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Nachrichten Zeitzeuge Rolf Zick berichtet von Gräuel und Leid des Krieges
Region Wedemark Nachrichten Zeitzeuge Rolf Zick berichtet von Gräuel und Leid des Krieges
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13:00 13.06.2019
Nach der Lesung, eigenen Berichten und Gespräch mit den Schülern nimmt Rolf Zick auch den Dank der Schulleiter entgegen, hier Swantje Klapper (Gymnasium Mellendorf) und Jens Szabo (Realschule Wedemark). Heike Schlimme-Graab (IGS Wedemark) ist nicht im Bild. Quelle: Ursula Kallenbach
Mellendorf

 Ein einzigartiger Zeitzeugenbericht – und nur schwer zu ertragen: Schüler der IGS, des Gymnasiums und der Realschule Wedemark haben jetzt die Gelegenheit gehabt, einen der letzten Zeitzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg, den jetzt 98 Jahre alten Rolf Zick aus Hannover, im Schulzentrum zu hören. Die Veranstaltung wird öffentlich für alle interessierten Wedemärker am 12. August wiederholt.

Die Schüler bekommen ehrliche Antworten auf alle ihre Fragen zum Krieg, und sie danken dem Zeitzeugen Rolf Zick mit viel Beifall. Quelle: Ursula Kallenbach

Zwei Stunden liest und erzählt der hochbetagte ehemalige Journalist, nennt es eine kleine Geschichtsstunde, wie er den Krieg erlebt und erlitten habe. Was die Schüler zu hören bekommen, trifft sie sichtbar, denn es geht um den damaligen Kriegseinsatz 16- und 17-jähriger Schüler im Bereich Hannover und Langenhagen. „Um der Klarheit und Wahrheit willen wollte ich Euch das nicht vorenthalten“, gibt Zick seinen jungen Zuhörern mit. Und: „Der Krieg ist der größte Irrsinn aller Zeiten. Seid glücklich, dass Ihr in Frieden leben dürft“.

Das Geschehen 1943 in Langenhagen

Und dieses Geschehen steht im Mittelpunkt: Im Frühjahr 1943 wurden die Jungen der Jahrgänge 1926/27, Schüler aller Oberschulen und Gymnasien, für die Luftabwehr zur Flak eingezogen. Klassenweise auf die Flak-Stellungen verteilt, mussten sie dort als Luftwaffenhelfer die Soldaten ersetzen; denn alle Soldaten der Flak unter 35 Jahren im sogenannten Heimatkriegsgebiet waren zum Einsatz an der Ostfront abkommandiert.

Rolf Zick wurde im Sommer 1943 als Chef einer schweren 10,5-cm-Flak-Batterie beauftragt, eine neue Flak-Batterie „auf der grünen Wiese“ bei Kaltenweide aufzustellen. Dazu wurden ihm als Luftwaffenhelfer etwa 30 Schüler vorwiegend aus der hannoverschen Bismarckschule zugeteilt. Er musste sie an Geräten und Geschützen ausbilden.

Sie starben, bevor sie leben durften

In der Nacht vom 26. auf den 27. September 1943 kamen 13 der jungen Luftwaffenhelfer und zwölf Soldaten dort ums Leben. Bei einem der schwersten Großangriffe englischer und amerikanischer Bombenflugzeuge auf Hannover gab es einen Volltreffer auf die Befehlsstelle der Batterie. Die dramatischen Tagebuchaufzeichnungen des Augenzeugen und Luftwaffenhelfers Hans Meyer haben die furchtbaren Ereignisse festgehalten.

