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Region Wennigsen Nachrichten Ruheforst: Die Nachfrage steigt weiter an
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18:29 23.01.2014
Von Ingo Rodriguez
Im Eingangsbereich des Ruheforstes soll an einem Pumpenhaus ein Toilettenbau entstehen. Quelle: Ingo Rodriguez
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Wennigsen

Wenn es um Sterbefälle und Begräbnisse geht, sind Pietät und mithin auch eine angemessene Wortwahl erforderlich. Bei den Geschäftszahlen der Ruhestätte in der Steinkrüger Forst fällt es jedoch schwer, auf gewisse Begriffe zu verzichten. Dort werden fünf Jahre nach der Eröffnung immer noch neue Rekordwerte verzeichnet. Die Waldbestattungen im Deister erleben unverändert einen Boom, und die Verkaufswelle ebbt nicht ab. Die Folge: Expansion.

„Wegen der großen Nachfrage planen wir für 2014 die fünfte Erweiterung“, sagt Betriebsleiter Ralf Schickhaus. Im vergangenen Jahr habe sich die Anzahl der Beisetzungen etwa verdoppelt. „Tendenz steigend“, sagt Schickhaus. Deshalb sei es sinnvoll, das derzeit rund 95 000 Quadratmeter große Areal für Grabstätten auszuweiten.

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Das Waldgebiet, in dem sich der Ruheforst befindet, ist Eigentum der Freiherrn Knigge und wird mit der eigenen Forstverwaltung naturnah bewirtschaftet. Seit der Eröffnung der Anlage vor fünf Jahren sind dort rund 1800 Beisetzungen gezählt worden. Ruhebiotope nennen sich die Grabstätten im Deister. Ruherecht: Rund 100 Jahre. Die Interessenten kommen aus der gesamten Region Hannover, Hameln und Hildesheim.

„Es gibt nur drei dieser Anlagen im weiteren Umkreis von Hannover“, begründet Schickhaus die große Nachfrage. Dass die vergleichsweise kostengünstige und idyllische Bestattungsform zeitgemäß sei und voll im Trend liege, zeige sich auch an den Bemühungen vieler Kommunen, ebenfalls Grabstätten im Wald anzubieten. „Das Interesse an dieser Bestattungsform geht sonst zulasten der eigenen Friedhöfe“, weiß der Betriebsleiter.

Schickhaus wird nicht nur mit dem Bedarf, sondern auch mit den Bedürfnissen von Interessenten und Besuchern konfrontiert. „Wir wurden zuletzt mehrfach auf den Notstand einer fehlenden Toilette hingewiesen“, sagt er. Inzwischen liege aber eine fernmündliche Zusage der Naturschutzbehörde vor, im Bereich des nahe gelegenen Pumpenhauses am Steinkrüger Weg eine öffentliche Toilette zu errichten. „Ohne Genehmigung geht dort baulich nichts - Landschaftsschutzgebiet“, sagt Schickhaus. Er weiß: „Dem Strom- und Wasserversorger ist als Besitzer des Pumpenhäuschens inzwischen auch an einer Toilette gelegen.“ Deshalb sei ein Treffen geplant - auch mit Vertretern der Gemeinde - um über die langfristige Unterhaltung einer öffentlichen Sanitäranlage am Steinkrüger Weg zu reden.

Anwohner und Spaziergänger klagen über rasende Autos

Der Gemeindeverwaltung liegen laut Fachbereichsleiter Olaf Fals zwar keine offiziellen Beschwerden oder Klagen vor, aber die Situation taugt allemal zum Dorfgespräch. Auch beim Neujahrsempfang war es kürzlich wieder ein Thema – und der Betriebsleitung des Ruheforstes ist das Problem ebenfalls nicht entgangen: In Bredenbeck beschweren sich offenbar regelmäßig Anwohner, Radfahrer und Spaziergänger über Autofahrer, die auf dem Steinkrüger Weg mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Ruheforst fahren.

Betriebsleiter Ralf Schickhaus ist darüber informiert: „Wenn Autofahrer die Ortslage mit Bebauung verlassen, endet auch die Tempo-30-Zone“, beschreibt er die Situation. Dann könne es bei höherer Geschwindigkeit auf dem schmalen Asphaltstreifen in Richtung Grüngutannahme und Ruheforst zu gefährlichen Situationen mit Rollstuhlfahrern und Müttern mit Kinderwagen kommen. „Es soll auch schon vorkommen, dass unpünktliche Gäste einer Bestattung auf dem letzten Stück der Anfahrt ordentlich Gas geben“, sagt Schickhaus.

Er hatte deshalb kürzlich vorgeschlagen, den nahe gelegenen Kassebornweg für den öffentlichen Straßenverkehr frei zu geben. Das war jedoch bei vielen Landwirten auf Widerstand gestoßen. Sie benutzen den Feldweg als Transportstrecke für ihre landwirtschaftlichen Produkte und befürchten bei Gegenverkehr Engpässe. Für Schickhaus kommt auch eine Ausweitung der Tempo-30-Zone bis zum Ruheforst mit Tempoüberwachungen als mögliche Lösung infrage. Laut Fachbereichsleiter Fals will sich die Gemeinde mit dem Problem befassen, wenn Beschwerden eingehen.

Kerstin Siegmund 23.01.2014
Jennifer Krebs 20.01.2014