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17:48 20.09.2019
Eindrücke von der ersten Fridays for Future-Demonstration in Wunstorf. Rund 100 Teilnehmer ziehen vom Rathaus zum Bahnhof. Quelle: Mario Moers
Wunstorf

Aus dem Politik-Leistungskurs des Hölty-Gymnasiums ist kein Schüler gekommen. Auch von der Evangelischen IGS und der Otto-Hahn-Schule protestieren am Freitagmittag kaum Schüler für das Klima. Die erste Fridays for Future-Demonstration in Wunstorf fällt deutlich älter aus als erwartet. Statt klimabewegten Kindern und Jugendlichen ist es vor allem die Eltern- und Großeltern-Generation, die in Wunstorf auf die Straße geht. Rund 100 Menschen beteiligten sich an dem Protestmarsch. Die friedliche Kundgebung führte vom Rathaus über die Hochstraße zum Bahnhof. Von dort fuhren die Protestanten gemeinsam zum Sternmarsch nach Hannover. Bundesweit fanden am Freitag Klima-Demonstrationen in 575 Städten statt.

Was motiviert die Teilnehmer?

Jung und Alt fordert in Wunstorf eine bessere Klimapolitik.

„Es ist traurig, wie wenige Schüler gekommen sind“, sagt die Oberstufenschülerin Emma. Vor ihr halten zwei Demonstranten bemalte Pappschilder in die Höhe. „Act now!“ steht auf dem einen, „Macht endlich was!“ auf dem anderen. Es sind zwei Lehrer des Gymnasiums, die sich dort für die Belange der Jugendbewegung engagieren. Emma und ihre Freundin Lisa zählen zu den wenigen Hölty-Schülern, die mitlaufen. Dabei gilt Fridays for Future doch als die Jugendprotestbewegung der Stunde. „Viele in der Oberstufe haben Angst vor den Konsequenzen, dass sie Stoff verpassen“, kommentiert Emma etwas enttäuscht.

Leistungsdruck oder Desinteresse?

Hölty-Schülersprecher Moritz Hemsing sieht das genauso. „Gerade in den Leistungskursen hat man vielleicht Angst, nicht mitzukommen“, sagt er. Die geringe Schülerbeteiligung (gefühlt weniger als die Hälfte) scheint überraschend. Denn den Gymnasiasten und IGS-Schülern wurde von der jeweiligen Schulleitung erlaubt, sich an den Demonstrationen zu beteiligen. Voraussetzung war lediglich eine formlose Entschuldigung der Eltern. Am Hölty-Gymnasium wurden die Eltern sogar in einem offiziellen Rundschreiben auf diese Option hingewiesen. Eine Gruppe 15-jähriger Schülerinnen, die den Zug am Straßenrand verfolgt, gibt an, dass die Information sie zu spät erreicht habe. „Das kann keine Ausrede sein. Wer will, kann heute dabei sein“, findet Emma.

Friedliche Stimmung

Der Altersdurchschnitt der ersten Klimademonstration in Wunstorf lag deutlich höher als bei den Protesten in Hannover. Die Stimmung bei dem Protestmarsch war trotz der geringen Schülerbeteiligung sehr gut.

Altersübergreifend waren unter den Demonstranten auffällig viele, die in Wunstorf ihre Fridays for Future-Premiere feierten. Die Ausweitung der Klimaproteste auf die kleineren Städte ermutigte sie, selbst aktiv zu werden – sich der von Jugendlichen der Wohnwelt organisierten Demo anzuschließen. Klaus Schmitz und Ute Eisert gehören dazu. Sie sind extra aus Rodenberg angereist. Beide stehen zum ersten Mal für das Klima auf der Straße. „Für eine saubere Umwelt. Brennstoffzelle jetzt!“, hat Schmitz auf eine Pappe geschrieben. „Wir sind doch mitverantwortlich. Wir sind doch die Generation, die so rücksichtslos mit allem umgegangen ist“, sagt die 72-jährige Eisert. Diese Haltung vertritt auch Rita Klemz. Die ehemalige Schulleiterin der Grundschule in Bokeloh nimmt mit einer Gruppe Kollegen teil. „Wir haben Enkelkinder. Für die möchten wir eine schöne Zukunft“, sagt Klemz.

Gute Stimmung

Die Stimmung auf der einstündigen Veranstaltung ist gut. Nur am Rand lassen einzelne Passanten ihrem Ärger über die Klimaaktivisten freien Lauf. „Räumt den Weg. Hier ist Markt“, ärgert sich ein Senior über den Auflauf am Rathaus. An einer Ampel zeigt ein Autofahrer einem der Jugendlichen Teilnehmer den Stinkefinger. „Ihr seid doch gegen alles. Geh doch zu deiner Oma“, ruft er ihm zu und zeigt auf eine der älteren Teilnehmerinnen.

Zwischen Umdenken und Umsturz

Eindrücke von der ersten Fridays for Future Demonstration in Wunstorf. Rund 100 Teilnehmer zogen vom Rathaus zum Bahnhof. Quelle: Mario Moers

Inhaltlich bewegen sich die Anliegen der Demonstranten in einem breiten Spektrum zwischen Klima-Sorge und Revolution. „Es gibt kein Recht auf Kohlebaggerfahren“, skandieren einige. Den Soundtrack zur Demo liefert die Rapgruppe K.I.Z. über den Lautsprecher. „Wir sitzen im Atomschutzbunker und singen, Hurra diese Welt geht unter“, schallt es über den Rathausplatz. Über den reinen Klimaschutz hinaus geht eine Forderung, die das Riesenbanner der Wohnwelt-Aktivisten ziert. „Systemwandel statt Klimawandel“ wird da gefordert. Ob eine Mehrheit der Demonstranten den politischen Umsturz befürwortet, ist zu bezweifeln. Das allerdings ein Umdenken stattfinden soll, dieser Meinung sind alle Teilnehmer.

Fridays for Future Gruppe gründet sich

Um die Fridays for Future Bewegung langfristig in Wunstorf zu verankern, gründet sich gerade eine neue Gruppe. Sie trifft sich ab sofort jeden Donnerstag um 18.30 Uhr im Kinder- und Jugendzentrum Der Bau-Hof, Maxstraße 43. Die Treffen sollen für alle Interessierten offen sein. Weitere Infos gibt es in der Facebook-Gruppe Fridays for Future Wunstorf.

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Von Mario Moers

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