit anderen Partnern darum bemüht habe, den sozialen Brennpunkt im Wohnviertel Barne zu beruhigen, unter anderem mit dem Bau des Treffs an der Rembrandtstraße und der Sanierung des Gebäudes Barnestraße 50 bis 54, in dem jetzt der Jugendtreff Kurze Wege und der Kneipp-Verein untergebracht sind. „Damit haben wir dort einen kompletten Umbruch geschafft“, sagte Nahrstedt. Am Barneplatz hat der Bauverein vor zwei Jahres den Neubau mit Seniorenwohnungen errichtet. „Jetzt liegt der Ball für den Umbau des Platzes wieder im Feld der Politik.“

Mit fünf Auszubildenden zu Immobilienkaufleuten bei insgesamt fast 50 Mitarbeitern bildet der Bauverein über den Bedarf aus. „Das finde ich toll, das ist dann ja ein Vorzeigebetrieb“, sagte Claudia Schüßler.

Von Sven Sokoll