Uetze: Eine Stunde mit Fahrlehrer Stephan Pastrik
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Uetze: Eine Stunde mit Fahrlehrer Stephan Pastrik

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17:18 23.06.2020
Stephan Pastrik kennt keine Langeweile auf dem Beifahrersitz.
Stephan Pastrik kennt keine Langeweile auf dem Beifahrersitz. Quelle: Mark Bode
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Uetze

Mit einem Vorurteil will Stephan Pastrik unbedingt aufräumen: „Frauen können genauso gut rückwärts einparken wie Männer“, betont er. Er muss es wissen. Schließlich ist Pastrik seit 15 Jahren Fahrlehrer und betreibt seit 2012 Steppos Fahrschule in Uetze. Große Unterschiede zwischen den Geschlechtern stellt der 38-Jährige beim Fahren nicht fest. Lediglich im theoretischen Unterricht seien die Frauen meist eifriger und zielstrebiger. „Das war bei uns in der Schule früher auch schon so“, sagt er lachend.

Für ihn bedeutete der Führerschein „ein Stück Freiheit“. Schließlich wuchs er auf dem Dorf auf, gut 15 Kilometer jenseits von Wolfsburg. Die praktische Fahrprüfung absolvierte er einen Tag vor seinem 18. Geburtstag. Fortan war er flexibel und regelmäßig auf den Straßen in seinem pistaziengrünen Polo 6N unterwegs, den ihm seine Mutter überließ.

Führerschein hat nicht mehr die gleiche Bedeutung

Wenngleich der Führerschein seiner Erfahrung nach für die meisten Jugendlichen heute nicht mehr dieselbe Bedeutung habe, landeten sie – früher oder später – in der Fahrschule, sagt Pastrik, der schon seit der Kindheit „Steppo“ gerufen wurde und diesen Namen daher auch für seine Fahrschule nutzt. Er wolle seinen Schülern das Fahren behutsam beibringen, sagt er. „Die meisten haben vorher noch nie auf dem Fahrersitz gesessen.“ Das war in seiner Jugendzeit anders. Er zögert einen Moment, und überlegt, ob er die Anekdote tatsächlich erzählen sollte. Dann beichtet er mit einem schelmischen Grinsen: „Ich bin früher mit meinem Vater schwarz in der Feldmark unterwegs gewesen, weil mich das Autofahren immer fasziniert hatte.“ Schnell schiebt er hinterher: „Das sollte heute aber niemand mehr machen. Dafür sind viel zu viele Verkehrsteilnehmer auf den Straßen unterwegs.“ Es sei ohnehin verboten und zu gefährlich.

Die ersten praktischen Einheiten haben die Fahrschüler in den vergangenen Jahren bei Pastrik in einem Fahrsimulator absolviert. So konnten sie gefahrlos die Grundlagen im Auto kennen lernen. Als es schließlich auf die Straße ging, fanden sich die Schüler problemlos zurecht. „Es war interessant, wie aufgeregt sie im Simulator waren“, berichtet der Fahrschulinhaber. Das Gerät hatte er aber schließlich verkauft und sich für ein neues Modell entschieden. Doch dessen Lieferung steht noch aus.

Keine Langeweile bei den Fahrstunden

Trotz des zunehmenden Verkehrs ist Pastrik immer noch gern auf den Straßen unterwegs. Einzig Großstädte versucht er zu meiden und nutzt dort lieber die öffentlichen Verkehrsmittel. „Es wird nie langweilig, es ist immer ein Nervenkitzel“, sagt er. Außerdem erlebt er immer wieder amüsante Geschichten. So scheiterte eine Schülerin jedes Mal beim Versuch, rückwärts einzuparken. „Nachdem sie zum gefühlt 100. Mal mit dem Hinterrad gegen den Bordstein kam, fragte ich sie, woran das wohl liege“, sagt Pastrik. Die Schülerin überlegte lange und antwortete schließlich: „Das Auto muss kaputt sein. Die Hinterachse hat nicht mitgelenkt.“ Das sei ihr voller Ernst gewesen, erinnert sich der Fahrlehrer mit einem Lachen. Seine Meinung, dass Frauen ebenso gut rückwärts in die Parklücke kommen wie Männer, hat dieses Erlebnis nicht beeinträchtigt.

Pastrik findet es aufregend, sich auf die neuen Charaktere einzustellen, die sich zu ihm ins Auto setzen. „Leute fragen mich oft, ob mir nicht auf Dauer auf dem Beifahrersitz langweilig wird. Ich sage immer: Absolut nicht, weil man viele spannende Geschichten erfährt.“ Er bietet allen Schülern das Du an. Trotzdem sei der nötige Respekt vorhanden. Für viele entwickelt sich Pastrik zur wichtigen Vertrauensperson. „Viele erzählen mir mehr als ihren eigenen Eltern.“

Ein Fahrschüler benötigt 150 praktische Unterrichtsstunden

Entsprechend geht er mit einer großen Portion Empathie an die Aufgabe heran. Wer forsch ist, bekommt mal einen lockeren Spruch zu hören, wer sensibel ist, wird nicht zu energisch angepackt. Auch die Geduld verliert der Fahrlehrer nie. Er erinnert sich an einen Fahrschüler mit einer Lernschwäche. Im Theorieunterricht behandelte Pastrik immer wieder dieselben Themen mit ihm. Auf 150 Fahrstunden brachte es der Schützling am Ende. Nach im ersten Versuch bestandener Theorieprüfung folgte der große Tag der praktischen Prüfung. „Er bestand ohne Probleme. Das hat mich extrem glücklich gemacht, es war unbeschreiblich schön.“ Dieser ehemalige Schüler winkt noch heute beim Vorbeifahren freundlich seinem damaligen Lehrer zu.

Stephan Pastrik versucht, seinen Theorieunterricht abwechslungsreich zu gestalten. Zuletzt standen verschiedene Verkehrszeichen auf dem Lehrplan. Quelle: Mark Bode

Einmal hatte sich Pastrik allerdings enorm in einem Fahrschüler getäusch.: „Du wirst mit deiner Einstellung niemals Profi“, sagte er zu Karim Bellarabi, der damals als A-Jugendlicher für Eintracht Braunschweig kickte. „Das Talent war da, doch er ließ mich vor dem Internat immer 15 Minuten warten. Ihm fehlten Wille und Disziplin“, erinnert sich Pastrik. Aber das galt wohl nur für die Fahrschule und nicht den Fußballplatz. „Ich lag so was von daneben. Drei Monate später war Bellarabi Stammspieler bei der Eintracht, heute spielt er bei Bayer Leverkusen in der Bundesliga.

Von Mark Bode