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Nachrichten Prozess am Amtsgericht: „Dreiste Lügengeschichte“
Region Springe Nachrichten Prozess am Amtsgericht: „Dreiste Lügengeschichte“
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18:08 05.09.2019
Ein besonders dreister Fall von versuchtem Betrug ist jetzt vom dem Amtsgericht erhandelt worden – zu seiner Verteidigung präsentierte ein junger Springer dem Gericht recht abwegige Gründe für nicht gelieferte Waren. Quelle: dpa
Springe

Er hat nicht vorhandene Rallye-Reifen im Internet verkauft und ein Mountainbike, mit dem er anschließend selbst in den Urlaub fuhr: Wegen gewerbsmäßigen Betrugs hat das Jugendgericht am Springer Amtsgericht jetzt einen 24-jährigen Springer zu 160 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.

Die Taten ereigneten sich demnach bereits im Dezember 2015. Weil der junge Mann aber dreieinhalb Jahre im Ausland unterwegs war, konnte erst jetzt verhandelt werden.

Reaktion erst nach Androhung von Strafanzeige

Vier Reifen für einen Sportwagen hatte der Springer kurz vor Weihnachten 2015 im Internet angeboten und dafür 1800 Euro kassiert. Dem Käufer schickte er eingescannt einen gefälschten Personalausweis.

Er habe die Reifen im Januar bei einem Händler erstehen wollen, sie seien dann aber nicht mehr verfügbar gewesen, berichtete er der Jugendrichterin.

Als der Käufer Anfang Januar mit einer Strafanzeige drohte, zahlte der Angeklagte ihm über Wochen verteilt die Summe in kleineren Beträgen zurück. „Ich konnte den Vertrag nicht einhalten, es ist aber kein finanzieller Schaden entstanden“, sagte der 24-Jährige zu seiner Verteidigung. Dem Käufer hatte er schon vor Weihnachten erzählt, er habe einen Termin mit der Spedition.

Die Reifen wollte er dann, so erklärte er vor Gericht, in seinem Urlaub im Januar selbst erwerben.

Zweiter Betrugsfall: Mountainbike angeblich beschädigt

Auch ein zweiter Betrugsfall ereignete sich im Dezember 2015. Für ein Mountainbike kassierte der Angeklagte rund 1100 Euro. Der Käufer bekam das Rad aber nie zu Gesicht. Er habe das Mountainbike im Januar noch mit in den Urlaub an die Nordsee genommen, um noch ein letztes Mal damit zu fahren, erklärte der Springer. Dabei sei er aber gestürzt und das Bike beschädigt worden. „Es waren Kratzer am Rahmen und eine Acht im Rad. So konnte ich es nicht mehr weggeben.“

Dass er nach der Zeugenaussage des Opfers just dieses Rad offenbar noch einmal im Internet zum Kauf angeboten haben soll, dazu nahm der Angeklagte vor Gericht keine Stellung. Das Rad stehe immer noch bei ihm im Keller, erklärte er.

„Ich habe nie eine so dreiste Lügengeschichte gehört“, sagte die Jugendrichterin in ihrer Urteilsbegründung. Auch mehr als drei Jahre nach den Vorfällen versuche er, das Gericht „von vorne bis hinten zu verarschen“.

Nur haarscharf sei der 24-Jährige an einer Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht vorbeigeschrammt. Denn nur wenige Tage nach den Betrügereien ist er volljährig geworden.

Von Anne Brinkmann-Thies