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Nachrichten Vor 70 Jahren gründen Honoratioren Uetzes Gymnasium
Region Uetze Nachrichten Vor 70 Jahren gründen Honoratioren Uetzes Gymnasium
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14:08 17.06.2019
592 Schüler besuchen das Gymnasium Unter den Eichen Uetze. Dessen Gebäude ist in den Fünfzigerjahren errichtet worden.
592 Schüler besuchen das Gymnasium Unter den Eichen Uetze. Dessen Gebäude ist in den Fünfzigerjahren errichtet worden. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller
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Uetze

Das Gymnasium Unter den Eichen in Uetze ist wie die Bundesrepublik Deutschland ein Kind der Nachkriegszeit. Beide sind 70 Jahre alt. Das Uetzer Gymnasium, das am 3. Mai 1949 als Private Oberschule Uetze den Unterrichtsbetrieb aufnahm, feiert sein 70-jähriges Bestehen am Freitag, 21. Juni.

Im Dezember 1948 gründeten finanzkräftige örtliche Honoratioren im damaligen Gasthaus Zur Post einen Schulverein. Seine Aufgabe: die Eröffnung einer höheren Schule. „Die Verkehrsverbindungen lagen nach dem verlorenen Krieg darnieder, die Schulwege waren unsicher, die höheren Schulen in der Umgebung ausgebombt oder überfüllt“, nennt der frühere Uetzer Arzt und einer der Gründerväter Willi Kobbe in der Festschrift zum 30-jährigen Bestehen der Schule die Gründe.

Genehmigung kommt schnell und unbürokratisch

Anfang 1949 stellte der Schulverein bei der Schulbehörde Genehmigungsanträge für ein privates Gymnasium. Die Behörde entschied ganz unbürokratisch. Nach Abgabe der Unterlagen fuhren die Vereinsvertreter mit der mündlichen Zusage nach Hause, ein Gymnasium eröffnen zu dürfen. Die schriftliche Genehmigung lag nach acht Tagen vor.

Eltern aus Uetze und anderen Orten meldeten 50 Schüler für die fünfte Klasse an. Der erste Schultag war der 3. Mai 1949. „Die meisten Lehrer waren Flüchtlinge, eine starke Gruppe kam aus Riga“, schreibt Dorothea Radtke in der Uetzer Ortschronik. Die Jungen und Mädchen mussten nachmittags in einem Raum der Volksschule die Schulbank drücken. Am Vormittag benötigte die Volksschule das Klassenzimmer selbst.

Dieses Foto zeigt das Kollegium aus der Anfangszeit vor dem Eingang des Junkernhofs. Quelle: Repro: Friedrich-Wilhelm Schiller

Das Schulgeld betrug anfangs 40 Mark im Monat. Für Kinder von Kriegerwitwen, Arbeitslosen und Kriegsinvaliden gewährte der Schulverein eine Ermäßigung. Im Mai 1950 senkte er die monatliche Gebühr auf 25 Mark, die damals auch an öffentlichen Gymnasien üblich war.

Gymnasium zieht in den Junkernhof ein

Im August 1950 zogen die Gymnasiasten in den Junkernhof um, in dem damals Flüchtlinge untergebracht waren. Der Schulverein mietete zunächst zwei Räume im Herrenhaus des Uetzer Gutes. Als die Schule größer wurde, mussten nach und nach die Flüchtlinge weichen. Im Junkernhof wohnte auch der erste Schulleiter Heinrich Wallis. Der Schulverein stellte ihm einen Kleinbus zur Verfügung, mit dem er jeden Morgen die Schüler aus den Nachbarorten abholte und nach dem Unterricht zurückbrachte.

Während des Schulfests 1954 tanzen Schülerinnen vor dem Herrenhaus des Junkernhofs. Quelle: Repro: Friedrich-Wilhelm Schiller

1952 eröffnete der Schulverein sein erstes Internat an der Gifhorner Straße. 1954 folgte das zweite im früheren Ausflugslokal Kötjemühle. Beide wurden nach wenigen Jahren aus personellen Gründen geschlossen.

