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Region Wunstorf Nachrichten Gekommen, um zu bleiben: Tran mag Wunstorf
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17:16 16.07.2019
Quoc-Dong Tran ist der ein ehemaliger Boatpeople-Flüchtling aus Südvietnam und betreibt ein Restaurant in Wunstorf. Quelle: Marleen Gaida
Wunstorf

Der gebackene Apfel kommt mit gehackten Nüssen und etwas Honig beträufelt an den Tisch. Quoc-Dong Tran bringt die Süßspeise mit vorsichtigen Schritten. Er ist der Besitzer des 2018 eröffneten Restaurants Mui Ne in der Hindenburgstraße 8. „Original Süd-Vietnamesisch“ steht in großen Lettern unter dem Namen des Lokals. Für Kenner der Historie ist dies ein Hinweis auf eine abenteuerliche Vergangenheit des Besitzers.

Ernst Albrecht rettete die Boatpeople

Der 52-jährige Tran hat viel erlebt. 1978 beschloss Tran als 12-Jähriger sein Heimatland, das kommunistische Südvietnam, zu verlassen, um sich auf die Suche nach besseren, freieren Lebensumständen zu machen. „Wir wussten nicht wo wir hinkommen, wir wollten keine Hilfe, wir wollten einfach nur weg aus dem kommunistischen System.“ Und weiter: „Ich bin als Waise zusammen mit anderen Kindern hierher gekommen.“ Das er nach Hildesheim in die Einrichtung der Diakonie und später in die Obhut einer Adoptivfamilie kam, verdankt er der Entscheidung des ehemaligen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht, der 1978 hunderte Flüchtlinge, den sogenannten Boatpeople, aus Vietnam in Niedersachsen Asyl gewährte, die auf einem Schiff vor der Küste Malaysias festsaßen.

Damals war es der Botschafter Wilfried Rupprecht, der die Rettungsaktion im Auftrag der Landesregierung vor Ort durchführte. Dieser schreibt in ein paar Zeilen an Trane: „Ich leitete damals ein Team der deutschen Botschaft, die den Auftrag hatte, die Flüchtlinge auszuwählen. Die Flüchtlinge wurden jeweils in Gruppen an Land gebracht und direkt nach Deutschland geflogen.“ Und weiter: „Zur letzten Gruppe gehörte ein 12-jähriger Junge. Es war ein bewegendes Ereignis ihn zufällig als Inhaber eines vietnamesischen Restaurants in Wunstorf nach 40 Jahren wiederzutreffen.“ Dass diese Begegnung stattfand, hat Rupprecht seinem aufmerksamen Sohn zu verdanken, der in Wunstorf lebt, und dem der Zusatz „Süd-Vietnam“ im Restaurantnamen auffiel.

Zum Meditieren ins Kloster

Für Tran verlief vieles gut. „Ich bin Deutschland sehr dankbar für alles.“ Einige Jahre nach seiner Ankunft konnte er eine Lehre als Koch absolvieren. Und dann wollte er das Land, das ihn aufgenommen hatte, einmal anschauen. „Per Anhalter habe ich Hildesheim verlassen und habe in Restaurants in ganz Deutschland gekocht.“ In Nürnberg, Ansbach, Stuttgart und München hat er gelebt.

Doch irgendwann kam das Bedürfnis nach Heimat wieder in ihm auf. Er ging zurück nach Hannover, um dort ein Restaurant zu eröffnen. Bei einem blieb es nicht. Eröffnungen und Schließungen wechselten sich ab. Bis 2016 betrieb er ein Restaurant in Ronnenberg. Doch das jahrelange Arbeiten in der Gastronomie hatte Spuren hinterlassen. Tran: „Ich war müde und kaputt. 2012 bin ich für zwei Jahre nach Hause gegangen, nach Mui Ne, um in einem Kloster zu leben und zu meditieren.“ Für den 52-Jährigen war es an der Zeit, sich auszuruhen und den Geist zur Ruhe zu bringen. Vegane Ernährung und leichte Arbeiten halfen ihm dabei, wieder zu Kräften zu kommen. Den Waisenkindern vor Ort zu helfen, gaben dem praktizierenden Buddhisten das Gefühl der Sinnhaftigkeit zurück.

Im März 2018 hat für Tran in Wunstorf ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Gemeinsam mit seiner Partnerin übernahm er hier das ehemalige Chinarestaurant. Im Nordwesten der Region Hannover fühlt er sich wohl. „Ich möchte nicht mehr weiterziehen. In Wunstorf möchte ich sterben.“

Von Marleen Gaida

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