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Nachrichten Schweden: Helfen bald Wennigser?
Region Wennigsen Nachrichten Schweden: Helfen bald Wennigser?
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16:16 25.07.2018
Ein Feuerwehrwagen kommt zu einem Waldbrand in der Nähe von Ljusdal. In Schweden wüten weiter heftige Waldbrände. Quelle: TT NEWSAGENCY/AP
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Wennigsen

Feuerwehrmänner aus Wennigsen können helfen, die Waldbrände in Schweden zu bekämpfen. Der Brandabschnitt II, zu dem auch Wennigsen gehört, wurde in Alarmbereitschaft gesetzt. Vier Kameraden aus Wennigsen würden mit einem Tanklöschfahrzeug umgehend mitfahren. „Ein großes Dankeschön an die verständnisvollen Arbeitgeber“, sagt Wennigsens Feuerwehrsprecher Helge Jakob.

Auslandseinsatz der Feuerwehr: Kräfte aus Nienburg sind am Wochenende mit zwölf Fahrzeugen – darunter fünf Tanklöschfahrzeuge – nach Schweden aufgebrochen. Quelle: Niedersächsisches Ministerium für Inneres und Sport

Die ersten 52 Feuerwehrleute aus der Region, genauer aus Nienburg, unterstützen bereits mit zwölf Fahrzeugen in Schweden die Löscharbeiten bei den Waldbränden, die sich mittlerweile auf eine Fläche von 200 Quadratkilometern ausgebreitet haben. Das sind mehr als 28.000 Fußballfelder. Am Dienstag hatten die Nienburger ihren ersten Einsatz. Über Facebook lassen die Helfer an ihrem Leben im Camp in Särna teilhaben, wohin sie wegen akuter Gefahr umgeleitet wurden. Die Einsatzorte liegen von dort etwa 50 Kilometer entfernt.

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„Die Bereitschaft ist riesig“

Ein weiteres Hilfsgesuch aus Schweden ist bisher ausgeblieben, doch sollte es dazu kommen, dann steht in Hannover eine weitere Gruppe von Feuerwehrleuten und Fahrzeugen bereit. Dazu gehören dann auch die Einsatzkräfte und Material aus Brandabschnitt II, der neben Wennigsen auch noch Barsinghausen, Gehrden, Ronnenberg und Seelze umfasst. „Die Bereitschaft ist riesig. Die Kollegen zeigen sich solidarisch und stehen parat“, betont eine Sprecherin des Innenministeriums.

Geplant werde derzeit mit einer möglichen Einsatzgruppe von 15 Fahrzeugen und 50 Feuerwehrleuten. Den Vorgaben aus Schweden nach müssen diese 96 Stunden lang autark arbeiten können, weshalb zum Waldbrandbekämpfungstross nicht nur selbst mitgebrachte Zelte und Feldbetten gehören, sondern auch eine eigene Einsatzküche.

Anstregende 1500 Kilometer

Aus den Reihen der Wennigser Feuerwehr hatten sich insgesamt 15 Kameraden bereit erklärt, im Einsatzfall mit nach Schweden zu fahren. Nur vier werden gebraucht. Ein Tanklöschfahrzeug sei mit drei Leuten besetzt, ein vierter Mann würde zur Reserve mitfahren. „Ausgesucht wurden sie, weil sie alle den Lkw-Führerschein haben“, erklärt Feuerwehrsprecher Jakob. Die Tour werde anstregend. Bis nach Schweden sind es 1500 Kilometer. „Dann kann man sich notfalls am Steuer abwechseln.“

Ob überhaupt und wenn ja, wann und in welcher Form ein Abruf nach dem EU-Katastrophenschutzmechanismus erfolgt, könne noch nicht gesagt werden, sagt die Sprecherin des Innenministeriums. Sollte Schweden weitere Hilfe anfordern, würde genau geprüft, was nötig und möglich sei. „Wir dürfen den eigenen Brandschutz nicht außer Acht lassen – gerade in der momentanen Situation.“

Der Auslandseinsatz dort ist der erste seiner Art für die Feuerwehrkräfte aus der Region. Der letzte vergleichbare Einsatz liegt bereits Jahrzehnte zurück: 1978 unterstützten Feuerwehrleute aus Hannover und dem Umland die Arbeiten nach einem schweren Ölunfall, als der Tanker Amoco Cadiz vor der bretonischen Küste in Frankreich verunglückt und auseinandergebrochen war.

Achtung, Hitze!

Heiß, heißer, am heißesten: „Klar, auch hier bei uns können Waldbrände ein Thema werden“, sagt Wennigsens Feuerwehrsprecher Helge Jakob. Die Waldbrandgefahr im Deister klettert am Mittwoch erneut auf die zweithöchste Warnstufe – sie liegt bei vier von fünf. Regen ist nicht in Sicht. Die ganze Woche soll sonnig und trocken bleiben. Bei diesem Wetter genügt schon eine achtlos weggeworfene, glimmende Zigarette, um die Natur in Brand zu setzen.

Der Deutsche Feuerwehrverband rät: Keine Zigaretten oder andere brennende Gegenstände in die Natur werfen – erst recht nicht aus einem Fahrzeug. Schnell kommt es zu einem Böschungsbrand an Autobahnen oder anderen Straßen. Auch beim Parken auf trockenem Gras ist Vorsicht geboten: Leicht kann es passieren, dass die Hitze des Katalysators einen Halm entzündet – rasch brennt dann das ganze Feld.

In der Natur sollte nur auf ausgewiesenen Plätzen gegrillt werden. Verbote bitte respektieren. Brände oder auch nur Rauch, den man bemerkt, sollten sofort über den Notruf 112 gemeldet werden. Ein kleines Feuer kann man mitunter auch versuchen, selbst zu löschen. Aber nur, wenn man sich nicht selbst in Gefahr bringt.

Von Jennifer Krebs und Astrid Köhler