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Nachrichten Bücherei will mit neuem Konzept Menschen fürs Lesen begeistern
Region Wennigsen Nachrichten Bücherei will mit neuem Konzept Menschen fürs Lesen begeistern
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00:19 29.03.2019
Christin Barthelmie will die Angebote der Bücherei durch ihr Konzept noch weiter verbessern. Quelle: Lisa Malecha
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Wennigsen

Die Bücherei als sozialer und kultureller Treffpunkt? Welchen Auftrag hat die Gemeindebücherei Wennigsen eigentlich? Mit diesen Frage hat sich Bücherei-Leiterin Christin Barthelmie beschäftigt. Herausgekommen ist der erste Teil eines Bibliothekskonzepts, das vier Aufgaben in den Mittelpunkt stellt. „Schwerpunkte liegen auf den Bereichen ’Sozialer Treffpunkt’, ’Leseförderung’, ’Sprachkompetenz’ und ’kulturelle Bildung’“, sagt Barthelmie.

Doch wieso das ganze? „Seit ich die Bücherei vor fünfeinhalb Jahren übernommen habe, hat sich extrem viel verändert“, sagt Barthelmie. Von 16.000 Ausleihen haben wir uns auf 26.000 Ausleihen jährlich gesteigert, statt 12 Veranstaltungen im Jahr bieten wir 120 an.“ Mehr gehe einfach nicht, Barthelmie und Mitarbeiterin Karen Bock haben ihr Limit erreicht. „Wir müssen gucken, wie wir unsere begrenzten Ressourcen effizient einsetzen können, um unser Angebot zu verbessern“, sagt die Bücherei-Leiterin.

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Freien Zugang zu Informationen ermöglichen

Grundlage für die Arbeit sei, dass die Bücherei allen Menschen den freien Zugang zu gesicherten Informationen geben soll. Und gerade heutzutage sei das besonders wichtig: „Im Netzt gibt es eine Fülle von Infos, aber darunter sind auch zahlreiche Falschinformationen.“ Allerdings habe die Bücherei bislang keinen Zugang zu diversen Datenbanken wie etwa „Duden Online“. „Gerade für Schüler sind solche Datenbanken wichtig“, sagt Barthelmie. Außerdem brauche die Bücherei mehr Laptops mit Internetzugang.

Die Bücherei als sozialer Treffpunkt

„Wir wollen allen Menschen einen Raum der Begegnung bietet – unabhängig von sozialem oder finanziellem Hintergrund“, sagt Barthelmie. Denn eine moderne Begegnungsstelle gebe es in Wennigsen nicht. „Zumindest keine, in der man nichts kaufen oder konsumieren muss“, sagt sie. Daher gebe es auch schon Sitzgelegenheiten in der Bücherei. „Es muss in den Köpfen angekommen, dass wir kein Ort der Ruhe sind“, sagt sie. Immer wieder erlebe sie, dass Menschen nur im Flüsterton miteinander reden oder sich gar nicht erst trauen, einfach in der Bücherei zu sitzen. „Wir hatten eine Gruppe, die sich bei strömenden Regen bei uns untergestellt hat“, sagt sie. „Am Ende haben sie sich bei uns bedankt, dass wir sie nicht rausgeschmissen haben – immerhin haben sie sich nicht über Bücher unterhalten“, sagt Barthelmie und betont: „Wir sind eine moderne und lebendige Familienbücherei.“

Sprachbildung fördern

Weitere wichtige Aufgabe der Bücherei ist es, die Sprachbildung zu fördern. „Rund ein Viertel bis ein Drittel aller Kinder haben sprachliche Defizite“, sagt Barthelimie. „Sie können kein Plural bilden, haben keine Satzstruktur – es fehlt die Fähigkeit, Sprache zu sprechen.“ Bei diesem Problemen müsse man so früh wie möglich ansetzten. „Wir könnten uns zum Beispiel Kooperationen mit Kindergärten und auch mit Kinderärzten vorstellen“, sagt sie. So sollen Kinder möglichst früh erreicht werden.

Spaß am Lesen vermitteln

Bereits seit vielen Jahren fördert die Gemeindebücherei das Erwerben von Lesekompetenz, indem sie die Möglichkeit bietet mit dem Lesen Freude zu verbinden und nicht den schulischen Zwang. „In diesem Bereich haben wir schon viele Angebote, beispielsweise das Bilderbuchkino oder die regelmäßigen Besuche von Schulklassen“, sagt Barthelmie. Dennoch gebe es auch hier Verbesserungsbedarf. „Uns fehlt eine Verpflichtung von Seiten der Schulen, uns mit gewissen Klassen zu besuchen“, sagt sie.

Karen Bock arbeitet seit 1988 in der Bücherei. Auch sie trägt einen großen Teil dazu bei, das Angebot in der Bücherei zu verbessern. Quelle: Lisa Malecha

Zudem wolle sie Workshops für höhere Jahrgänge anbieten. Zum Beispiel dazu, wie man richtig mit einem Lexikon umgeht. Denn nicht jeder Schüler weiß, wie er die Informationen findet, die er sucht. „Ein Schüler sollte ein Referat über Schneeleoparden halten. Wir haben ihn auf unsere Tierlexika verwiesen. Er lässt daraufhin einmal die Seiten wie ein Daumenkino durch seine Finger gleiten und stellt das Buch mit dem Satz ’da ist ja nix drin’ wieder zurück.“, sagt Barthelmie.

Die Bücherei will zu kultureller Vielfalt beitragen

Gerade für Menschen mit niedrigem Einkommen sei es essentiell, dass kulturelle Veranstaltungen nur wenig oder keinen Eintritt kosten, da diese sonst nicht teilnehmen können und damit ausgeschlossen sind. Für die Bücherei heißt das, dass das Veranstaltungsangebot auf keinen Fall eingeschränkt werden sollten. „In diesem Bereich würden wir uns gerne mit weiteren Einrichtungen in der Gemeinde absprechen“, sagt Barthelmie. „Durch Kooperationen können wir uns gegenseitig ergänzen, unsere Kompetenzen bündeln und so das Angebot in der Gemeinde vielfältiger gestalten.“

Maßnahmenliste wird erstellt

Bis Ende des Jahres soll der zweite Teil des Konzepts mit konkreten Maßnahmen fertig sein. Über Vorschläge sei sie jederzeit dankbar, sagt Barthelmie. Das Konzept wird in den kommenden Tagen in der Bücherei ausgelegt und ist zudem auf der Homepage der Gemeinde Wennigsen erhältlich.

Von Lisa Malecha