Rolf Zick ist mit 98 Jahren einer der ältesten Zeitzeugen des Kriegsgeschehens 1943 rund um Hannover, von Kriegsende und langer Gefangenschaft in Russland. Vor den Schülern im Schulzentrum Mellendorf findet er bewegende Worte zum Irrsinn eines Krieges. Quelle: Ursula Kallenbach

Rolf Zick liest daraus und spricht von seinen eigenen Erlebnissen, schildert, wie die 16- und 17-Jährigen „als Rückgrat der Flak ihren Mann gestanden haben“, hebt ihren Mut und ihre Tapferkeit heraus. „Ich möchte mich heute als 98-Jähriger noch vor ihnen verneigen“, sagt er, der selbst mit nur 22 Jahren die Luftwaffenhelfer von der Schulbank unter seiner Obhut hatte. „Ich habe sie damals als Chef einer schweren Flak-Batterie in Langenhagen ausgebildet und hatte sie unter meinem Kommando. Etliche mussten sterben, bevor sie leben durften.“

Das Trauma wird man nicht los

Zu vergessen ist das Trauma nicht, antwortet Zick auf Nachfragen der Jugendlichen. „Den Tod jahrelang vor Augen zu haben – das wird man nicht los, im Innern bleibt es“. An jedem 27. September komme eine Gruppe in Langenhagen zum Gedenken an diese Nacht zusammen. Am Kiebitzkrug, so Zick, sei das Areal, eine grüne Wiese, noch sichtbar.

Dieser Mann ist nicht gestrig, sondern ein wahrhaftiger Zeuge – das verstehen die jugendlichen Zuhörer und wollen mehr und mehr wissen. „Von meinem 18. bis 28. Lebensjahr habe ich nur in Uniform und Lumpen verbracht – und überlebt“, schildert der Befragte. „Vater, Bruder, die Hälfte meiner Klassenkameraden und besten Freunde haben nicht überlebt.“

1945 Sibirien – und 1971 Moskau

In Kriegsgefangenschaft geriet Rolf Zick, auch das wollen die Jugendlichen genau hören, am 9. Mai 1945 in der damaligen Tschechoslowakei, „fast nackend, nur mit Hemd und Tarnjacke“. Im Juli ging es im Viehwaggontransport weiter nach Stalingrad und ins Kriegsgefangenenlager in Sibirien. Jahrelang nur hungern, schuften, auf dem Erdboden schlafen, sich nicht waschen können – „das ist grausam, das kann sich keiner vorstellen. Das konnten die meisten Älteren nicht überleben“, schildert der 98-Jährige. Aber so sei es gewesen: „wiedergutmachen, was im Namen Deutschlands angerichtet worden war“. Er hoffe, den Schülern und den nächsten Generationen bleibe der Irrsinn eines Krieges erspart, lautet zum Abschluss sein Wunsch.

Mit einer Delegation hat Rolf Zick am 22. Juni 1971, 30 Jahre nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in die Sowjetunion, noch einmal Moskau besucht. „Aber nicht Stalingrad oder Sibirien.“

Fredy Krause aus Wennebostel (links) hat den 98 Jahre alten Rolf Zick ins Schulzentrum Mellendorf eingeladen und moderiert die Veranstaltung mit Schülern. Eine öffentliche Veranstaltung mit dem betagten Zeitzeugen folgt im August. Quelle: Ursula Kallenbach

Zeitzeugenbericht ist aufgezeichnet

Die Initiative für diese Veranstaltung und andere Gesprächsrunden („Kriegsenkel“) zu Krieg und Nachkriegszeit geht von Fredy Krause aus. Er lebt in Wennebostel (Jahrgang 1959), recherchiert und dokumentiert selbst seit Jahren seine Familiengeschichte und moderierte die „Geschichtsstunde“ im Schulzentrum. Er betonte, dass drei Generationen „in nunmehr über 74 Jahren in Frieden und Freiheit, aber auch in Sicherheit und stetig steigendem Wohlstand aufwuchsen durften“. Dies sei nicht selbstverständlich, sondern mache in Demokratien stetige Wachsamkeit und persönliches Engagement dauerhaft erforderlich, „damit uns diese Freiheit und der Frieden auch morgen noch so in Deutschland und Europa erhalten bleiben möge“.

Die Veranstaltung ist aufgezeichnet. Den Schülern erhalten den Bericht des Zeitzeugen Rolf Zick als Datei zur weiteren Arbeit damit. uc

Von Ursula Kallenbach

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