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Region Springe Nachrichten Seit 1932 kommen Schwimmer ins Waldbad
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00:16 21.07.2017
Vor 85 Jahren wurde das Waldbad in Altenhagen I eingeweiht. Seitdem wird dort geschwommen und geplantscht.
Vor 85 Jahren wurde das Waldbad in Altenhagen I eingeweiht. Seitdem wird dort geschwommen und geplantscht. Quelle: Archiv
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Altenhagen I

85 Jahre, das ist ein Grund zum Feiern, findet auch der Förderverein. Seit Wochen planen die Mitglieder die Festlichkeiten, die vom 28. bis 30. Juli stattfinden. „Für jeden sollte etwas dabei sein“, sagt Vorstandsvorsitzender Klaus Meyer. „Am Freitag haben wir zwei Shantychöre zu Gast und passend zum maritimen Thema bieten wir unter anderem auch Fischbrötchen an.“ Am Sonnabend steht dann der Schlager im Mittelpunkt. „Unser DJ Dan Hornet hat sogar extra eine Hochzeit abgesagt, weil er unbedingt bei unserer Schlagerparty auflegen wollte“, berichtet Meyer.

Während der Eintritt am Freitag kostenlos ist, müssen Schlagerfans am Sonnabend 5 Euro im Vorverkauf zahlen. „An der Abendkasse kosten die Tickets 7 Euro.“ Sonntagnachmittag richtet sich das Programm besonders an Familien. „Die Kinder dürfen in die Wasserlaufbälle schlüpfen und die Eltern können sich bei Kaffee und Kuchen den Auftritt der Bergbühne Lüdersen anschauen.“

Idee zum Freibad kam 1931

Begonnen hat alles im Jahr 1931, als die Spielergemeinschaft der Freilichtbühne unter der Leitung von Wilhelm Miederhut beschloss, eine Badeanstalt zu bauen. Unterstützung bekamen sie von Bauingenieur Fritz Giesecke. Schnell wurde der Bau mit mehreren arbeitslosen Einwohnern als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme vorangetrieben, sodass das Freibad bereits im Sommer 1932 eingeweiht werden konnte. Damals – in den Dreißigerjahren – bedeutete eine Badeanstalt für ein Dorf einen ungewöhnlichen Fortschritt.

Die Gemeinde war zu der Zeit nicht in der Lage, den Bau zu bezuschussen. Der Landkreis Springe stellte 1500 Reichsmark bereit. Von dem Geld wurde im wesentlichen Zement gekauft. Die Zulage zur Arbeitslosenunterstützung für die „Notstandsmitarbeiter“ wurde von der Freilichtbühne aufgebracht. Zudem sammelten die Verantwortlichen im Dorf Geld. Insgesamt kostete das Freibad 3000 Reichsmark – was auch für damalige Verhältnisse eine geringe Summe war.

„Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Freibad in Regie der Stadt Springe weitergeführt“, berichtet Friedhelm Lüdersen. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern des Fördervereins Waldbad. Gegründet wurde der Verein, weil die Stadt Springe ihr ältestes Freibad 1998 schließen wollte. „Damals habe ich mich an die Worte von Wilhelm Niederhut erinnert, er war mein Lehrer. In den Sechzigerjahren hat er mal zu mir gesagt: ‘Junge, pass mir auf das Freibad auf’“, erzählt Lüdersen.

Besonders ist der Deisterblick

Dass das Bad geschlossen werden sollte, gefiel den Bürgern des Ortes gar nicht. Sie wehrten sich und konnten es retten, indem der just gegründete Förderverein das Bad 1998 übernahm – mithilfe städtischer Zuschüsse. Seitdem heißt das Waldbad auch Waldbad. „In den vergangenen fast 20 Jahren wurde das Becken und das Areal mit viel Liebe und Eigenleistung immer wieder saniert“, sagt Lüdersen. Allerdings steht auch heute immer wieder infrage, wie und ob das Waldbad dauerhaft weitergeführt werden kann.

Das Besondere des Waldbads: Während sich die Besucher in der Sonne trocknen oder bräunen lassen, können sie von der Liegewiese aus über den Deister schauen.

Von Sandra Hermes