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Nachrichten Waldeinsätze, Jungscharr und Nachwuchsprobleme: Der CVJM Wennigsen wird 60
Region Wennigsen Nachrichten Waldeinsätze, Jungscharr und Nachwuchsprobleme: Der CVJM Wennigsen wird 60
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16:15 31.07.2019
Jens Mölck (von links), Harro Lange, Heino Heierberg und Jan-Eric Bothe durchstöbern alte Unterlagen und Zeitungsartikel über den CVJM-Ortsverein Wennigsen. Quelle: Lisa Malecha
Wennigsen

Jens Mölck erinnert sich noch gut an die Anfänge. „Vor uns gab es hier schon die evangelische Jugend, die sehr erfolgreich Jugendarbeit gemacht hat“, sagt er. Doch in der evangelischen Jugend hätte man „bestimmte Dinge“ nicht tun dürfen. Mehrere Jugendliche gründeten deshalb 1959 den CVJM, der damals noch nicht Christlicher Verein Junger Menschen, sondern Christlicher Verein Junger Männer hieß. Ziel war es, eine unabhängige Jugendarbeit auf christlicher Basis ins Leben zu rufen.

In der Schleifbachhütte habe es schließlich eine Adventsfeier gegeben, bei der sich die Jugendlichen „nicht so benahmen, wie der Pastor es wollte“, wie Harro Lange vom CVJM berichtet. Es sei laut Erzählungen nicht der erste Vorfall dieser Art gewesen, weshalb der Pastor den Jugendlichen mehrere Verbände vorstellte, die die Jugendarbeit übernehmen sollten. Unter ihnen auch der CVJM, für den sich die Jugendlichen schließlich entschieden.

Anfangs liegt der Schwerpunkt auf der Jugendarbeit

Noch 1959 gründeten sich zwei Jugendschaften des Ortsvereins, es gab eine Osterfreizeit an der Weser und vieles mehr. Seither habe sich die Arbeit in der Ortsgruppe stark gewandelt. „Wir hatten immer verschiedene Phasen und Schwerpunkte“, sagt Jan-Eric Bothe, der seit nunmehr 50 Jahren in der CVJM-Ortsgruppe ist. „Ich habe damals in der Kindergruppe angefangen“, sagt Bothe.

Dieses Foto ist im Jahr 1962 beim Pfingstlager des CVJM entstanden. Quelle: CVJM Wennigsen

Insbesondere in den Sechziger- und Siebzigerjahren sei die Jugendarbeit besonders stark gewesen - mit Gruppenabenden, Auslandsfahrten, Patenschaften und internationalen Begegnungen. „Die Auslandsfahrten waren ein Alleinstellungsmerkmal von uns“, sagt Harro Lange. Er selbst sei mit dem CVJM das erste Mal im Ausland gewesen. Unter anderem gab es Fahrten nach Spanien, Portugal, Nordirland und sogar nach Mexiko.

Zu Hochzeiten hatte der Verein 80 Mitglieder

„In Mexiko kannten wir einen Missionar, der die Bibel ins indianische Totonako übersetzen wollte“, sagt Heino Heierberg vom CSJM. Um dessen Arbeit zu unterstützen, hat der Verein über Jahre sogenannte Waldeinsätze in Wennigsen organisiert. „Der Oberförster hat uns ein Waldareal zugewiesen, auf dem wir das Gehölz verbrennen sollten“, erinnert sich Heierberg. Das sei damals noch ganz unkompliziert abgelaufen. Man habe alles gesammelt und Reifen um das Feuer gelegt. „Über die brennenden Reifen hat man sich damals gar keine Gedanken gemacht“, sagt er und erzählt von den dicken, schwarzen Rauchwolken, die aus dem Deister aufstiegen.

Vor allem in den siebziger Jahren sei der Verein dank all dieser Angebote sehr gut aufgestellt gewesen. „Wir hatten etwa 80 Mitglieder“, sagt Heierberg. Zu dieser Zeit begann auch die sehr stark politisch ausgerichtete Zeit, die sich bis in die neunziger Jahre zog. Die CVJM-Grupp startete eine „Brot für die Welt“-Aktion (1974), fuhr nach Kenia, um dort ein Aufbaulager zu bauen, und brachte Kleidung und sogar eine ganze Krankenhauseinrichtung nach Weißrussland. „Wir haben uns gegen den Golfkrieg stark gemacht, eine Ökogruppe gegründet, waren bei der Friedenswoche mit der Evangelischen Jugend“, sagt Bothe.

Heute sind viele Mitglieder im Rentenalter

Die regelmäßigen Treffen und Traditionen wie die Kindergruppe Jungscharr aber schliefen ein. Der CVJM litt darunter, dass die evangelische Jugendarbeit der Gemeinde professionell aufgebaut wurde. „Davor hat die Gemeinde die Jugendarbeit eher so nebenbei betrieben, auf einmal hatte sie Diakone, die in dem Bereich topfit und gut ausgebildet waren“, sagt Lange. Zudem habe das Aufkommen von Computern die Arbeit erschwert, da der PC immer mehr Platz im Leben der Kinder und Jugendlichen eingenommen hat. Zudem habe die Schule den Kindern immer mehr abverlangt. Viele haben die Stunden am Nachmittag, die sie sonst mit dem Ortsverein verbrachten, am Schreibtisch sitzen müssen.

Die CVJM-Mitglieder sind auch sportlich unterwegs - wie hier bei den Kanutagen 2010. Quelle: CVJM

Mittlerweile zählt der CVJM in Wennigsen rund 35 Mitglieder – viele von ihnen sind schon seit Jahrzehnten dabei. Das schlägt sich auch auf die Aktivitäten der Ortsgruppe nieder. Zur Vereinsarbeit gehören derzeit regelmäßige Treffen im Familienkreis, Wanderungen, Schachabende und vieles mehr. Die Schachgruppe trifft sich einmal im Monat und fährt jedes Jahr zum Trainingslager nach Ostfriesland. Der Familienkreis bietet monatlich Diskussionsrunden zu einem ausgewählten Thema an, unternimmt Reisen in Deutschland und organisiert Aktionen für Familien.

Der Nachwuchs fehlt

Aus der Jugendarbeit hat sich der Verein größtenteils zurückgezogen. „Es kommt von Unten nichts nach“, sagt Heierberg. Dennoch gibt es für Kinder noch immer vielfältige Angebote. Die Märchenarbeit ist ein Schwerpunkt des CVJM in Wennigsen. Mit seiner Marionettenbühne und einem großen Repertoire an Märchen tritt er in Schulen, Kitas und Gemeindehäusern auf. Als nächstes steht das Stück „Frau Holle“ auf dem Programm. Alle rund 50 Marionetten haben Lange, Bothe und weitere Puppenspieler übrigens selbst gebaut. Zudem bieten sie auch ein Schattentheater an.

2009 hat der CVJM-Ortsverein Wennigsen ein großes Märchenfest gefeiert. Quelle: CVJM

Ob sie Wünsche für die Zukunft haben? „Ich würde es schön finden, wenn wir wieder mehr mit Kindern machen“, sagt Heierberg. Doch ob das realistisch ist, wagt er zu bezweifeln – auch wenn alle vier Vorstandsmitglieder betonen, dass die Mitgliedschaft im CVJM auch für das spätere Leben von Vorteil ist. „Bei uns lernt man, Kompromisse einzugehen, in Gruppen zu arbeiten, man erwirbt Kommunikationsfähigkeiten“, zählt Lange nur einige der Vorteile auf, die ihm sofort einfallen.

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