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Region Springe Nachrichten Stadtbrandmeister kritisiert Bedarfsplan
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17:09 27.05.2019
Einweihung eines unvollendeten Bauwerks: Das Feuerwehrhaus in Bennigsen wird feierlich eröffnet. Quelle: Saskia Helmbrecht/Archiv
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Springe

Mit Spannung wurde er erwartet, der neue Feuerwehrbedarfsplan – sowohl bei Stadt und Politik als auch bei den Einsatzkräften. Bei Stadtbrandmeister Herbert Tschöpe löst das Papier nun allerdings keine Begeisterungsstürme aus. Sein Fazit: Der Bedarfsplan sei oberflächlich und nicht konsequent genug. „Der Plan ist aus meiner Sicht keine große Nummer.“

Was braucht die Feuerwehr wirklich?

Blick zurück: 2018 hatte die Politik beschlossen, den alten Feuerwehrbedarfsplan fortzuschreiben – mit externer Unterstützung. Hintergrund waren zum Teil emotionale Debatten, als es darum ging, was die Feuerwehr wirklich braucht oder was verzichtbare Wünsche sind. Ein neutraler Plan sollte her, um Frieden zu stiften. Und dieser Plan soll jetzt in der Sitzung des Feuerschutzausschusses erstmalig öffentlich vorgestellt werden. „Das einzig Positive, das ich dem abgewinnen kann, ist, dass ein Externer nun aufgezeigt hat, dass wir mit unseren Forderungen recht hatten“, sagt Tschöpe. Immerhin hätten alle Beteiligten nun eine Grundlage.

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Papier ist 156 Seiten lang

Der Stadtbrandmeister kritisiert allerdings, dass in dem 156-seitigen Papier große Risikogebiete wie etwa der Wald nicht betrachtet wurden. Auch die Zeitanalysen, wie lange die Feuerwehr braucht, um den Einsatzort zu erreichen, seien „durcheinander und sehr verwirrend“. Denn: „Die Eintreffzeit ist nicht gleich der Hilfsfrist, in der der Notruf mit berücksichtigt wird“, so Tschöpe. Gleichzeitig hat die Firma Luelf & Rinke, die den Bedarfsplan erstellt hat, die Feuerwehrgerätehäuser besichtigt. Dass zahlreiche Gebäude nicht mehr den Anforderungen entsprechen, hatten 2016 bereits Begehungen mit der Feuerwehrunfallkasse ergeben.

Bei neun der zwölf Feuerwehrhäuser bestehe laut den Planern dringend Handlungsbedarf – gekennzeichnet ist der in dem Papier mit einer roten Ampel. Doch auch da sieht Tschöpe Überarbeitungsbedarf. Der Neubau des Feuerwehrhauses in Bennigsen entspreche nämlich laut dem Beratungsbüro den Anforderungen. Und genau das wurde in den vergangenen Monaten immer wieder infrage gestellt, als nicht nur Ortsbrandmeister Patrick Rokahr auf etliche Missstände hingewiesen hatte – etwa auf fehlende Toiletten in den Umkleiden oder zu wenig Platz im Unterrichtsraum. Auch eine saubere Trennung der Einsatz- und Alltagskleidung sei nicht möglich.

Ortsfeuerwehren sollen nicht aufgelöst werden

Weitere Erkenntnis des Bedarfsplans: Nach rein taktischen Überlegungen könnten einzelne Ortsfeuerwehren durchaus zusammengelegt werden. Keine ganz neue Debatte, sagt Tschöpe. Allerdings, stellt Bürgermeister Christian Springfeld klar, sei eine Auflösung von Ortsfeuerwehren nicht beabsichtigt. „Was ich aus dem Plan ziehe ist, dass wir mit unserer Anzahl an Aktiven überregional glänzen. Diese Aktiven dürfen wir nicht verlieren und die Dorfgemeinschaft nicht schwächen.“ Hinzu komme, dass völlig offen sei, ob am Ende ein riesiges Feuerwehrhaus wirklich günstiger sei als der Erhalt von mehreren kleineren Gebäuden.

Wenn der Rat in seiner Sitzung am 27. Juni also den Bedarfsplan beschließen sollte, werde damit keine Entscheidung über eine Zusammenlegung von Standorten getroffen. „Die Erstellung des Bedarfsplans waren die Mühe und das Geld wert“, ist Springfeld überzeugt.

„Für mich ist das ein Mindestplan“, sagt dagegen Tschöpe. Springe könne auf eine gut aufgestellte und gut ausgebildete Feuerwehr zurückgreifen. Sollte der Bedarfsplan in dieser Form aber umgesetzt werden, könne er das so nicht mehr gewährleisten.

Sondersitzung am Mittwoch

Am Mittwoch will er bei einer Sondersitzung mit den Ortsbrandmeistern über das Thema sprechen. Dann wolle man sich auch darauf einigen, was Tschöpe und sein Stellvertreter Andreas Meyer, die beide als beratendes Mitglied an der Ausschusssitzung kommende Woche teilnehmen, bei der Politik ansprechen wollen. Tschöpe ist sich sicher, dass der Bedarfsplan für Diskussionen sorgen wird.

„Zum Beispiel fehlt mir persönlich, dass die Einsatzleitung im Ort, die ELO, außer Acht gelassen wurde.“ Zudem sei nicht festgelegt, wie sichergestellt wird, dass die Feuerwehren erhalten bleiben sollen. Auch würden keine konkreten Standorte für neue Feuerwehrhäuser vorgeschlagen. Was allerdings klar sichtbar sei, sei der überalterte Fuhrpark der Feuerwehr. Zwölf Fahrzeuge müssten demnach in den kommenden Jahren neu beschafft werden. „Vieles läuft ja schon“, so Tschöpe. Ein neues Auto für Springe sei etwa im Bau.

Von Saskia Helmbrecht