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Die Raumluft im Schulzentrum Wedemark bewegt viele Menschen

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19:09 26.08.2020
In dem Graben quer über den Campus W laufen die Versorgungsleitungen für den Anbau, erläutert Susanne Bischoff (vorn rechts) bei einer Begehung mit der CDU-Ratsfraktion. Links vorn Ortsbürgermeisterin Jessica Borgas. Quelle: Ursula Kallenbach
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Mellendorf

Durch den Haupteingang können Schüler und Lehrer zum Schuljahresbeginn am Donnerstag wieder ins Schulzentrum Mellendorf strömen. Das ist keine Selbstverständlichkeit – denn eine große Baustelle ist das Schulzentrum auf dem Campus W durch seinen Anbau für zehn Klassenräume weiterhin. Ein Schulanfang mit Masken, aber auch mit mehr Frischluft.

Eine Medientrasse nennt Susanne Bischoff vom Wedemärker Fachbereich Planen und Bauen den tiefen Graben, der vor den Gebäuden den Campus quer durchschneidet, darin die Versorgungsleitungen mit Fernwärme für die Heizung, Wasser und Strom, alles hinter dem Bauzaun, der weiter stehen bleibt. Der Graben wird verfüllt und gepflastert. Alt- und Neubau, so denken die Planer, werden sich in der äußeren Gestaltung am Ende nicht groß unterscheiden. Die Klinker werden in der Farbe angepasst. Ein Flachdach mit Begrünung und Fotovoltaikanlage ist vorgesehen – Letztere „noch in der Pipeline der Planer“.

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Anbau wird im Juli 2021 fertiggestellt

Der Anbau ans Schulzentrum Mellendorf steht im Rohbau. Das Schulgelände des Campus W ist weiter zu Teilen durch einen Bauzaun abgesperrt. Quelle: Ursula Kallenbach

Etwa 6,5 Millionen Euro, davon 350.000 Euro für die Ertüchtigung der alten Heizungsanlage, investiert die Gemeinde in den Neubau. Er steht im Rohbau da, Innenausbau und Ausstattung sind in der Summe überschlägig enthalten. „Wir werden nicht aus dem Ruder laufen“, sagt Bischoff. Das sei beim Neubau des gesamten Schulzentrums seinerzeit anders gewesen. „Da hatten wir horrende Preissteigerungen.“ Mitte Juli 2021 wird der Anbau fertiggestellt sein – zehn Jahre, nachdem das kommunale Projekt Campus W aus dem Boden gestampft war.

Zehn Klassenräume zu je 66 Quadratmeter werden angebaut. „Zwei Jahrgänge können wir komfortabel unterbringen“, berichtet die Planerin. Das muss auch sein, denn das Gymnasium geht wieder auf 13 Schuljahre bis zum Abitur. Vom Erdgeschoss wird ein Multifunktionsraum 120 Quadratmeter einnehmen, teilbar in zweimal 60 Quadratmeter, dazu Verwaltungsräume.

Gemeinde baut Unisextoiletten ein

Für die Sanitärräume wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Außer Schülertoiletten, getrennt nach Jungen und Mädchen, auf allen Geschossen sowie einer Behindertentoilette im Erdgeschoss baut die Kommune auch zwei geschlechtsneutrale Toiletten ein, „wegweisend für Gender“. Die Unisex-Toiletten im zweiten Obergeschoss seien ein Angebot der Gemeinde in dem Neubau. „Wir sind nicht gesetzlich verpflichtet“, sagt Gemeindesprecher Ewald Nagel. Die Schulen seien frei, das Angebot für ihren Bedarf einzurichten.

Keller erzeugen gemeinhin kein besonderes Interesse. Doch die nachträglich geplante Unterkellerung des Anbaus, verbunden mit Kostensteigerungen, bringt auch dem Altgebäude erheblichen Nutzen. Die bisherige Teil-Brandmeldeanlage wird flächendeckend ausgeweitet, außerdem entsteht dort Lagerfläche, an der es im Schulzentrum bisher mangelt.

