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Region Uetze Nachrichten Seltene Zeigerschreibmaschine steht in Eltzes Heimatstube
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06:34 26.03.2019
So sieht das Modell 4 der Mignon-Schreibmaschine aus, das im Eltzer Museum steht. Vorn links befindet sich das Buchstabentableau. Darüber ist der Zeiger angebracht, mit dem man den gewünschten Buchstaben einstellt.
So sieht das Modell 4 der Mignon-Schreibmaschine aus, das im Eltzer Museum steht. Vorn links befindet sich das Buchstabentableau. Darüber ist der Zeiger angebracht, mit dem man den gewünschten Buchstaben einstellt. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller
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Eltze

Wer heute einen Brief oder eine E-Mail an eine Behörde oder eine Firma schreiben muss, bedient sich in der Regel eines PCs. Wenn man auf der Tastatur blind mit zehn Fingern tippen kann, ist das Schreiben in Windeseile fertig. Ungleich zeitaufwendiger war es in den Zwanziger- und Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts, einen Brief mit einer sogenannten Zeigerschreibmaschine zu Papier zu bringen. Davon können sich die Besucher des Eltzer Heimatmuseums überzeugen.

Neuestes Exponat des Museums ist ein Modell 4 der Mignon-Schreibmaschine. Mignon ist der Name einer Zeigerschreibmaschine, die die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft (AEG) bei einem Tochterunternehmen in Erfurt hat herstellen lassen. Der Elektrotechniker und Ingenieur Friedrich von Hefner-Alteneck hatte die Mignon 1903 entwickelt. Die AEG hat sie bis 1934 in Erfurt fertigen lassen.

Die Mignon hatte anstelle einer Tastatur ein austauschbares Buchstabentableau. Außer großen und kleinen Buchstaben gibt es auf diesem Feld auch Ziffern sowie Prozent-, Plus- und andere Zeichen. Wer mit der Maschine etwas schreiben will, muss einen Zeiger, der einem Stift ähnelt, auf einen Buchstaben, eine Zahl oder ein Zeichen führen. Der Zeiger ist über eine Mechanik mit einer Typenwalze verbunden. Wenn man mit der rechten Hand auf die sogenannte Abdrucktaste drückt, druckt die Typenwalze den eingestellten Buchstaben mittels eines Farbbands auf das Papier. Für das Leerzeichen gibt es vorn an der Maschine eine eigene Taste.

Der stellvertretende Vorsitzende des Heimatvereins, Wilfried Weichbrodt, führt vor, wie man die Mignon bedient. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

„Das Modell 4 wurde ab 1923 gebaut“, weiß der Museumsbeauftragte Helmut Heim. Es habe zusätzlich eine Rücktaste. Mit ihr könne man den Wagen mit dem eingespannten Papierblatt einen Buchstaben zurücktransportieren und dann diesen Buchstaben korrigieren. Für das Modell 4 gab es 36 verschiedene Typenwalzen und Buchstabentableaus – zum Beispiel auch mit kyrillischen Buchstaben.

Die Zeigerschreibmaschine hat der Heimatverein von Irmtraud Walzel, der Urenkelin des früheren Eltzer Molkereibesitzers Friedrich Bollen, geschenkt bekommen. Bollen war von 1929 bis 1939 Eigentümer der Eltzer Molkerei. Zuvor hatte er sie gepachtet. Nach den Worten des stellvertretenden Heimatvereinsvorsitzenden Wilfried Weichbrodt erledigte Bollen damit nicht nur seine Geschäftspost: „Wenn der damalige Bürgermeister einen wichtigen Brief zu schreiben hatte, ist er zu Friedrich Bollen gegangen und hat den Brief von ihm schreiben lassen.“

Von Friedrich-Wilhelm Schiller