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Nachrichten Mann wechselt Reifen mitten auf der A7 – und rast mit Tempo 200 los
Region Wedemark Nachrichten Mann wechselt Reifen mitten auf der A7 – und rast mit Tempo 200 los
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00:19 18.02.2019
Über Monate war die Autobahn 7 zwischen Mellendorf und Schwarmstedt eine Baustelle. Mittendrin wechselte ein 45-Jähriger im Juli seinen Autoreifen. Quelle: Sven Warnecke (Archiv)
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Wedemark/Burgwedel

Eine lebensgefährliche Aktion bringt einen 45-Jährigen jetzt ins Gefängnis: Der Mann hatte auf der Autobahn 7 in Höhe Gailhof mitten in der Baustelle einen Autoreifen gewechselt. Weil er dadurch einen 10 Kilometer langen Rückstau verursacht hatte, wurde er jetzt vom Amtsgericht Burgwedel wegen Nötigung im Straßenverkehr verurteilt.

Dieser Einsatz wird dem Polizeibeamten lange in Erinnerung bleiben. Ende Juli erhielten er und sein Kollege morgens um 6 Uhr eine vorerst unspektakulär klingende Alarmierung: In der Baustelle auf der A7 in Richtung Hamburg war bei Gailhof ein Auto liegen geblieben. „Es handelte sich um einen Reifenschaden“, berichtete der Polizist im Gericht. Man habe den Mann samt Auto sicher in die Nothaltebucht begleitet und ihm gesagt, er müsse nun unbedingt einen Abschleppwagen rufen. Soweit so gut. „Wir sind weggefahren und haben bei Schwarmstedt gewendet, um zurück zur Dienststelle zu kommen.“

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Polizist: „Der Mann kniete auf der Fahrbahn“

Was dann passierte, bezeichnete der Polizist als schlichtweg „unglaublich“. Auf dem Weg zurück in Richtung Hannover stellten die Beamten auf der Gegenfahrbahn einen langen Stau in Höhe Gailhof fest. „Da sehe ich, dass der Mann von eben auf der Fahrbahn kniet und mit einem Wagenheber herumhantiert.“ Kurzerhand befanden sich die Polizisten wieder im Einsatz – erneute Kehrtwende an der Anschlussstelle Mellendorf, mit Blaulicht durch die Rettungsgasse im Stau Richtung Norden und zurück zur Nothaltebucht. „Der Verkehr hatte sich bestimmt schon zehn Kilometer gestaut“, berichtete der Polizist im Zeugenstand. „Da der Angeklagte auf der Fahrbahn kniete, mussten die Lastwagen ausweichen. Alles stand.“

Mit Ersatzrad und Tempo 200 auf der Autobahn

Angekommen an der Nothaltebucht hatte der 45-Jährige gerade seinen Reifenwechsel beendet und war losgefahren. Aber nicht genug: Mit Tempo 200, obwohl man mit einem Ersatzreifen nur Tempo 80 fahren darf, fuhr er der Polizei davon. „Wir waren in unserem Auto mit Endgeschwindigkeit unterwegs, um ihn einzuholen“, betonte der Polizist. Erst bei Schwarmstedt gelang dieses –und es folgte die nächste böse Überraschung: „Der Mann hatte nur vier Schrauben am Ersatzrad festgezogen und das anscheinend mit der Hand. Den alten Reifen hatte er auf der Autobahn liegen gelassen.“

Der Angeklagte räumte den Vorfall vor Gericht ein. „Ich habe nicht nachgedacht. Es tut mir leid.“ Sein Verteidiger stellte – erfolglos – die Nötigung infrage. „Das war keine Heldentat. Aber wäre ein Abschleppwagen gekommen, hätte der auch einen Stau verursacht, und dass mein Mandant beim Reifenwechsel so gepfuscht hat, zeigt doch, dass er sich beeilt hat.“

Gefängnisstrafe aufgrund diverser Vorstrafen

Diese Sicht teilte Amtsrichter Michael Siebrecht nicht: „Manches ist nur eine Sauerei, anderes ist eine Straftat. Wie kann man sowas nur tun?“ Der 45-Jährige habe nicht nur sich selbst und andere in Lebensgefahr gebracht, sondern ganz bewusst mit seinem rund 20-minütigen Reifenwechsel mitten auf einer Autobahn den Verkehr dazu genötigt, auszuweichen. Der lange Stau bedeute eine erhebliche Behinderung. Und weil der 45-jährige Serbe bereits mehrfach wegen Betrugs, Körperverletzung, Einschleusen von Ausländern und anderen Delikten zu teils jahrelangen Haftstrafen verurteilt worden war, gab es auch jetzt keine Grundlage für eine Bewährung: drei Monate Gefängnis standen am Ende im Urteil. „Es bleibt eine unfassbare Aktion“, so Siebrecht.

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Von Carina Bahl