Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Die Hüter der Eulen
Region Wedemark Nachrichten Die Hüter der Eulen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:18 24.11.2013
Von Ursula Kallenbach
Warum so böse? Eigentlich könnte der Rauhfußkauz etwas freundlicher gucken. Seit Jahrzehnten kümmert sich Ludwig Uphues um die Eulen im Fuhrberger Wald. Quelle: Uphues
Anzeige
Wedemark

Beruflich wie ehrenamtlich hat Ludwig Uphues über 40 Jahre Naturschutz betrieben – und er macht weiter. Schon als Junge entdeckte er die alten Eichen- und Hainbuchenwälder und die Moore seiner Heimat am Teutoburger Wald. Von 1966 bis 1986, war Uphues in der Fachbehörde Landesvermessung in Hannover tätig, danach im Umweltministerium. Seine Freizeit widmete Uphues seit 1972 dem NABU Burgwedel-Isernhagen.

Seit 1974 leitet er dort mit fünf Helfern die Arbeitsgruppe Eulen. Auch nach seinem Umzug nach Bissendorf im Jahr 1989 hat Uphues die Arbeiten mit ihnen fortgesetzt. Ehrenamtlich hat Uphues am niedersächsischen Brutvogel-Erfassungsprogramm und an der wissenschaftlichen Vogelforschung mitgewirkt. Im Naturschutzgroßprojekt Hannoversche Moorgeest ist er Mitglied im Projektbeirat.

Anzeige

Das Interview

Für viele Menschen sind 300 Quadratmeter Gartenfläche schon anstrengend. Sie hatten zur Betreuung der Rauhfußkäuze 200 Quadratkilometer Fuhrberger Wälder vor sich. Macht das nicht Angst?

Der Umfang der Arbeiten und die Größe des Gebietes waren zu Beginn des Vorhabens nicht absehbar. Für mich dominierten nur die Neugier und der Forscherdrang, eine mir unbekannte Eulenart in einem mir unbekannten Waldgebiet zu suchen. Sie waren die Antriebsfeder.

Was ist das Faszinierende an Eulen?

Eulen sind wegen der vorzüglichen Eigenschaften der Ohren, der Augen und des Gefieders an die Dunkelheit angepasst. Noch bei schwachem Sternenlicht können Eulen gewandt und lautlos fliegen. Sie sind ein eindrucksvolles Ergebnis der Evolution. Die Eulenaugen mit der meistens hellgelb-roten Iris haben etwas Ausdrucksvolles, eine Begegnung bleibt ein unvergessliches Erlebnis. Den kleinen Blickwinkel der starren Augen kann die Eule durch Drehen des Kopfes um bis zu 270 Grad verändern - einmalig.

Als Sie 1974 mit Ihren Arbeiten begannen, ahnten Sie da, was Sie langfristig auslösen würden?

Nein, ich nannte sie damals „Versuch einer Bestandsaufnahme“, um ganz praktisch eine Fahrgenehmigung der Landesforstverwaltung in den Wäldern zu bekommen.

Wie muss man sich eine Beringung von Alt- oder Jungvögeln genau vorstellen?

Vögel in ihren bis zu 17 Meter hoch belegten Baumhöhlen zu fangen, ist erheblich aufwendiger und schwieriger als das Prozedere bei Nistkästen, die wir ja lediglich drei bis Meter hoch aufgehängt haben. Für die große Höhe benutzen wir hohe Leitern, Steigeisen und Sicherheitsgurte. Die Weibchen werden während der Brutzeit und die Jungvögel kurz vor dem Ausfliegen mit einem Kescher gefangen, die Männchen beim nächtlichen Anflug ihrer Höhle mit einem Klappnetz. Beringt werden die Vögel immer nur nach Genehmigung vom Institut für Vogelforschung. Die Vögel erhalten einen Ring aus Aluminium mit einer eingravierten Nummer der Vogelwarte Helgoland.

Das „Verhören“ von Eulen im Wald, das sind nächtliche Exkursionen. Was erleben die Teilnehmer?

Ein Abend- und Nachtspaziergang, um Eulenarten zu verhören, andere Tierstimmen wahrzunehmen und einen Sternenhimmel im Frühling zu beobachten, fasziniert viele Menschen. Es ist ein weithin unbekanntes Abenteuer unserer Zeit.

Der „Kauz“ oder „kauzig“ steht ja sprichwörtlich für einen merkwürdigen Menschen. Welche Eigenschaften des Vogels sind damit gemeint?

