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Nachrichten Airbus-Transport in den Serengeti-Park: Die Gegner formieren sich
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Wedemark Langenhagen: Airbus-Schwertransport in den Serengeti-Park bleibt Reizthema

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17:03 24.09.2021
Blick ins Innere des Airbus „Kurt Schumacher“. Im Serengeti-Park soll die Maschine zu einem Restaurant umgebaut werden.
Blick ins Innere des Airbus „Kurt Schumacher“. Im Serengeti-Park soll die Maschine zu einem Restaurant umgebaut werden. Quelle: Serengeti-Park
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Wedemark/Langenhagen

Der geplante Schwerlasttransport des Luftwaffen-Airbus „Kurt Schumacher“ vom Flughafen Langenhagen zum Serengeti-Park Hodenhagen bewegt weiter die Gemüter in der Wedemark. Ein runder Tisch am Donnerstag hatte keinen Durchbruch gebracht. Bürgermeister Helge Zychlinski fordert, erst Alternativen wie den Transport des zerlegten Flugzeugs auf dem Luftweg zu prüfen, ehe die Gemeinde ihre grundsätzliche Ablehnung des Schwertransportes über die L380, die K102 und die L190 in der Wedemark aufgibt. Zychlinskis Sorge um die Straßenbäume an der Transportroute teilen auch viele andere Politiker.

Der Airbus war zuletzt bei der Evakuierung von Personen aus Afghanistan im Einsatz. Der Serengeti-Park hat den Flieger gekauft und will ihn zu einem Restaurant ausbauen. Quelle: Ole Spata/dpa

CDU: Bäume dürfen keine nennenswerte Schäden erleiden

Die Wedemärker CDU hatte gleich mit vier Gemeinderatsmitgliedern sowie dem Bürgermeisterkandidaten Marco Zacharias am runden Tisch teilgenommen. Ihre Schlussfolgerung: Bei diesem Transportantrag handele es sich um ein genau festgelegtes Verfahren, in dem die einzelnen Handlungsschritte gesetzlich geregelt seien. Der Ball liege nun eindeutig bei der Unteren Naturschutzbehörde der Region Hannover. Sie müsse dem Transportunternehmen aufzeigen, unter welchen Bedingungen der Transport erfolgen könne. Die Bäume und der Charakter der Landschaft dürften dabei keine nennenswerten Schäden erleiden. „Sollte der Transport allen Regeln genügen und keinen Schaden anrichten, steht einer Genehmigung nichts im Wege“, so die Quintessenz der CDU.

Der Region Hannover allerdings liegen nach eigener Einschätzung zum jetzigen Zeitpunkt noch keine prüffähigen Unterlagen zu den tatsächlichen Auswirkungen des Transportes auf die Straßenseitenräume vor. „Wenn dies der Fall ist, werden wir uns die notwendige Zeit zur Prüfung nehmen“, teilte Regionssprecher Klaus Abelmann auf Anfrage mit.

Durch solche engen Kurven mit Bäumen dicht am Straßenrand wie hier in Wedemark-Wiechendorf müsste der Airbus transportiert werden. Quelle: Gabriele Gerner

Schmersow: „Notfalls geht der Transport nicht“

Die Wedemärker Grünen befürchten bei einem Transport wie derzeit geplant irreparable Eingriffe in die Natur. Sie sind überzeugt: „Entlang der Strecke müssten viel mehr Bäume gefällt werden als angekündigt.“ Das Naturschutzrecht mit seiner Eingriffsregelung, die Bestimmungen in den betroffenen Landschafts- und Naturschutzgebieten sowie der Artenschutz müssten Anwendung finden. Zudem müsse im Vorfeld durch ein Gutachten ermittelt werden, welche Schäden der Transport für die Natur verursachen würde. Danach erst könnten Möglichkeiten der Minimierung und Ausgleichsmaßnahmen vorgeschlagen werden.

Auch für den Grünen-Regionsfraktionsabgeordneten Ulrich Schmersow wäre der Transport wie derzeit geplant nicht möglich: „Die Beeinträchtigungen und Eingriffe in die Natur sind einfach zu radikal.“ Im Zentrum der Streckenführung müssten die Interessen der betroffenen Menschen und der Natur stehen, fordert er. „Notfalls geht der Transport nicht.“

Blick ins Cockpit des ausgemusterten Flugzeugs der Luftwaffe. Quelle: Serengeti-Park

Pardey: „Einwohnerproteste wären die Folge“

Jochen Pardey (SPD), Ortsbürgermeister im an der Transportstrecke gelegenen Resse, war beim runden Tisch nicht dabei, hatte sich aber vorab zu Wort gemeldet. „Eine Beseitigung oder auch nur ein starker Rückschnitt alter Bäume kann meines Erachtens nur aus zwingenden Gründen erfolgen. Der von Ihnen beabsichtigte Schwertransport stellt aus meiner Sicht keine Rechtfertigung solcher Maßnahmen dar“, heißt es in seinem Schreiben an den Serengeti-Park. Er hoffe bei den Beratungen auf ein Ergebnis, „das energische Proteste aus der Einwohnerschaft unnötig macht, die zwangsläufig und auch berechtigterweise die Folge wären, wollte man tatsächlich das Ziel einer Entfernung oder Beschädigung wertvoller Bäume weiter verfolgen“.

Pardeys designierter Nachfolger als Resser Ortsbürgermeister, Kai Tschentscher (WWR), spricht gar von einer Farce: „Wie können Bäume beschnitten, gefällt und mit Sicherheit auch beschädigt werden, für ein kommerzielles Interesse eines Freizeitparks? Das geht in meinen Kopf nicht rein. Wir werden alles versuchen zu tun, um dies zu verhindern.“

Von Frank Walter