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Nachrichten Gesundheitsamt prüft KGS Wennigsen: Zustand sehr bedenklich
Region Wennigsen Nachrichten Gesundheitsamt prüft KGS Wennigsen: Zustand sehr bedenklich
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00:20 20.01.2019
Die Kooperative Gesamtschule Wennigsen. Quelle: privat
Wennigsen

Das Urteil des Gesundheitsamts ist eindeutig: Die Reinigung an der KGS Wennigsen ist mangelhaft – es muss umgehend gehandelt werden, „um gesundheitliche Beeinträchtigungen beziehungsweise potenzielle Infektionsgefahren“ zu vermeiden. Das geht aus dem Bericht des Gesundheitsamts hervor, der dieser Zeitung vorliegt.

Am Mittwoch vergangener Woche waren zwei Mitarbeiter des Gesundheitsamts der Region Hannover in der Sophie-Scholl-Gesamtschule, um die Lage zu bewerten. Schulleiterin Birgit Schlesinger hatte die Behörde eingeschaltet, nachdem sie in den vergangenen Jahren immer wieder auf die mangelhafte Reinigung und die „katastrophalen Zustände“ hingewiesen hatte – geschehen war bis dato aber nichts.

An der dreistündigen Begehung nahmen der Hausmeister und Fachbereichsleiterin Ulrike Schubert teil. Vertreter des kritisierten Reinigungsunternehmens waren nicht dabei. Auf wiederholte Anfragen dieser Zeitung äußerte sich die Firma bisher nicht zu den Vorwürfen.„Im Hinblick auf die Reinigung hinterließ das Gesamtbild der Einrichtung einen infektionshygienisch sehr bedenklichen Eindruck, da grundlegende Hygienestandards nicht gewährleistet werden“, heißt es in dem Bericht der Behörde. Diese Einschätzung vertritt die KGS-Schulleitung schon länger.

Maßnahmenkatalog erstellt

Man sei froh, dass die Mängel auch vom Gesundheitsamt bestätigt wurden, sagt Schlesinger und ergänzt: „Wir haben uns sofort mit der Verwaltung zusammengesetzt, einen Maßnahmenkatalog erstellt und geschaut, wer welche Aufgaben erledigen muss.“ Zudem kündigte sie an, dass der „Tag der sauberen Schule“, an dem die Schüler die Räume eigenständig reinigen, wegen des „katastrophalen Berichts“ in diesem Halbjahr ausfallen werde.

Bei der Begehung wurden fast alle Gebäudeteile geprüft, ebenso die Sporthalle und der Anbau für Musik und Werken. „Die Aufzählungen der Schüler und die Tatsachen, die Schulleitung und Eltern seit Jahren bemängeln, werden durch das Gutachten des Gesundheitsamtes exakt bestätigt“, sagen Elternvertreter. Dennoch sind sie skeptisch: „Leider befürchten wir, dass die Situation sich nicht verbessern wird, da Aussagen der Reinigungsfirma von der Gemeinde weiterhin nicht kontrolliert werden.“

Die Eltern kritisieren, dass die Reinigungskräfte offenbar vorgewarnt wurden. Die Schulleitung hatte gebeten, den Termin mit dem Gesundheitsamt nicht bekanntzugeben. Trotzdem habe jemand die Reinigungsfirma informiert, meinen die Eltern. Laut Elternratsvorsitzender Deborah Bullerdiek habe ein Mitarbeiter am Abend vor dem Besuch dem Hausmeister gesagt: „Wir sind ja heute hier, weil morgen das Gesundheitsamt kommt." Um so erschreckender sei der vom Prüfer am Folgetag vorgefundene Zustand.

Unternehmen muss Auflagen erfüllen

Das Gesundheitsamt hat dem Reinigungsunternehmen Auflagen gemacht, die schnell umgesetzt werden müssen. Viele der Anweisungen klingen wie Selbstverständlichkeiten – die aber bisher nicht befolgt wurden. So müssen Schmutzwasserreste und weitere Rückstände künftig vollständig aus den Reinigungsutensilien wie etwa Wischeimern entfernt werden; die Reinigungsmittel sind ordnungsgemäß zu dosieren und zu nutzen und unzugänglich für Dritte aufzubewahren. Zudem müssen die Utensilien teils erneuert oder ausgetauscht werden – unter anderem die Holzbesen, da sie ein „hervorragendes Reservoir für pathogene Erreger und Pilze“ seien. Reinigungswagen und andere Hilfsmittel müssen mindestens wöchentlich gereinigt werden. Abfallbehälter sind regelmäßig sowie bei Bedarf zu leeren; Seife und Papierhandtücher müssen umgehend ersetzt werden, wenn sie leer sind. Genutzte Wischbezüge und Reinigungstücher müssen in „ausreichend widerstandsfähigen und dichten Behältnissen“ gesammelt werden. „Es ist eine strikte Trennung im Hinblick auf reine und unreine Arbeitsmaterialien zu gewährleisten“, erklärt die Behörde. Das Gesundheitsamt weist auch darauf hin, dass die Reinigungskräfte eine angemessene Zahl an Reinigungstextilien nutzen müssen, „um Erregerverteilung innerhalb der Einrichtung zu vermeiden“. Die Tücher und Bezüge sollen täglich gereinigt werden. Die Reinigungskräfte müssen ihre Arbeitsabläufe täglich dokumentieren, fordert das Gesundheitsamt. Ferner sind Reinigungs- und Desinfektions- sowie Hygienepläne zu erstellen, in die die Reinigungskräfte regelmäßig eingewiesen werden müssen.