Ein Zweckverband übernimmt die Trägerschaft der Schule

Bald stellte sich heraus, dass der weitere Ausbau der Schule den privaten Verein überforderte und nur eine kommunale Trägerschaft den Fortbestand des kleinen Gymnasiums sichern konnte. Deshalb gründeten der Landkreis Burgdorf, die Gemeinden Uetze, Dollbergen, Hänigsen und Bröckel sowie der Schulverein Ende 1954 einen öffentlich-rechtlichen Zweckverband. Die Private Oberschule Uetze wurde öffentliches Gymnasium. Der Zweckverband wurde erst aufgelöst, als in den Siebzigerjahren der Landkreis Hannover die Trägerschaft übernahm. Heute ist die Gemeinde Uetze Schulträger.

Schulneubau entsteht im Irrgarten

Der Unterricht im Junkernhof war keine Dauerlösung. Ein eigenes Schulgebäude musste her. 1956 wurde im ehemaligen Irrgarten des Junkernhofs der Grundstein gelegt. Im folgenden Jahr bezog das Gymnasium den ersten Trakt. Die ersten Schüler bestanden 1958 in Uetze ihr Abitur. Ein Jahr später stellten die Handwerker den zweiten Bauabschnitt fertig. Der Sportunterricht fand zunächst in der Eingangshalle des Neubaus statt. Erst 1963 erhielt die Schule eine Turnhalle.

Mangels Aula musizieren Schüler mit ihrem Lehrer Theodor Meyer während einer Schulveranstaltung in der Pausenhalle. Quelle: Repro: Friedrich-Wilhelm Schiller

Die Turnhalle wurde Trainingsstätte der Handballmannschaft des Uetzer Gymnasiums, die in den Sechzigerjahren für Furore sorgte. Sie nahm 1967 und 1968 an zwei Bundes- und zwei Europaturnieren für Gymnasien teil. 1968 wurde das vom Sportlehrer Heinz Bövers trainierte Team in Andernach Deutscher Meister der Gymnasien. Damals berichtete sogar der NDR in seinem Fernsehregionalprogramm über die Handballer aus Uetze. Die Schulmannschaft maß sich in Freundschaftsspielen sogar mit Bundesligavereinen.

1977 begann die Gemeinde Uetze, an der Marktstraße das Schulzentrum zu bauen, in das das Gymnasium integriert wurde. 1979 wurden die Bauarbeiten abgeschlossen. Das Gymnasium erhielt Fachräume für den naturwissenschaftlichen, den Musik- und den Kunstunterricht. Die Agora, den Versammlungs- und Theatersaal, muss es sich mit den anderen Schulen teilen. Als die Gemeinde 2005/2006 das Schulzentrum erweiterte, bekam das Gymnasium acht zusätzliche Unterrichtsräume. Seit 2013 heißt die Schule Gymnasium Unter den Eichen Uetze.

Kleinstes Gymnasium Niedersachsens

Heute besuchen 592 Schüler das kleinste Gymnasium des Landes. Für die Fünft- und die Sechstklässler gibt es Chor-, Forscher- und Sportklassen. Die Oberstufenschüler können zwischen einem sprachlichen, einem mathematisch-naturwissenschaftlichen und einem gesellschaftswissenschaftlichen Profil wählen.

Das Uetzer Gymnasium ist zertifizierte Fairtrade School. Im Rahmen des Erasmus+-Bildungsprogramms der Europäischen Union arbeiten Uetzer Gymnasiasten aktuell mit Schülern aus Bulgarien, den Niederlanden und Lettland an dem Projekt „F.I.T. for Europe“. Außerdem findet ein regelmäßiger Austausch mit einer spanischen Schule statt.

Schüler laden zu einer Zeitreise ein

Das Gymnasium Unter den Eichen Uetze feiert am Freitag, 21. Juni, sein 70-jähriges Bestehen. Der Festakt für geladene Gäste beginnt um 14 Uhr in der Agora des Schulzentrums. Professor Uwe Morgner, der 1986 in Uetze sein Abitur gemacht hat, hält die Festrede. Er ist seit 2004 Professor für Experimentalphysik an der Leibniz-Universität Hannover.

Ab 15.30 Uhr können sich alle Interessierten bei einem Rundgang durch die Klassenräume auf eine Zeitreise begeben. Jeder Jahrgang hat sich mit der Politik, der Mode, der Musik und anderen Themen eines der sieben Jahrzehnts befasst. Um 17 Uhr öffnet die Initiativgruppe der Schülervertretung die Mensa des Schulzentrums für ein geselliges Ausklingen des Schulfestes

Von Friedrich-Wilhelm Schiller