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Nachrichten Erniedrigungen münden in Mordversuch
Region Uetze Nachrichten Erniedrigungen münden in Mordversuch
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00:19 25.11.2018
Das Landgericht Hildesheim verhandelt seit Donnerstag den versuchten Mord an einem 53-Jährigen Uetzer. Quelle: Joachim Dege
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Uetze/Hildesheim

Vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Hildesheim hat am Donnerstag unter Vorsitz von Richterin Karin Brönstrup der Mordprozess gegen eine 50 Jahre alte Geschäftsfrau aus Uetze begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau vor, dass sie am 14. Juli versucht haben soll, in ihrem Haus ihren 53-jährigen Lebensgefährten mit einem Schälmesser zu töten. Weil die Klinge nur 1,6 Zentimeter tief in die Rückenmuskulatur eindrang, trug das Opfer lediglich eine leichte Verletzung davon.

Der Fall ist insofern ungewöhnlich, als dass die nach Auskunft von Familienangehörigen zu Depressionen neigende Frau die Tat zugibt. An das Zustechen selbst will sie sich aber nicht mehr erinnern können. Eigenen Angaben zufolge stand sie zur Tatzeit unter Alkoholeinfluss – ein Test ergab 1,9 Promille – und hatte zudem Psychopharmaka und Schmerzmittel intus. Vor Gericht sagte die Angeklagte aus, dass sie ihren Freund keinesfalls habe töten wollen. Zumal sie Gewalt strikt ablehne.

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In einem Tagebucheintrag allerdings kündigte sie den Mordversuch an und verabschiedete sich von ihren Kindern. Auch gegenüber Polizisten räumte sie nach der Tatnacht ein, dass sie den Tod des Mannes herbeiführen wollte, weil der sie manipuliert, erniedrigt, betrogen und ihr Leben verpfuscht habe. Der Mann, der auf Kosten der Frau in deren Haus lebt, regelmäßig trank und auch keiner Arbeit nachging, ließ im Zeugenstand erkennen, dass er nicht das geringste Interesse an einer Strafverfolgung hat. Er und die Angeklagte hätten sich wieder zusammengerauft, lebten nach wie vor zusammen, hätten sogar gemeinsam eine Firma gegründet, wie auch die Frau bestätigte.

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. Dann kommt ein sachverständiger Psychiater zu Wort, der den Zustand beurteilen soll, in dem sich die Frau zum Zeitpunkt der Tat befand.

Von Joachim Dege