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Region Wedemark Nachrichten Altes Dorf soll schön bleiben
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00:18 17.08.2018
Für den Ortsrat bringen Susanne Brakelmann und Reiner Fischer die gezielte Gestaltung des alten Bissendorfer Dorfbestandes voran. Quelle: Kallenbach
Bissendorf

Noch liegt das charakteristische Erscheinungsbild des Dorfes Bissendorf vor Augen – aber wie lange noch? Mit einer örtlichen Bauvorschrift will der Ortsrat das gut erhaltene Dorfbild künftig sichern. In der Ortsratssitzung am 29. August im Bürgerhaus ist dies der wohl einzige Tagesordnungspunkt, und die Bissendorfer sollen über zwei Stunden ihre Anregungen äußern dürfen.

„Wir wollen mit örtlichen Bauvorschriften arbeiten, nicht mit einem Bebauungsplan. Wir wollen aber vermeiden, dass die Entwicklung in die falsche Richtung geht“, verdeutlicht Ortsbürgermeisterin Susanne Brakelmann. Durch Abriss alter Hofstellen und Neubebauung in eher städtischer Bauweise sei das Dorfbild aber bereits überformt worden. Vor dem Hintergrund leer stehender Bausubstanz, so stellt auch eine städtebauliche Bestandsanalyse für den Ortskern in Aussicht, sei zu befürchten, dass sich die Tendenz fortsetze. Als Instrument dagegen nannte die von der Gemeinde Wedemark für den Ortsrat beauftragte Planungsgruppe Stadtlandschaft aus Hannover schon 2017 die örtliche Bauvorschrift (ÖBV).

Ortsrat hofft auf Bürgerbeteiligung

Diese will der Ortsrat jetzt vorstellen und hofft auf große Beteiligung an der öffentlichen Sitzung. Auch die Experten des Büros Stadtlandschaft stehen im Bürgersaal für die Diskussion bereit. „Mit dieser Sitzung wollen wir das öffentliche Beteiligungsverfahren einleiten“, kündigten Brakelmann und ihr Stellvertreter im Ortsrat, Reiner Fischer, jetzt an. Es seien nun ausreichend Diskussionsgrundlagen vorhanden. Eine Verwaltungsvorlage wird es Brakelmann zufolge zu dieser Sitzung noch nicht geben. Umfangreich informieren können sich Interessierte aber demnächst auf der Internetseite der Gemeinde, wenn sie Politik und Sitzungskalender anwählen. Beim Ortsrat Bissendorf soll der Tagesordnungspunkt mit einem Link zu der Planung und einer älteren Vorlage 163/2017 mit Karte hinterlegt werden. Davon werde sie auch gedruckte Exemplare ins Bürgerhaus mitbringen, sagte Brakelmann. Es sei dies eher eine Beschreibung des Status.

„Wir haben vorbereitende Arbeit geleistet“, machten Brakelmann und Fischer deutlich. „Es ist nichts Geheimes – wir wollen zu den Fragen alle Bissendorfer mitnehmen.“ Schon lange Zeit denke der Ortsrat über die Problematik nach. „Vor einem Jahr haben wir die Bissendorfer befragt und in großer Anzahl sehr detaillierte Antworten bekommen“, berichtete Fischer. „Die Bissendorfer und Besucher finden das Dorf immer noch sehr schön, und diese Schönheit wollen wir erhalten.“

Nicht zuletzt mit der umfangreichen Bautätigkeit des Investors Rainer de Groot am oberen Ortseingang habe sich die Sorge um den inneren Ortskern verstärkt. Dabei sei die öffentliche Diskussion über das de Grootsche Projekt „Neue Höfe“ von beiden Seiten geführt worden – anerkennend wie kritisch. Der Ortsrat habe dazu keine große Schelte bekommen, hielt Brakelmann noch einmal fest.

Vorschriften sollen ordnend wirken

Gleichwohl will der Ortsrat die weitere Entwicklung nicht ungesteuert ablaufen lassen. So sei beispielsweise der nächste alte, teils denkmalgeschützte Hof an der Gottfried-August-Bürger-Straße hinter der Sparkasse inzwischen an eine Erbengemeinschaft gefallen. In Zeiten, „in denen alle ihr Heil darin suchen, ihr Geld unterzubringen“, so Brakelmann, könne eine Gestaltungssatzung oder öffentliche Bauvorschrift auch bei Lückenbebauungen im Ort noch ordnend eingreifen.

Insgesamt beziehe man in die Überlegungen den Bereich etwa um Sparkasse, Dorfapotheke, Tattenhagen, Burgwedeler Straße und Knibbeshof ein – den Alt-Bissendorfern auch als Unterdorf geläufig. Nicht berührt werde die Bahnhofstraße. An der Scherenbosteler Straße am oberen Ortseingang von Wennebostel her sei auf der Kreuzungsseite rechts von Schilling bis Rewe bereits ein Bebauungsplan gültig.

„Wichtig ist, dass die Bissendorfer wissen: Hier geht jetzt ein Verfahren los, und sie sind als Anwohner im Vorfeld gefragt“, betonte die Ortsbürgermeisterin. Die öffentliche Sitzung am Mittwoch, 29. August, ab 20 Uhr im Bürgersaal diene der Information und Diskussion – nichts werde beschlossen. „Wenn die Bürger kommen, dürfen sie auch reden“, versicherte Brakelmann. Im Fokus stehe aber ganz klar die Bebauung; Verkehrsprobleme sollen ausdrücklich nicht erörtert werden.

Wenn danach alle politischen Gremien sich mit der angestoßenen Bauvorschrift befasst haben, hofft die Ortsbürgermeisterin auf eine Entscheidung Ende 2019 im Gemeinderat.

Glanzfarben sind im Dorf nicht erwünscht

Die angestrebte örtliche Bauvorschrift (ÖBV) beschreibt besondere Anforderungen an die Gestaltung von Gebäuden. Dies können Kommunen für bestimmte Teile des Gemeindegebietes nach der Niedersächsischen Bauordnung beschließen. Angewandt wird die ÖBV bei Neubauten und bei genehmigungspflichtigen Umbauten; für Gebäude unter Denkmal- oder Ensembleschutz gelten die entsprechenden Vorschriften weiterhin. In Bissendorf geht es im Ortskern um Dachformen und -neigungen, Gauben, die Materialien für Dacheindeckungen, Höhenbegrenzungen für Gebäude und die Gestaltung von Fassaden – etwa Fachwerkkonstruktion, Ausfachungen, Ziegelmauerwerk, Putz oder Raseneisenstein. Aber auch die verwendeten Farben sollen geregelt werden; Glanz ist im historisch-dörflichen Ortsbild nicht erwünscht. Die Einfriedungen der Grundstücke als Nahtstelle zwischen öffentlichen und privaten Flächen sollen ebenfalls in ihrer Ausprägung so festgesetzt werden, dass sie den dörflichen Charakter erhalten. uc

Von Ursula Kallenbach

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