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Region Wennigsen Nachrichten Was wird aus der alten Polizeischule?
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00:17 19.07.2018
Die Natur erobert sich die ehemalige Polizeischule zurück. Quelle: Behrens
Wennigser Mark

Das Eingangstor ist längst so zugewuchert, dass man es beim vorbeifahren schnell übersehen könnte. Und auch die Gebäude kommen immer weiter herunter, die Natur erobert sich das Gelände nach und nach zurück. Seit zehn Jahren steht die ehemalige Polizeischule in Wennigser Mark bereits leer. Und fast genau so lange fordern die Märker eine Nachnutzung des 5,3 Hektar großen Geländes. Nun scheint dieser Wunsch zum Greifen nah: Nach einer Wirtschaftlichkeitsprüfung wird durch eine Arbeitsgruppe, die das Niedersächsische Ministerium für Inneres und Sport 2016 eingerichtet hatte, empfohlen, das Gelände „langfristig wieder für eine polizeiliche Nutzung herzurichten“. Diese Nutzung solle mindestens acht bis zehn Jahre gehen. Doch mit einer endgültigen Entscheidung ist kurzfristig nicht zu rechnen.

Im Jahr 2008 gingen war das Gelände nach und nach Verlassen worden. Zunächst zog die Belegschaft nach Nienburg in die Polizeiakademie Niedersachsen. Nur die Schießanlage und die Sporthalle wurden wegen mangelnder Kapazitäten bei der ZPD in Hannover weiterhin genutzt. 2015 war aber auch damit Schluss: Ein Bausachverständiger stellte erhebliche Sicherheitsmängel fest. Das Baumanagement sperrte die komplette Anlage, seither ist das gesamte Gelände ungenutzt. Doch dann kam die ZPD an der Tannenbergallee (List) an die Grenzen ihrer Kapazität. Vor allem die Bereitschaftspolizei sei immer mehr gefordert. Das Innenministerium hatte daher zunächst geprüft, ob die frühere Polizeischule für die Unterbringung von ZPD-Beamten geeignet ist.

„Wir als Ort halten eine Nachnutzung für maximal empfehlenswert“, sagt Ortsbürgermeister Holger Dorl. Denn die Wennigser Mark sei eingekesselt von Naturschutzgebieten, eine Weiterentwicklung des Orts daher nur innerorts möglich. „Und da ist die Polizeischule derzeit Brachland, die Natur erobert sich das Gelände seit Jahren zurück.“ Denn bereits seit 2008 stand die ehemalige Polizeischule in Wennigser Mark zum Verkauf. „Wir hatten uns zwischenzeitlich gewünscht, dass dort eine Wohnbebauung entsteht“, sagt Dorl. Doch alle Verkaufsversuche des Landes scheiterten. Zwar gab es laut Innenministerium zahlreiche Interessenten - unter anderem war ein Wohngebiet mit 61 Einheiten angedacht . Ein ernsthaftes Interesse hatte zuletzt die Niedersächsische Landgesellschaft (NLG). Das Land verlangt aber anscheinend noch zu viel Geld für den über 40 Jahre alten Komplex. Knapp eine Millionen Euro sind im Exposé angesetzt. Und so wurde das Gelände dann doch nicht verkauft, obwohl es wohl hätte das letzte Mal sein können, dass so dicht an den Deister und an das Landschaftsschutzgebiet herangebaut werden könnte. Im Herbst 2017 begann das Land dann damit zu prüfen, ob die Anlage als Standort für einen Teil der Bereitschaftspolizei reaktiviert werden kann. „Uns ist es eigentlich egal, Hauptsache das Gelände wird wieder genutzt“, sagt Dorl.

