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Region Wedemark Nachrichten Deshalb stellen Landwirte grüne Kreuze auf Feldern in der Gemeinde auf
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17:10 27.09.2019
Agrarwissenschaftlerin Christine Heins hat drei grüne Kreuze auf Äckern rund um Negenborn aufgestellt – als stummen Protest gegen das Höfesterben. Quelle: Julia Gödde-Polley
Negenborn

Auf den ersten Blick ist es nicht zu sehen. Erst aus der Nähe erkennen Autofahrer, dass auf einem Feld zwischen Negenborn und Resse ein dunkelgrünes Kreuz steht. Christine Heins hat es dort platziert – als stummen Protest gegen das Höfesterben und die wachsende Zahl von Vorschriften aus der Bundes- und Landespolitik. Mit den grün gestrichenen Holzlatten will die Agrarwissenschaftlerin vorbeifahrende Bürger zum Nachdenken anregen. „Die Kreuze sollen darauf hinweisen, dass wir Landwirte uns langsam aber sicher aus der Gesellschaft verabschieden“, schreibt Heins in einem Post auf Facebook. Mitleid wolle sie jedoch nicht erzeugen. Die 30-Jährige beteiligt sich damit an einer bundesweiten Aktion von Bauern.

Neue Auflagen belasten die Landwirte

Anlass ist das neue Agrarpaket, mit dem das Bundesumweltministerium sowie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft unter anderem den Einsatz von Düngemitteln und Insektiziden reglementieren wollen. Anfang September hat das Land Niedersachsen zudem eine neue Düngeverordnung vorgestellt, nach der die Landwirte den Dünger schneller in den Boden einarbeiten müssen. Zudem müssen sie die Lagerkapazitäten für Gülle oder aus Biogasanlagen stammendes Substrat ausweiten. Diese Regeln gelten künftig in weiten Teilen Niedersachsens, in denen die Belastung des Wassers mit Nitrat und Phosphat zu hoch ist. Auch Teile der Wedemark sind demnach als sogenannte rote Gebiete ausgewiesen worden und von den neuen Auflagen betroffen. Doch diese „sind praxisfern und bürokratisch“, sagt Heins. Besonders wütend mache sie, dass die Auflagen nicht europaweit gelten.

Mehr Anreize als nur Verbote?

Immer neue Auflagen, Regelungen und erhöhte Bürokratie würden dazu führen, dass Landwirte künftig vom Haupt- in den Nebenerwerb wechseln oder ihren Hof ganz aufgeben müssten, meint Heins. Sie habe von Kollegen gehört, die ihren Kindern raten, beruflich etwas anderes zu machen. „Ich glaube, Landwirte sehen im Moment nur die Auflagen, die von oben auf sie hereinprasseln.“

Das Nitratproblem wolle sie gar nicht bestreiten, erklärt Heins. Auch dass etwas für die Umwelt getan werden müsse, sei richtig. Davon ist die 30-Jährige überzeugt. Doch man müsse schauen, wie man eine gute Lösung findet. Einige Berufskollegen schlagen Heins’ Angaben zufolge vor, mehr auf Anreize als auf Verbote zu setzen. Der Hof ihres Vaters habe beispielsweise bereits an einem Biodiversitätsprojekt in der Region Hannover teilgenommen. „Die Bereitschaft ist da, etwas zu machen, aber man kann es nicht komplett umsonst machen“, sagt die Agrarwissenschaftlerin, die Vorsitzende der Jungen Union in der Wedemark ist. Sie sei nicht mit allem einverstanden, was in der Landwirtschaftspolitik – auch unter Mitwirkung von CDU-Parteikollegen – passiere.

Autofahrer sehen das grüne Kreuz auf einem Feld zwischen Negenborn und Resse stehen. Quelle: Julia Gödde-Polley

100 landwirtschaftliche Betriebe in der Gemeinde

Wedemarks Betriebslandwirt Volker Lindwedel bestätigt, dass bereits jedes Jahr Höfe wegfallen. Pro Jahr gebe es einen Rückgang der Betriebe um 2 bis 3 Prozent. Derzeit gebe es noch circa 100 landwirtschaftliche Betriebe in der Gemeinde. Von den Bauern würden circa 70 bis 80 ihre Arbeit hauptberuflich machen. Die anderen führten Höfe im Nebenerwerb. Auch Lindwedel will sich an dem Protest beteiligen und Kreuze an stärker befahrenen Straßen aufstellen. Eine gemeinsame Aktion aller Landwirte, wie es sie in anderen Städten und Gemeinden gibt, sei derzeit jedoch nicht geplant.

Ein Holzkreuz hat Christine Heins auf einem Acker in der Feldmark platziert. Quelle: Julia Gödde-Polley

Überwiegend positive Resonanz auf Facebook-Post

Insgesamt drei Kreuze hat der 91-jährige Großvater von Heins aus Dachlatten zusammengenagelt. Ihre Mutter hat diese dann grün gestrichen. Die Aktion hat Heins Anfang der Woche auf Facebook gepostet. „Ich hätte nicht gedacht, dass das solche Wellen schlägt“, sagt sie mit Blick auf die Zahl der Menschen, die ihren Beitrag geteilt haben. Bisher habe sie viele positive Reaktionen erhalten, nur wenige Hasskommentare seien dabei gewesen. Auch in Schadehop und Wiechendorf stehen Heins’ Angaben zufolge bereits grüne Kreuze – und es könnten noch mehr werden.

Trotz allem will Heins irgendwann den Hof von ihrem Vater übernehmen. Derzeit arbeitet sie hauptberuflich noch außerhalb des Familienbetriebs. „Ich denke, ich werde schon einiges noch ändern müssen in der Ausrichtung“, sagt die 30-Jährige. Den Hof umzustellen gehe aber nicht so schnell.

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Von Julia Gödde-Polley

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