Im Neubau gibt es zentrale Lüftung

Die CDU-Ratsfraktion macht sich ein Bild vom Baufortschritt auf dem Campus W und informiert sich über die technischen Anlagen zur Lüftung. Quelle: Ursula Kallenbach

Dort wird zudem ein Problem von Beginn an gelöst, das nebenan im Hauptgebäude bis jetzt Schwierigkeiten, Umbauten und hohe Kosten verursacht: die Belüftung. Der Neubau erhält eine autarke, zentrale Lüftungsanlage im Keller. Im Bestandsgebäude dagegen müssen die dezentralen Anlagen in jedem Klassenraum einzeln nachgerüstet werden. Umso mehr interessierten sich jetzt die beiden großen Ratsfraktionen CDU und SPD für den aktuellen Stand des Einbaus und die Corona-Tauglichkeit der Anlagen. Bei einem Ortstermin auch mit Gemeindevorstand Joachim Rose ist so zu erfahren, was für Luft im Unterricht entstehen wird.

Altgebäude: Klassen erhalten Lüftungskästen

Die Hausmeister werden täglich vor Schulbeginn die Fenster in allen Klassenräumen öffnen. Auch Schüler und Lehrer dürfen das künftig. Nachts bleiben die Fenster geschlossen. Aber was ist mit dem technischen Teil der Belüftung in den Klassenräumen? Von 60 vorgesehenen Lüftungsanlagen, die über drei Jahre für eine Million Euro nachgerüstet werden sollen, sind jetzt 19 eingebaut, davon sind sieben noch nicht in Betrieb. 20 Anlagen sollen es in diesem Jahr werden, kündigt Rose an. Der Einbau dauert circa jeweils sechs Wochen. Stoßlüftung heißt die Lösung für die Klassen, wo noch keine dieser Anlagen installiert ist. Alle 45 Minuten schreibt auch der Corona-Rahmenhygieneplan eine Lüftung vor.

Lesen Sie mehr: Schulzentrum in der Wedemark: Lüftungsgeräte werden nachgerüstet

Gemeindevorstand Joachim Rose gibt Informationen zu den neu eingebauten dezentralen Lüftungskästen in den Klassenräumen. Quelle: Ursula Kallenbach

Große Kästen an der Decke, von Wand zu Wand immer im hinteren Teil des Klassenraums, das sind die dezentralen Lüftungsanlagen, die sich selbst steuern. „Die verbrauchte Luft wird angesaugt durch einen offenen Kasten, und durch die Schlitze kommt Frischluft herein“, erläutert Gemeindevorstand Rose. „Die Anlagen werden mit Schulbeginn Tag und Nacht laufen. Jede Anlage schaltet sich bei zu hohem CO2-Gehalt in der Raumluft ein und sorgt für einen Austausch. Die Luft wird sauerstoffhaltiger sein.“ Das Ganze laufe sehr leise.

SPD wertet: Überwiegend top

Zur Verbesserung der Luftqualität seien die Anlagen nach Angaben der Verwaltung sehr gut geeignet. Das befindet auch die SPD-Fraktion. Sie bewertet die dezentralen Lüftungsanlagen im Betrieb für den überwiegenden Teil des Jahres als „top“. Die Technik unterstütze den notwendigen Luftaustausch und sei in Corona-Zeiten ein weiteres Element zur Reduzierung des Infektionsrisikos. „Insbesondere dort, wo aus baulichen oder anderen Gründen eine ausreichende Stoß- oder Querlüftung nur schwer durchführbar ist, sind die Geräte hilfreich“, fassen die SPD-Politiker zusammen.

Im Winter sind Anlagen unter Corona ein Flop

Solange Corona-Bedingungen herrschen, seien die Anlagen allerdings in der kalten Jahreszeit nicht optimal geeignet. Wegen der zugeführten Umluft müssten sie dann abgeschaltet werden, also laut SPD ein Flop. Tatsächlich müssen technisch bedingt bei sehr kalten Temperaturen die Lüftungsgeräte automatisch Umluft mit Frischluft vermischen, damit durch Frost kein Schaden an den Geräten entsteht.

Das bestätigte Stefan Royer vom Gebäudemanagement der Gemeinde. Diese Eigenschaft der Geräte lasse sich nicht verändern, sodass bei Erreichen bestimmter Außentemperaturen im Winter die Lüftungsanlagen abgeschaltet werden müssen. So schreibt es auch die Landesregierung in ihrem Hygieneplan für Schulen vor: Diese seien dann nutzbar, wenn sichergestellt ist, dass die Anlage nicht im Umluftbetrieb läuft.

Von Ursula Kallenbach