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Region Wennigsen Nachrichten Darum ist die Arbeit der Flüchtlingsinitiativen immer noch wichtig
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16:08 08.11.2019
Im Gespräch über lokale Flüchtlingsarbeit: Landtagsabgeordnete Claudia Schüßler (von links), Miteinander-Vorsitzender Jürgen Welk, Landesbeauftragte Doris Schröder-Köpf, SPD-Ortsvereinsvorsitzender Jonas Farwig, Landtagsabgeordnete Kerstin Liebelt und Grundschulleiterin Hanna Rojczyk. Quelle: Georg Weber
Wennigsen

Immer mehr Anfeindungen, viel Arbeit und weniger Helfer – in Wennigsen haben Ehrenamtliche der lokalen Flüchtlingsinitiativen aus der Umgebung gemeinsam mit Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, diskutiert.

Die SPD- Landtagsabgeordneten Kerstin Liebelt und Claudia Schüßler hatten zu dem Informations- und Diskussionsabend zur Arbeit der lokalen Flüchtlingsinitiativen in die Wennigser Grundschule eingeladen. Das Gesprächsangebot wurde von rund 30 Teilnehmern angenommen, die auch von Flüchtlingsinitiativen aus Barsinghausen, Pattensen und Hemmingen nach Wennigsen gekommen waren.

„Die Stimmung hat sich geändert“

Die Stimmung habe sich geändert. Am Anfang, im Jahr 2015, habe es noch einen warmen Empfang für die Flüchtlinge gegeben. Heute müssten sich die Helfer für ihr ehrenamtliches Engagement oftmals rechtfertigen und sind sogar Anfeindungen ausgesetzt. Dazu kommen noch menschenverachtende Äußerungen und spürbare Gewalt von rechts. Auch zeige sich eine Ermattung der Ehrenamtlichen, denen zudem das Schicksal der Flüchtlinge nicht unberührt lässt. So beschrieb Schröder-Köpf die augenblickliche Situation in der Flüchtlingsarbeit.

In der Anfangszeit konnten die vielfältigen Aufgaben nur mit der ehrenamtlichen Hilfe in Netzwerken und örtlichen Initiativen bewältigt werden. Heute ist die Zahl der Flüchtlinge deutlich gesunken. „Die Geflüchteten brauchen in der Regel rund zehn Jahre, um in unserer Gesellschaft richtig verankert zu sein. Deshalb müssen die Netzwerke und Strukturen weiter aufrechterhalten werden“, sagte Schröder-Köpf. Sie lobte zugleich die ehrenamtlichen Helfer als wahre Alltagshelden.

Initiativen wünschen sich bessere Vernetzung

Jürgen Welk, Vorsitzender von Miteinander in Wennigsen, bestätigte, dass der Personaldeckel in den örtlichen Initiativen dünner werde. Dazu müssten zentrale Fragen gebündelt werden. Die Zusammenarbeit zwischen den Kommunen und Initiativen könnte mit einer besseren Vernetzung gestärkt werden.

Nun beginne eine neue Phase in der Flüchtlingsarbeit. Die anfänglichen Alltagshilfen würden nicht mehr gebraucht. Viele Flüchtlinge könnten mit ihren erworbenen Sprachkenntnissen in ein Berufsleben einsteigen. Ausbildung, Job und Wohnung seien jetzt die Herausforderungen. Flüchtlinge im Job könnten sich an ihren Wohnungskosten beteiligen. Es fehlten aber gesetzliche Regelungen, welche Kosten den Flüchtlingen im aktiven Berufsleben mit ihren Verdienstmöglichkeiten tatsächlich aufgebürdet werden könnten. Auch fehle bezahlbarer Wohnraum mit Zwei- bis Dreizimmerwohnungen, damit die Flüchtlinge aus den Gemeinschaftsunterkünften ausziehen könnten. „Außerdem ist es absurd, zunächst viel Geld, Zeit und ehrenamtliche Arbeit zu investieren, dann aber die ausgebildeten und integrierten Flüchtlinge wieder abzuschieben und vom Arbeitsmarkt zu nehmen“, betonte Doris Schröder-Köpf.

Die Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe notierte sich viele Fragen aus dem Kreis der Zuhörer. So konnten viele Erfahrungen ausgetauscht und Verbesserungswünsche weitergegeben werden.

So viele Flüchtlinge leben aktuell in Wennigsen

In Wennigsen wohnen zurzeit 125 Flüchtlinge. Davon sind 86 Personen dem laufenden Asylverfahren zuzurechnen, 39 Personen sind anerkannte Flüchtlinge und in der Zuständigkeit des Jobcenters. Die größte Gruppe kommt aus dem Irak mit 32 Flüchtlingen, gefolgt von Syrien mit 16 Personen, Kosovo mit 13 Personen und Afghanistan mit zehn Personen. 14 Flüchtlinge sind staatenlos.

Die Gesamtzahl der Flüchtlinge teilt sich auf 73 Männer und 52 Frauen auf, darunter sind 36 Kinder und fünf Menschen mit einem Lebensalter von über 60 Jahren. 16 Personen sind alleinstehend. Acht Familien zählen zwischen fünf bis elf Personen.

Die Zahl der Flüchtlinge ist stark gesunken. Aus dieser Entwicklung heraus kann die Gemeinde Wennigsen die Gemeinschaftsunterkunft zum 31. Dezember 2019 schließen. Alle Flüchtlinge haben ab 2020 einen Wohnraum in angemieteten oder gemeindeeigenen Wohnungen gefunden.

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Von Georg Weber

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