Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Lange Nacht der Kirchen: Ungewöhnliche Aktionen und ein Abschied
Region Springe Nachrichten Lange Nacht der Kirchen: Ungewöhnliche Aktionen und ein Abschied
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:55 29.10.2019
Das Ende einer langjährigen Gemeinschaft: Der Chor Laudate der katholischen Christ-König-Gemeinde tritt zum letzten Mal auf.
Springe

Fünf christliche Kirchen aus der Kernstadt und eine aus Altenhagen  I hatten für Sonnabend zur Langen Nacht der Kirchen eingeladen. Sie boten einen ungewöhnlichen Rundgang von Gotteshaus zu Gotteshaus.

Kurz vor 19 Uhr haben in dem modernen Rundbau der St.-Petrus-Kirche bereits zahlreiche Personen Platz genommen und warten. Angesagt ist das Blechbläserensemble Cool Brass aus Hannover. Zwei Trompeten, zwei Posaunen, die eine etwas andere Musik versprechen: Kompositionen über berühmte französische Autos. Bekannt sind natürlich der R4 von Renault, der 2CV – die „Ente“ – und der 11CV, der in so manchem Gangsterfilm eine besondere Rolle gespielt hat.

Neuapostolische Kirche erstmals dabei

Erstmals nimmt die neuapostolische Kirche, die sich Im Sieke befindet, am Programm teil. Sie hat ihre Türen weit geöffnet. Auf Stehtischen im Eingangsbereich stehen kleine Snacks. Das Thema: „Ich bin reich“. Ein Ensemble von vier Frauen singt Glaubenslieder. Ein Pianist spielt schwungvolle Melodien.

Anrührend ist die Geschichte, vorgetragen von zwei jungen Mädchen, in der es um den Dialog von Zwillingen im Bauch der Mutter geht. Die Frage, die die beiden bewegt: Gibt es ein Leben nach der Geburt? Während der eine Zwilling skeptisch ist, ist der andere voll Hoffnung, es könne alles noch viel prächtiger werden als bisher. Es ist leicht zu verstehen, dass diese Parabel im Grunde von der Hoffnung auf ein ewiges Leben erzählt.

Die Kreuzkirche lädt zum Theaterrundgang ein. Die Besucher treffen auf Personen aus dem Neuen Testament. Da ist zum Beispiel die Frau aus Samaria, die Jesus einen Wasserkrug reicht, als er sie darum bittet. Ungewöhnlich, so findet sie, dass dieser Mensch sie anspricht, wo doch offensichtlich ist, dass sie keinen seriösen Lebenswandel hat – mit ihren vielen Männerbekanntschaften.

Theaterrundgang in der Kreuzkirche

Dann geht es hinaus vor die Tür des Kirchenzentrums. Eine Begegnung mit dem äthiopischen Finanzminister der Königin Kandake, der in einem Text liest, den er offensichtlich in Jerusalem erworben hat. Philippus ist in der Nähe und kann ihm erklären, was die Worte bedeuten. Daraufhin lässt der äthiopische Beamte sich von Philippus taufen.

Die St.-Andreas-Kirche erkennt man an diesem Abend kaum wieder. Die Bänke sind aus der bisherigen Ordnung herausgenommen. Im Mittelschiff ist eine Zirkusarena entstanden, die Bänke sind zu einem Kreis zusammengestellt, und über allem ist ein buntes Zeltdach gespannt.

Kreiskantor Zolzan Suhó-Wittenberg spielt Musik unterschiedlicher Komponisten, die in die Atmosphäre des Zirkus hineinpassen. Mal sind es laute Klänge, mal zarte Weisen. Zum Abschluss des Tages wird hier auch noch Marete Stoffregen erwartet, die Märchen für Erwachsene erzählt.

Christ König präsentiert Texte der Mystikerinnen

Die Christ-König-Kirche beginnt ihr Programm mit Orgelmusik. Annika Köllner, die früher in der Gemeinde aktiv war, seit 2013 aber eine Stelle als Kirchenmusikerin in Syke (Diepholz) hat, nimmt die Stimmung mit dem Reigen „Der Mond ist aufgegangen“ auf. Dann geht es um Texte von Mystikerinnen wie Hildegard von Bingen, Mechthild von Magdeburg und Madeleine Delbrêl. Zwischen den Texten, singt der Frauenchor Laudate meditative Sätze.

In der St.-Vincenz-Kirche in Altenhagen I steht die Furtwängler-Orgel im Mittelpunkt – passend zum 175. Geburtstag des Instruments. Der Untertitel des Abends: „Ein Spiel-Mal und ein Hör-Mal und kein Denk-Mal“. Altenhagens Organisten Stephi Holz, Karl-Heinz Stolzenberg, Petr Chrastina und Birgit Lukow boten ihre ganz persönlichen Lieblingsstücke dar.

Chor Laudate löst sich auf

Für den Laudate-Chor war es ein besonderer Auftritt: Sie standen zum letzten Mal als Chor vor dem Altar, die Gruppe hat sich aufgelöst. Zweieinhalb Monate hatten sich die Sängerinnen vom Chor Laudate der katholischen Christ-König-Gemeinde auf ihren Auftritt bei der Langen Nacht der Kirchen vorbereitet.

Der Grund: Chorleiterin Cornelia Hellbrügge kann die regelmäßigen Mittwochsproben aus familiären Gründen nicht mehr wahrnehmen. „Der Chor möchte aber keinen Neustart mit einem neuen Chorleiter oder einer neuen Chorleiterin wagen, da der Nachwuchs fehlt“, schreiben die Sängerinnen in den aktuellen kirchlichen Nachrichten. Und ohne Nachwuchs seien die Tage der Gemeinschaft ohnehin gezählt.

Der Abschied der Frauen am Sonnabend war bewegend. Die Sängerinnen wollen das Beste aus der Situation machen. Sie sind überzeugt: „Manchmal ist es gut, sich von Liebgewonnenem zu trennen, damit etwas Neues wachsen kann.“

Von Horst Voigtmann