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Region Widerstand gegen Pläne des Klinikums
Region Widerstand gegen Pläne des Klinikums
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00:18 13.10.2014
Schließung ohne Alternative? Gegen die Klinikumspläne in Lehrte und Großburgwedel (Foto) regt sich energischer Widerstand.
Schließung ohne Alternative? Gegen die Klinikumspläne in Lehrte und Großburgwedel (Foto) regt sich energischer Widerstand. Quelle: Frank Walter
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Hannover

„Haben wir die Region gegründet, damit in Hannover Krankenhäuser saniert und im Umland geschlossen werden?“, fragte der Burgdorfer CDU-Regionsabgeordnete Oliver Brandt bissig.

Burgwedels Bürgermeister Axel Düker (SPD) fordert, das neue Krankenhaus müsse schon allein aufgrund seiner zentralen Lage in Großburgwedel gebaut werden. Das Klinikum Region Hannover hat noch keinen Standort festgelegt, ins Spiel gebracht wurden unter anderem Burgdorf und ein Standort westlich der Unternehmenszentrale von Rossmann im Gewerbegebiet zwischen Großburgwedel und Isernhagen H.B. Grüne und Jusos in Lehrte fordern den Erhalt ihres Klinikums, während Bernward Schlossarek, Mitglied des KRH-Aufsichtsrats aus Lehrte, ankündigt, gegen die Schließung und Verlegung des Standortes stimmen zu wollen, notfalls auch gegen seine Fraktion. Ebenfalls in Lehrte hat sich eine Facebook-Gruppe gegründet, die Unterschriften für eine Onlinepetition sammelt.

Michael Fleischmann, Vorsitzender der Gruppe Linke/Piraten in der Regionsversammlung, wirft Regionspräsident Hauke Jagau (SPD) Wahlbetrug vor. Der KRH-Aufsichtsratsvorsitzende hätte den Wählern vor der Wahl zum Regionspräsidenten reinen Wein einschenken müssen. „Stattdessen hat er so getan, als könne man mit Durchwursteln und dem Abbau von 400 Vollzeitstellen das Finanzproblem des Klinikums lösen“, sagt Fleischmann. Zurückhaltung haben sich dagegen die Mehrheitsfraktionen SPD und Grüne auferlegt. „Bevor ich nicht im Detail weiß, was in den Plänen steht, kann ich dazu nicht Stellung nehmen“, sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende Silke Gardlo; gleichlautend äußerte sich Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne).

Mehr zum Thema

Weitere Informationen zum Thema sowie Berichte über die Reaktionen in den betroffenen Kommunen finden Sie auf unserer Themenseite.

Wie HAZ und Heimatzeitungen am Donnerstag berichteten, plant die KRH-Geschäftsführung unter dem Namen „Medizinstrategie 2020“ Umstrukturierungen für seine bisher elf Klinikstandorte. Demnach soll das Springer Klinikum in das Klinikum Robert Koch in Gehrden integriert werden, in Springe selbst soll eine sogenannte Praxisklinik ohne stationäre Behandlung entstehen. „Seit Gründung der Region gibt es Diskussionen zur Schließung des Springer Krankenhauses“, sagt die CDU-Regionsabgeordnete Gabriela Kohlenberg aus Springe. „Ich habe mich immer für den Standort eingesetzt, und werde das auch weiterhin tun.“

Die Pläne für die Geriatrie in Langenhagen, die nach Fertigstellung des Bettenhauses nach Großburgwedel hätte umziehen sollen, sind nach HAZ-Informationen vorerst vom Tisch. „Hier bleibt erst mal alles beim Alten“, sagte ein Insider.

Die Betriebsräte der betroffenen Kliniken wollten sich am Donnerstag nicht zu den Vorgängen äußern. Michael Aschenbach, der für ver.di im KRH-Aufsichtsrat sitzt, geht einen Schritt zurück. „Das ist lediglich ein Konzept, über das in den nächsten Monaten noch auf vielen Ebenen beraten wird“, sagt der Gewerkschaftsvertreter. „Für uns hat dabei der Schutz der Beschäftigten und ihre bestmögliche Absicherung Priorität.“

Eine Frage der Diplomatie

Die „Medizinstrategie 2020“ mit den Vorschlägen zur Umstrukturierung des Klinikums ist den Mitgliedern des Aufsichtsrates bei einer Klausurtagung präsentiert worden. Nach Informationen der HAZ war sie zumindest einigen Teilnehmern nicht ganz neu. Der frühere Geschäftsführer für den medizinischen Bereich, Diethelm Hansen, der im Sommer ebenso wie sein Kollege Norbert Ohnesorg gehen musste, soll sie zumindest in ihren Grundzügen ausgearbeitet haben. Damals hieß es, Hansen habe wenig diplomatisch agiert und die Mitarbeiterschaft gegen sich aufgebracht. Bekannt ist, dass Hansen und Ohnesorg nicht miteinander klarkamen. Ob es mit der Diplomatie nun besser klappt, wird sich noch im Oktober zeigen. Am kommenden Donnerstag befasst sich der Aufsichtsrat mit der „Medizinstrategie“. Am 21. Oktober geht sie in die zuständigen Fachausschüsse der Regionsversammlung und damit in die Politik. Für denselben Tag ist eine Pressekonferenz anberaumt.

Von Veronika Thomas und Bernd Haase

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