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Region Uetze Nachrichten Nach dem Tatort bleibt mulmiges Gefühl
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00:30 30.11.2017
Im Mai 2015 war eine Ölpipeline der Exxon Mobil bei Hänigsen leckgeschlagen. Das Bild zeigt die Säuberungsarbeiten an der Havariestelle.
Im Mai 2015 war eine Ölpipeline der Exxon Mobil bei Hänigsen leckgeschlagen. Das Bild zeigt die Säuberungsarbeiten an der Havariestelle. Quelle: HAZ-Archiv
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Dollbergen

 „Es bleibt ein mulmiges Gefühl“, sagte eine Zuschauerin im Gasthaus Höbbel nach dem Krimi: „Wir leben hier auf Erdöllagerstätten. Da stellt sich schon die Frage, ob das Öl irgendwann in Zukunft gefördert wird und vor allem mit welcher Methode.“ Im Tatort „Böser Boden“ geht es um eine gigantische Umweltverschmutzung infolge der Erdgasgewinnung mittels Fracking. Mit giftigen Chemikalien belastetes Förderwasser gelangt zunächst durch ein Leck einer Transportleitung in den Boden und wird dann sogar per Tankwagen direkt zu einem Badesee gebracht und entsorgt. 

„Der Schluss war sehr deprimierend“, lautete Jürgen Buchholz’ Fazit. Der Regionsabgeordnete aus Dollbergen kritisierte, dass der Film den Ämtern eine laxe Handlungsweise unterstelle. „Wir sind doch keine Bananenrepublik“, ergänzte Ortsratsmitglied Rainer Richter, der beim Tatort als Komparse mitgespielt hatte. Denn während der Mord aufgeklärt wird, bleibt die Regisseurin Sabine Bernadi den Zuschauern eine Auflösung des Umweltskandals schuldig – Laborbefunde und Krankheitssymtome werden von Amts wegen unter den Tisch gekehrt.

Offenbar gibt es aktuell durchaus Interesse an einer Erdölförderung im Osten der Region. „Eine kanadische Firma steht Gewehr bei Fuß“, sagte Buchholz beim Public Viewing der HAZ im Gasthaus Höbbel. Ob sie ein Genehmigung bekomme, regele das Bergrecht. 

Schon jetzt ist die Region von der mehr als 100-jährigen Erdölförderung gekennzeichnet. Es gibt zahlreiche Bohrschlammlöcher, in denen vor Jahrzehnten die Rückstände der Bohrungen abgelagert wurden. Erst kürzlich hat das Unternehmen Exxon Mobil eine diese riskanten Altlasten bei Dachtmissen ausgekoffert. Auch Lecks sind nicht auszuschließen: „Als ich den Krimi gesehen haben, musste ich an den Ölunfall in den Osterwiesen bei Hänigsen denken“, sagte Buchholz. Dort war im Mai 2015 eine Ölpipeline der Firma Exxon Mobil zur Aufbereitungsanlage in Nienhagen leckgeschlagen. Ausgelaufen waren laut eines Gutachters 500 Liter wasserhaltiges Nassöl.

Von Anette Wulf-Dettmer