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Nachrichten Polizei: Ermittlungsdienstleiter Fieber verabschiedet sich
Region Wunstorf Nachrichten Polizei: Ermittlungsdienstleiter Fieber verabschiedet sich
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00:15 31.03.2019
Nach 23 Jahren als Leiter des Kriminalermittlungsdienstes der Wunstorfer Polizei wechselt Michael Fieber in die Pension. Quelle: Albert Tugendheim
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Wunstorf

Ja gut, am Anfang war das Problem mit den Gängen im Polizeikommissariat an der Amtsstraße. Das war 1996, Michael Fieber war schon seit Jahren Wunstorfer, war bis dahin aber in Hannover im Polizeidienst unterwegs. Der Leine-Zeitung gestand er, dass er sich zunächst in den Fluren des Kommissariatsgebäudes orientieren musste. Gegen etliche Mitbewerber hatte er den Job als Leiter des Kriminalermittlungsdienstes in der Auestadt erhalten. Sich an die fremden Flure zu gewöhnen gelang natürlich innerhalb kürzester Zeit, aber das wurde in seinen letzten Dienstjahren auch wieder Thema. Denn nach langem Kampf gestattete das Land, das Gebäude zu modernisieren und teilweise neu zu bauen. Fieber war plötzlich nicht nur Kriminalermittler, sondern musste sich auch viel mit Raumkonzepten und Bauplänen in ungezählten Bauplanungsgesprächen befassen. Das ist inzwischen Geschichte, das neue Gebäude steht, das alte ist grunderneuert.

Von Freitagnachmittag an ist auch die Ära Michael Fieber Polizeigeschichte. Der 62-jährige Kriminalhauptkommissar erhält seine Entlassungsurkunde und wechselt „endgültig vom passiven Polizeidienst in den aktiven Ruhestand“, so formuliert er in seiner Einladung zur Abschiedsfeier an seine Kollegen. Die wissen: Das ist reine Ironie, denn passiv war der Ermittlungsdienstleiter nie.

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Er war vor seiner Wunstorfer Zeit in Hannover bei „der Sitte“ wie es im Polizeijargon heißt und dann im Kriminaldauerdienst. Vom neuen Job in Wunstorf versprach er sich, etwas wegzukommen von den ganz harten Fällen. Allerdings musste der Kriminalspezialist feststellen, dass es auch in Wunstorf nicht nur beschaulich zuging. So gab es zur Zeit seines Amtsantritts 1996 Stress mit der Anti-AKW-Bewegung, die Bahnanlagen demolierte, um gegen Castor-Transporte zu protestieren. So genannte Tierschützer legten reihenweise Hochsitze um. Ein Mord in einem türkischen Cafe in der Hindenburgstraße beschäftigte die Ermittler stark, ein Serientäter mit den Spitznamen Chakmo ebenfalls.

Präventionskreis befriedete die Barne

„Wir haben die komplette Bandbreite an Delikten“, so erkannte Fieber schnell. Er formte eine schlagkräftige Ermittlungsdiensteinheit und legte intern viel Wert auf Zusammenhalt und gute Stimmung unter den Kollegen – jährliche Fahrten mit der Mannschaft trugen dazu bei. 2010 sah er seine Mannschaft bei der Verkündung der Statistik „in der Championsleague“, was die Aufklärung von Straftaten anging.

Es gibt in der Erinnerung deutliche Erfolge. Zu Dienstbeginn machte die Barne-Gang den Ordnungshütern reichlich Stress. Quer durch die Bandbreite der kriminellen Delikte machten die Mitglieder der Gang von sich reden. Fieber dachte über die Grenzen der Kriminalermittlung hinaus. Er nahm Kontakt zur Kirchengemeinde auf, so entstand in der Folge der Präventionskreis Barne, der wiederum Geburtshelfer für das Projekt Kurze Wege war. Es gelang, den Stadtteil zu befrieden, in dem auch Fieber mit seiner Familie wohnt. Ein gelungenes Beispiel für Kooperation, was nicht heißt, dass der konfliktfreudige Kriminalist immer nur guter Freund von beispielsweise Sozialarbeitern war.

In der Erinnerung gibt es auch viel Ungemach, wozu auch viele Querelen mit dem Kommunikationszentrum Wohnwelt zählen. Oder auch mit Clans von Familien, die ihren Ursprung in anderen Kulturen haben.

Immer häufiger geschehen Delikte im Internet

Wie auch viele seiner Kollegen, hadert Fieber oft mit der Justiz. Wenn wie vor wenigen Tagen ein bekannter Täter per Haftbefehl gesucht oder auf frischer Tat ertappt anschließend nicht weggesperrt wird, dann, ja dann fehlt den Polizisten das Verständnis.

Was hat sich verändert seit 1996? Vieles, auch die Kriminellen sind längst online unterwegs. Betrugsdelikte im Internet nehmen mehr und mehr Arbeitszeit der Fahnder in Anspruch. Dabei kommt es aber auch zu Anzeigen, die dem Fahnder ob ihrer Belanglosigkeit den Nerv rauben. Beispiel gefällig? Ein Anzeige-Erstatter fühlte sich vor Jahren betuppt: Er hatte eine Playmobilfigur im Netz bestellt und bezahlt, aber die Figur wurde nicht geliefert, Wert unter zwei Euro. Das wurde aber noch getoppt von einem Betrogenen, der anzeigte, dass bei einem doch tatsächlich gelieferten Playmobilpferdchen das Zaumzeug fehlte.

Mit derlei Dingen muss Michael Fieber sich künftig nicht mehr herumschlagen. Die Gerätschaften für die Handwerkstätigkeiten des im Freundeskreis anerkannt versierten Hobbyhandwerkers kauft Fieber in örtlichen Baumärkten.

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Von Albert Tugendheim