Eine Arbeitsgruppe hatte vor rund einem Jahr einen Bericht zu einer möglichen Nutzungsalternative in den Räumen in der Wennigser Mark vorgelegt. Sie hatte geprüft, ob die Anlage durch Sanierung und teilweisen Neubau für die Unterbringung von Teilen der Bereitschaftspolizei infrage kommt. Auch, dass andere Organisationseinheiten dorthin verlagert werden, wurde diskutiert. Mittlerweile steht zumindest fest: Eine langfristige Nutzung durch die Polizei wäre wirtschaftlich. Die Arbeitsgruppe schlägt daher vor, auf dem Gelände beispielsweise neue Bürogebäude für rund 620 Mitarbeiter der Polizei zu schaffen. Eine abschließende Entscheidung steht jedoch noch aus, da zunächst unter anderem eine Kostenkalkulation für die notwendigen Baumaßnahmen erforderlich ist.

Von der Zündschnurfabrik zur Polizeischule: Die Historie des Geländes

Alteingesessene Märker können sich noch gut an den Trubel erinnern, als die Ausbildungsstätte noch genutzt wurde. Ständig sind Dienstfahrzeuge ein- und ausgefahren, die Polizei lud zu Tagen der offenen tür ein und auch die Sporthalle wurde gerne von örtlichen Vereinen genutzt. Doch wie kam es überhaupt dazu, dass ausgerechnet in der Idylle am Deisterrand eine Ausbildungsstätte entstand?

Die Geschichte des Geländes begann vor über 100 Jahren. Um 1906 errichtete die Norddeutsche Zündschnurindustrie eine Fabrik zur Herstellung von Zündschnüren in der Wennigser Mark. Doch die Produktion wurde 1926 eingestellt und die Gebäude standen zunächst einige Jahre leer. Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) der Nazis zog 1933 in die Gebäude ein. Nach 1940 wurden dort polnische Zwangsarbeiter untergebracht. Der Landkreis Hannover richtete auf demselben Gelände von 1946 bis 1955 ein Altenheim ein. 1956 folgte dann das Land mit seiner Polizei-Ausbildungsstelle für Technik und Verkehr Niedersachsen (PATVN), wie die Polizeischule offiziell bezeichnet wurde.

Die Arbeit der Polizeiausbildungsstelle für Technik und Verkehr begann mit der Kraftfahrerausbildung. Im Laufe der Jahre kamen weitere Ausbildungsgänge dazu, das ausgediente Hotel Waldkater wurde mit einbezogen, bis 1978 ein Neubau mit diversen Schulungs- und Funktionsräumen, Restaurant, Zweibettzimmern, Garagen, Wartungsräumen und Lehrwerkstätten übergeben werden konnte. Denn in den 1970er Jahren musste das alte Fabrikgebäude dann abgerissen werden. 1974 war auf dem Gelände die Grundsteinlegung für den Neubau der sogenannten Polizeiausbildungsstelle für Technik und Verkehr Niedersachsen. Kostenpunkt für den Neubau: Rund 20 Millionen DM. Zwei Jahre dauerte es, bis die Gebäude fertiggestellt waren. Auf etwa 10.000 Quadratmetern gab es nun ein Schulungsgebäude mit Lehrsälen, Technik-, Schulungs- und Verwaltungsräumen sowie Mensa und Küche. Auf dem Gelände gab es zudem eine Mehrzweckhalle und eine Raumschießanlage. Zu Zu dem Komplex gehörte auch ein Unterkunftsgebäude mit 30 Einzel- und 64 Doppelzimmern, in dem bis zu 150 Lehrgangsteilnehmer untergebracht werden konnten. Hinzu kamen Dienstwohnungen für Polizeibeamte in der Umgebung.

Und diese mussten auf dem Gelände hart arbeiten: Neue Techniken wurden vermittelt, wachsende Verkehrs- und Umweltprobleme behandelt, mit EDV-Arbeit und Digitalfotografie vertraut gemacht sowie Waffen und Einsatzfahrzeuge getestet. Auch mit Polizeihunden wurde in der Mark gearbeitet – und zeitweise sogar mit einem Polizeischwein. Die Wildsau Luise suchte 1986 erfolgreich nach Rauschgift in Autoreifen, Möbeln und vielem mehr. Zuletzt sind am Deister jährlich bis zu 5500 Polizisten in mehr als 400 Seminaren und Kursen von etwa 60 Fachlehrern und Mitarbeitern aus- und weitergebildet worden.

Von Lisa Malecha

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