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Nachrichten Schafstall wurde vor 200 Jahren von Laves erbaut
Region Wennigsen Nachrichten Schafstall wurde vor 200 Jahren von Laves erbaut
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16:38 04.01.2018
Hinter der blauen Stalltür verbergen sich spannende Geschichten, die Ernst-Günter Weiß alle kennt. Quelle: Hartung
Argestorf

 Ernst-Günter Weiß nimmt den Mann von der Zeitung am großen Tor des ehemaligen Stalls freundlich in Empfang. „Haben Sie Zeit mitgebracht?", fragt er. Und dann beginnt auch schon eine überaus interessante Zeitreise. „Der Stall wurde von Georg Ludwig Friedrich Laves erbaut – und der war als führender Architekt des Königreichs Hannover bekanntlich eine große Nummer", sagt der 75-jährige Landwirt, der auf dem denkmalgeschützten Gelände mit seiner Frau Hildegard lebt.

Nun geht es hinein in den ehemaligen Stall auf dem Widdergut, in dem heute nur noch abgestellte Landmaschinen und Autos zu sehen sind. Noch bis 2010 war dort ordentlich was los – bis zu 150 Schafe tummelten sich in ihrem Domizil. Weiß züchtete 40 Jahre Merino-Schafe, zuerst nur als Wolllieferanten, später dann auch mit Fleischverkauf. „So konnten wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Das Merino-Schaf ist die hochwertigste Rasse überhaupt“, erklärt der Experte.Das galt früher sogar für den Kot. „Die Schäfer haben einst darauf geachtet, dass die Schafe auf den eigenen Hof kötteln. Denn das war der beste Dünger überhaupt für den Gemüsegarten. Wenn die Schafe irgendwo unterwegs abgeköttelt haben, haben sich nur die Bauern gefreut, denen das jeweilige Feld gehörte“, berichtet Weiß.

Der Widder: Symbol für Fruchtbarkeit

Ein Widdergut wie in Argestorf bedeutet immer, dass dort Schafe gehalten wurden. Gegenüber des ehemaligen Stalls auf der anderen Seite des Hofes, getrennt durch die vier gewaltigen Eichen, die dem Gut den Namen gegeben haben, befindet sich eine alte Scheune. Darauf zu sehen ist der Kopf eines Widders, also der Schafbock und damit der König der Herde. „Der Schafbock kann an einem Tag bis zu 70 Begattungen vornehmen. Daher galt er früher als Sinnbild der Fruchtbarkeit", berichtet Ernst-Günter Weiß. Aber der Bock kann auch anders: Mit seinen gewundenen Hörnern entwickelt er eine Wucht, die nicht nur die Beine von Menschen schwer verletzten können. „Der Widder ist das stärkste Säugetier", berichtet der 75-Jährige. „Die Schäfer hatten daher oft Angst vor dem Bock.“ hg

Er kann viele spannende Geschichten erzählen. Nicht ohne Grund hat er als Autor drei Seiten in dem Buch „Hannoversche Geheimnisse II“ mit der Historie des Widderguts gefüllt. „Ich kann Ihnen noch mehr berichten, aber dafür brauchen wir noch zwei weitere Stunden", sagt er und lacht. Spannend vor allem ist, wie die Schäfer früher gelebt und gearbeitet haben. „Damals waren die Menschen auch schon sehr clever, als es noch keine Isolierungen oder Lüftungssysteme gab." Weiß erzählt, wie im Stall mit Luftschlitzen für Frischluft gesorgt wurde. Das Problem: In einem Schafstall erwärmt sich die Luft schnell, ohne Belüftung bildet sich Kondenswasser, das sich an der Decke festsetzt und schnell für Schimmel sorgt – verschimmelte Wolle verkauft sich aber nicht gut. Stoßlüften mit aufgerissenen Türen wiederum ist in manchen Jahreszeiten auch keine gute Idee. „Damals gab es noch richtige Winter, da waren minus 18 Grad nicht selten“, weiß Weiß. „Einem Schaf mit Lungenentzündung war kaum zu helfen.“

Apotheke im Taubenschlag

Was für die Tiere galt, das galt damals auch für die Menschen. Eine schwere Erkältung konnte tödlich enden. „Da oben war die Apotheke“, sagt Weiß verschmitzt und zeigt auf eine schlichte Bretterwand. Dahinter befand sich ein Taubenschlag – die dank der Schafe nach oben aufsteigende Wärme war ein perfekter Platz für die Vögel. „Wer krank war, hat sich ein Täubchen gekocht“, berichtet Weiß. Das zarte Taubenfleisch war voller Nährstoffe, die Brühe der Suppe sehr gesund. „Die Schäfer waren gute Mediziner, die haben sich das alles selbst beigebracht“, erzählt Weiß.Warum hat er 2010 die Zucht aufgeben? „Ich war damals 68, irgendwann geht es nicht mehr. Das ist zwar eine Leidenschaft, aber auch ein Rund-um-die-Uhr-Job“, sagt Weiß, der nicht mehr zählen kann, bei vielen Lämmchen er in den Wintermonaten nachts im Stall den Geburtshelfer gespielt hat. Und er sagt nachdenklich: „Das Geschäft wurde immer schwerer, seit die Wolle durch Kunststoffe abgelöst wurde.“

Von Stephan Hartung

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