Denn trotz mutmaßlicher Vorwarnung listete das Gesundheitsamt mehrere Kritikpunkte und „enorme Mängel“ auf: Beanstandet wurden etwa unverschlossene Putzräume, nicht ordnungsgemäß entsorgtes Putzwasser und -material sowie der Reinigungszustand von Lauf- und Aufenthaltsbereichen und Klassenzimmern. Die Fußböden und Kontaktoberflächen der Sanitärbereiche, Unterrichtsräume, Treppenhäuser und Flure wiesen laut Behörde zum Großteil „sehr grobe Verunreinigungen“ auf. Der Zustand der Böden deute auf eine falsche Dosierung der Reinigungsmittel hin, die das Material schädige. Zudem werden laut Amt „leere Direktspender für Waschlotion und Einmalpapiertücher scheinbar nur selten aufgefüllt“. Auch die Mülleimer in den Sanitärbereichen, die teils biologische Abfälle enthalten, würden „augenscheinlich zu selten geleert“.

Viele Kritikpunkte

Kritisiert wird zudem, dass Abstell- und Nebenräume als Lagerplätze für Reinigungsutensilien zweckentfremdet würden und zum Großteil stark verunreinigt seien. Dadurch werde die Verteilung von potenziellen Krankheitserregern innerhalb der Einrichtung begünstigt. „Die Putzmittelräume und die darin enthaltenen Reinigungsutensilien sind einer grundlegenden Strukturierung zu unterziehen, da diese sich im Gesamtbild in einem sehr ungepflegten und infektionshygienisch äußerst bedenklichen Zustand befanden“, urteilt die Behörde. Nur durch entsprechende Gegenmaßnahmen und Arbeitsanweisungen könne eine Verteilung der Erreger verhindert werden.

Verwaltung prüft Rechtsmittel

Das Gesundheitsamt hat den Reinigungskräften etliche Auflagen erteilt. Dazu gehört eine Grundreinigung der Schule. Laut Bullerdiek erklärte die Reinigungsfirma, die Grundreinigung sei am Dienstag dieser Woche erledigt worden. Das können die Eltern kaum glauben. Denn der Hausmeister, der die Räume stichprobenartig überprüfte, bemängelte, dass erneut diverse Räume nicht gereinigt worden seien. Zudem protokollierte er, dass die Spülen auf allen Stationen, ein Treppenhaus, alle Sanitäranlagen im zweiten Stock, der Haupteingang und die Büroräume der Verwaltung nicht gereinigt wurden. „Es ändert sich also nichts“, kritisiert Bullerdiek.

Bürgermeister Christoph Meineke erklärt, dass die Gemeinde nun „aufgrund des vorliegenden Berichts in eine harte Phase der Auseinandersetzung juristischer Art eintreten wird“. Derzeit erarbeitet das Rathaus ein Konzept, wie die Reinigung wieder von der Kommune übernommen werden kann. Allerdings müssen erst die personellen und organisatorischen Grundlagen geschaffen und dem Rat eine Budget- und Personalplanung vorgelegt werden. Rückendeckung gibt es vom Gesundheitsamt: „Bei konstanter, mangelnder Umsetzung der Reinigung ist das gegebene Leistungsverzeichnis entsprechend anzupassen beziehungsweise zu erweitern.“ Alternativ könne „eine Eigenreinigung oder ein Wechsel des derzeitigen Dienstleisters erwogen werden“, heißt es im Bericht.

Vor allem in den Sanitäranlagen muss sich etwas tun

Zahlreiche Änderungen bei der Hygiene in den Sanitäranlagen hat das Gesundheitsamt angemahnt. So weisen die Mitarbeiter darauf hin, dass Desinfektionsmittel für die Hände nicht umgefüllt werden darf. Allerdings sind aus Sicht des Amtes solche Mittel in Schülertoiletten gar nicht nötig. In den Personaltoiletten hingegen müssen sie nachgerüstet werden. Außerdem müssen die Sanitärbereiche in der Sporthalle mit Direktspendern für Waschlotion, Einmalpapiertüchern sowie Behältern zur Abfallentsorgung ausgestattet werden. Dort fehlten an einigen Stellen auch Toilettendeckel, bemängelt das Gesundheitsamt. Zudem seien die Lüftungen in den Duschen der Sporthalle mitunter grob verschmutzt. Ein weiterer Punkt: Eine der Liegen im Sanitätsraum sei beschädigt, „wodurch eine hygienisch einwandfreie Aufbereitung der Oberfläche nicht sichergestellt werden kann.“ Diese müsse aufbereitet oder ausgetauscht werden.

Von Lisa Malecha

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