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Nachrichten Polizei registriert wegen A7-Baustelle mehr Unfälle
Region Wedemark Nachrichten Polizei registriert wegen A7-Baustelle mehr Unfälle
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17:25 12.04.2019
Peter Trinks stellt als Leiter des Einsatz- und Streifendienstes die Verkehrsunfallstatistik des letzten Jahres vor. Quelle: Sven Warnecke
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Wedemark

Die Zahl der Verkehrsunfälle ist nach 708 im Jahr 2017 auf nunmehr 729 erneut angestiegen. Als eine Ursache hat der Leiter des Einsatz- und Streifendienstes (ESD), Peter Trinks, bei seiner ersten Präsentation der Unfallstatistik im Wedemärker Kommissariat die Großbaustelle auf der Autobahn 7 zwischen Mellendorf und Schwarmstedt ausgemacht. Denn die Umleitungen über die L 190 – komplette Wedemärker Nord-Süd-Durchfahrt –, die L 310 und die K 107 brachten im vergangenen Jahr viel mehr Verkehr in die Gemeinde. Diese Straßen waren vor allem dann stark frequentiert, wenn auf der A 7 Staus oder Vollsperrungen die Auto- und Lastwagenfahrer dazu veranlassten, die Fernstraße zu verlassen. Auf diesen Umleitungsstrecken krachte es im vergangenen Jahr 154 mal. Im Jahr zuvor wurden dort 98 Unfälle registriert, sagte Trinks am Freitag.

Bei den Unfällen wurden 138 Menschen verletzt, 18 davon schwer. Zudem starben auf den Straßen in der Gemeinde zwei Motorradfahrer bei Unfällen. Beide Männer seien zu schnell unterwegs gewesen, berichtet Trinks. „Die Anzahl der Verunglückten stieg insgesamt um 25 Prozent.“ Eine der Hauptunfallursachen waren zu geringer Sicherheitsabstand – Trinks spricht von einer schon auffallenden Zunahme. Aber auch das Missachten der Vorfahrt, zu hohe Geschwindigkeit, Fehler beim Abbiegen und Fahren unter Alkoholeinfluss führten immer wieder zu Unfällen. Auch die Ablenkung der Fahrer, etwa durch das Bedienen eines Telefons während der Fahrt, führt häufig zu Unfällen. „Schon eine Sekunde auf das Handy schauen bei Tempo 50 führt zu 14 Metern Blindflug“, warnt der Polizist.

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Zwei Motorradfahrer sterben auf Wedemarks Straßen

Den höchsten Anteil bei den Verkehrsunfällen hatten Autofahrer mit knapp 78 Prozent, in absoluten Zahlen sind das 566. Der Anteil des Schwerlastverkehrs beträgt nur gerade einmal 9,6 Prozent aller Unfälle. Im vergangenen Jahr wurden zudem 35 Unfälle mit Radfahrern registriert, 27 von ihnen wurden dabei verletzt, drei davon schwer. Außerdem waren 16 Fußgänger an Unfällen beteiligt, 13 von ihnen kamen schwer oder leicht verletzt ins Krankenhaus. Gerade Fußgänger und Radler „sind als ungeschützte Verkehrsteilnehmer besonders dem Risiko ausgesetzt, im Falle eines Unfalls verletzt zu werden“, sagt Trinks. Deshalb appelliert er, möglichst helle, gut sichtbare Kleidung zu tragen. Radler sollten zudem einen Helm sowie reflektierende Westen tragen und mit „den Fehlern der Autofahrer rechnen“.

Ein Sorgenkind für die Wedemärker Polizei ist und bleibt die stetig steigende Zahl der Unfallfluchten – speziell nach Parkplatzremplern vor Supermärkten. Im Jahr 2017 entfernten sich 149 Fahrer unerlaubt vom Unfallort, ein Jahr später waren es bereits 179. Das bedeutet eine Zunahme um 20 Prozent. Trinks spricht von einem „Phänomen“, das seit Jahren in der gesamten Region zu beobachten sei. „Doch Unfallflucht ist kein Kavaliersdelikt“, stellt der Polizist unmissverständlich klar. Es handelt sich um eine Straftat und kann neben einer Geldstrafe sogar mit Gefängnis geahndet werden. Besonderes Risiko für die Flüchtigen: Nahezu jede dritte Tat wird aufgeklärt. Zumeist dank eingehender Zeugenhinweise.

Unfallflucht ist kein Kavaliersdelikt

Eine Unfallflucht ist sowohl Trinks als auch Kommissariatschef Jochen Sachweh besonders in Erinnerung geblieben: Ein bis heute unbekannter Autofahrer hatte Anfang Dezember auf der Wedemarkstraße im Bereich der Schaumburger Straße in Mellendorf einen 84 Jahre alten Mann auf dem Zebrastreifen erfasst. Der Senior wurde schwer verletzt. Nach dem Zusammenstoß floh der Fahrer des dunklen Kleinwagens in Richtung Fuhrberg. Bis heute fahndet die Polizei nach dem Unbekannten – auch mit Plakaten und hofft immer noch auf Hinweise.

Leicht rückläufige Zahlen hat die Polizei im vergangenen Jahr indes bei den Wildunfällen notiert. Starben auf Wedemarks Straßen im Jahr 2017 noch 197 Wildtiere, waren es zuletzt 155. Einen besonderen Schwerpunkt sieht Trinks jedoch nicht. Die Unfälle ereigneten sich über das gesamte Gemeindegebiet verteilt. Einzig auf der waldreichen Strecke zwischen Negenborn und Resse sterben besonders viele Tiere

Trinks kündigt für das nun laufende Jahr verstärkte Kontrollen an. Dabei gelte das Hauptaugenmerk nicht ausschließlich der Geschwindigkeit, sondern etwa auch der Ablenkung oder Alkohol am Steuer. Und falls der nächste Baustellenabschnitt auf der A 7 in diesem Jahr in Angriff genommen werden sollte, wird die Polizei gemeinsam „mit der Gemeinde Wedemark abgestimmte Maßnahmen“ umsetzen. Der ESD-Leiter listet dabei etwa die Einrichtung von Bedarfsampeln sowie Tempolimits und eine entsprechende Überwachung auf den Umleitungsstrecken auf. Schließlich konnte die Polizei bereits im vergangenen Jahr einige Erfahrung mit der Baustellen-Problematik sammeln.

Von Sven Warnecke