Eulen werden von Menschen häufig als Einzelgänger am Tage im schlafenden Zustand wahrgenommen. Die zu beobachtenden sparsamen Bewegungen, das Blinzeln mit den Augenlidern der starr nach vorn gerichteten Augen sowie das fehlende Wissen über die heimliche nächtliche Lebensweise der Käuze hat der Volksmund aufgenommen, um merkwürdige Menschen zu bezeichnen. Auch die Angst vor Eulen, zum Beispiel als „Totenvögel“, spukte lange Zeit als Aberglaube in den Köpfen. Die Griechen dagegen betrachteten sie als Sinnbild der Weisheit. Aber Eulen sind das alles nicht, sie sind eine an die Dämmerung hoch angepasste Vogelgruppe.

Helfer im Naturschutz müssen viel erfassen, dokumentieren, Berichte schreiben, Stellungnahmen abgeben und für die Natur Lobby- und Aufklärungsarbeit betreiben. Stehen die Zeiten dafür heute besser als vor 40 Jahren?

Das Bewusstsein für die Gefahr des weiteren Verlustes natürlicher Lebensgrundlagen und der Arten ist dank der Bemühungen der Natur- und Umweltschutzverbände gewachsen. Gesetzliche Instrumente wie Umweltverträglichkeitsprüfung, Eingriffsregelung, Landschaftsplanung und Raumordnung, Aufklärungs- und Lobbyarbeit in den letzten 50 Jahren entstanden, weil die Bedrohungen unserer Lebensräume zugenommen haben.

Trifft denn das Bild von der steten Verschlechterung für alle Arten zu?

Viel Grünland und Niedermoor wird zu Maisäckern umgewandelt. In der Folge stelle ich zum Beispiel den gravierenden Bestandsverlust von Kiebitz, Brachvogel und Bekassine fest, das gilt auch landesweit. Sie waren ursprünglich als Charaktervögel unserer Moorränder häufig und typisch. Andererseits ist es ein Erfolg, wenn die großen Säugetiere wie Biber, Luchs und Wolf und die großen Vogelarten wie der Kranich, die Adlerarten und der Uhu wieder zurückkehren, und wenn der Erhaltungszustand des Rauhfußkauzes in den Fuhrberger Wäldern durch unsere Nistkästen verbessert werden konnte.

Aber müssen Menschen denn nun sogar im Wald fortwährend Nistkästen für Eulen anbringen?

Dies kann nur eine vorübergehende Hilfe sein. Noch wichtiger wäre, permanent einen ausreichenden Anteil alter Bäume zu erhalten, um dem Schwarzspecht als Höhlenbauer zu helfen. Weitere 40 Wirbeltierarten nutzen die vom Schwarzspecht geschlagenen Baumhöhlen als Nachmieter.

Vögel ziehen ja über Grenzen hinweg. Ist Europa ein einig Vogelschützerland?

Fast alle Singvogelarten, die wie Kuckuck, Nachtigall, Gartenrotschwanz und Wendehals den Winter in Afrika verbringen, werden ständig kleiner im Bestand. Die Zugvögel leiden unter den ausgebrachten Insektiziden oder landen auf ihren Routen in den Fangnetzen der Südeuropäer und der Ägypter. Für diese gefährdeten Arten müssen wir in Deutschland Hilfen anstoßen, um auch die internationalen Schutzanstrengungen zu verstärken. Ehrenamtliche Naturschützer können dazu wichtige Beiträge leisten.

Der Rauhfußkauz

Egal, ob Kauz oder Uhu: Sie alle gehören zur Ordnung der Eulen, der Rauhfußkauz insbesondere in die Familie der Ohreulen und Käuze. Diese Familie ist noch weiter unterteilt in verschiedene Gattungen: nämlich in Eulen mit Federohren (wie Uhu oder Waldohreule) und Käuze ohne Federohren (wie Sperlings-, Stein- oder Rauhfußkauz). Nach der Rechtschreibreform wird der Rauhfußkauz häufig ohne „h“ geschrieben. Dabei geht „rauh“ auf den befiederten Fuß dieser Eulenart zurück. Er wird als „rauch“ = „rauh“ bezeichnet, was so viel wie haarig, befiedert oder pelzig bedeutet.

Friedel Bernstorf 20.11.2013
Friedel Bernstorf 19.11.2013
19.11.2013