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Region Wennigsen Nachrichten Deutlich weniger Kröten: Wennigser Tierschützer sind besorgt
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17:17 24.04.2019
Jonah (8, von links), Mateo (9) und Elias (12) hocken beim großen Regenrückhaltebecken nahe der KGS Wennigsen. Sie haben während der Krötenwanderung geholfen, die Tiere sicher über die Argestorfer Straße zu bringen.
Jonah (8, von links), Mateo (9) und Elias (12) hocken beim großen Regenrückhaltebecken nahe der KGS Wennigsen. Sie haben während der Krötenwanderung geholfen, die Tiere sicher über die Argestorfer Straße zu bringen. Quelle: Jennifer Krebs
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Wennigsen

Die Krötenzäune zwischen Wennigsen und Argestorf und an der alten Mühle in Bredenbeck sind wieder abgebaut – und die Tierschützer sind beunruhigt. Gibt es immer weniger Kröten? Statt etwa 2000 Tiere, wie sonst in Wennigsen, waren es in diesem Jahr nicht einmal die Hälfte. In Bredenbeck wurden in diesem Jahr nur 339 Kröten, Frösche und Molche gezählt – „vor einem Jahr hatten wir dort 803“, sagt Karin Barnstorf, die Buch darüber führt.

Barnstorf gehört zu den Ehrenamtlichen, die die Strecken während der Krötenwanderung regelmäßig kontrollieren. „Solche Zahlen machen mir Sorgen“, sagt sie. Auch Mitstreiterin Christel Brückner vom Wennigser Naturschutzbund ist alarmiert: „Diesen Trend müssen wir im Auge behalten.“ Barnstorf hat mit Tierschützern aus Arnum und auch mit dem Nabu aus Hameln-Hessisch Oldendorf gesprochen und erfahren, dass auch dort die Anzahl der Kröten rückläufig ist. „Je trockener das Wetter, desto weniger Tiere gibt es“, sagt sie.

Ein Grasfrosch. Quelle: Stephan Hartung

Ein Problem sei der Klimawandel. Die Sommer werden immer trockener und heißer. Die Dürre 2018 sei extrem gewesen. „Hinzu kam der viel zu trockene Winter“, sagt Barnstorf. Die Tiere brauchen aber stabile Laichplätze für ihre Eierablage. Und wenn flache Gewässer austrocknen, war's das mit dem Nachwuchs. Ohnehin halte eine Kröte ohne Schutz nur 24 Stunden durch, sagt Barnstorf. Amphibien atmen über die Haut.

Barnstorf gehört schon lange zu den Krötensammlern in der Gemeinde Wennigsen. „Schon seit wir vor 30 Jahren hierher gezogen sind“, sagt sie. An der Jahnstraße in Bredenbeck, wo sie bis heute wohnt, seien damals viele Tiere überfahren worden. Mit einer Nachbarin habe sie alleine dort in den ersten Jahren immer über 600 Tiere aufgelesen und sicher über die Straße gebracht. Irgendwann kamen dann die Schutzzäune.

Wegen des milden Winters, sagt Barnstorf, hatte die Krötenwanderung in diesem Jahr sehr früh begonnen, bereits im Februar. Tolle Hilfe: KGS-Lehrer Peter Hebach-Exner hatte einen ganzen Tag lang mit seinen Schülern den Krötenzaun gegenüber der Schule an der Argestorfer Straße aufgebaut. Die etwa kniehohen Barrieren sollen die Frösche, Kröten und Molche am Überqueren der Straße hindern. Die Amphibien wandern entlang der Zäune und fallen dann in kleine Eimer, die in den Boden eingelassen wurden.

Von den ehrenamtlichen Helfern werden die Tiere eingesammelt und über die Straße getragen. „Eine wirklich wichtige Aufgabe“, sagt die Wennigser Grundschullehrerin Heike Schaal, die in diesem Jahr zum ersten Mal mit den Klimadetektiven ihrer Schule Fröschen und Kröten bei ihrer Wanderung über die Argestorfer Straße half. Im kommenden Jahr will die Wennigser Grundschule wieder mit dabei sein. Denn Helfer werden immer gebraucht.

Von Jennifer Krebs