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Nachrichten Trotz Regen: Im Deisterwald herrscht Wassernotstand
Region Springe Nachrichten Trotz Regen: Im Deisterwald herrscht Wassernotstand
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19:51 09.10.2019
Eine Handbreit Wasser unter dem Kiel: In der Haller fließt es wieder. Quelle: Foto: Ralf T. Mischer
Springe/Alvesrode/Gestorf

Christian Boele-Keimer, Leiter des Forstamtes Saupark, hofft, dass der Himmel auch weiterhin seine Schleusen öffnen wird. Immerhin könnte das ein wirksames Mittel sein gegen den Borkenkäfer, der aufgrund der extremen Trockenheit des Sommers optimale Bedingungen im Deisterwald vorfand.

„Der Borkenkäfer hat uns ganz böse erwischt Ende August“, sagt er. Nun müsse es ordentlich regnen. Boele-Keimers Hoffnung: Dass es so viel und anhaltend regnet, dass Pilzbefall die Borkenkäfer schwächt.

Auch starker Bodenfrost könnte Teile der überaus großen Population eindämmen. „Wenn das nicht eintrifft, gibt es nächstes Jahr ganz viel Borkenkäfernachwuchs“, bilanziert der Förster. Allerdings könne ein Anstieg des Grundwassers dabei helfen, weitere Schäden im Wald zu verhindern.

Grundwasser muss noch steigen

In Sachen Grundwasser ist allerdings noch Luft nach oben, meint Bezirkslandwirt Björn Estorf. Der Gestorfer hat mal genau nachgemessen: Der Ackerboden ist im Schnitt lediglich bis in 35 Millimeter Tiefe durchfeuchtet – und damit alles andere als gesättigt. Trotz des lang anhaltenden Regens der vergangenen Tage. Dass in der Haller Wasser ist, kann seinem Eindruck zufolge lediglich auf Oberflächenwasser zurückzuführen sein, das von Straßen und Plätzen oder Dächern direkt in den Fluss geleitet wird. Und: In den letzten Tagen hat er 100 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter gemessen – so viel wie in den Monaten Juli, August und September zusammen. „Das muss man sich mal überlegen“, sagt er.

Für die Ernte von Kartoffeln und Zuckerrüben allerdings bietet der Regen eher schlechte Bedingungen: Sie musste in den vergangenen Tagen ausgesetzt werden, weil der Regen die Fahrzeuge auf dem Acker deutlich behinderte.

Dass die Haller überhaupt ­trockenfällt, ist durchaus ungewöhnlich, weiß Alexander Huhn. Der Alvesröder kann sich noch daran erinnern, dass früher eine Menge Fische in dem Fluss schwammen, auch mitten im Hochsommer noch. „In den letzten Jahren war es schon deutlich zu merken, dass eine Veränderung stattfindet“, sagt Huhn. Er betreibt in Alvesrode eine Wetter-Messstation, die ihre Daten per Internet regelmäßig in die Welt funkt. Dort sind dann Werte wie Temperatur oder auch Regenmenge abrufbar. Auch können beliebige Jahre miteinander verglichen werden.

Und ein Blick auf die Messwerte macht deutlich, dass der aktuelle Monat mit in Alvesrode gemessenen 81 Millimetern Niederschlag durchaus noch nicht zu den regenreichsten Oktobern der vergangenen Jahre zählt: 94 Millimeter etwa wurden im Oktober 2012 gemessen. Im Oktober 2017 fielen in Alvesrode 84 Millimeter. Allerdings hat der Oktober 2019 ja auch gerade erst begonnen: Eine Menge Regen also innerhalb weniger Tage.

Landwirte freut der Regen

Das stellt auch Landwirt Björn Estorf heraus: „Dass es nun endlich regnet, finde ich gut. Allerdings war der Regen in diesem Jahr bislang schlecht verteilt. Wir hätten uns auch im Sommer mal einen Schauer gewünscht“, sagt er.

Laut Wetterbericht ist es übrigens auch heute noch nicht vorbei mit dem Regen am Deister: Während es vormittags vorwiegend trocken bleiben soll, soll es abends wieder Schauer geben, die Meteorologen schätzen die Regenmenge allerdings nur auf wenige Millimeter.

Von Ralf T. Mischer