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18:17 27.08.2019
Das Volks- und Schützenfest 2019 auf dem Burghof war offenbar nur ein Zwischenspiel: Für 2020 hat die Feuerwehr abgesagt. Quelle: Foto: Archiv
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38 Prozent mehr Einsätze zwischen 2016 und 2018: Die Kernstadt-Feuerwehr sieht ihre Ehrenamtlichen am Limit. Zumindest, wenn diese weiterhin Zeit und Energie auf Dinge wie das Volks- und Schützenfest richten. Resultat: Man habe sich entschieden, „das Volks- und Feuerwehrfest (Schützenfest) im Jahre 2020 nicht auszurichten“.

Doch die steigenden Einsatzzahlen seien nicht allein ausschlaggebend gewesen für die Entscheidung, heißt es bei der Feuerwehr. Das Schützenfest sei einfach nicht mehr zeitgemäß. „Es wird nicht mehr angenommen“, sagt Ortsbrandmeister Florian Doege auf Nachfrage. Heißt im Umkehrschluss: Wenn keiner kommt, drohten den Veranstaltern finanzielle Verluste. „Haben sich für uns als Festveranstalter in 2015 die Ausgaben und Einnahmen des Festes gerade so gedeckt, ist für 2020 eine Unterdeckung der Kosten in Erwägung zu ziehen. Dieses finanzielle Risiko können und wollen wir nicht über die Kameradschaftskasse der Ortsfeuerwehr abdecken“, schreiben der Ortsbrandmeister und sein Stellvertreter in ihrem offenen Brief.

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Festplatz fällt als Standort aus

Hinzu kommt dann auch noch die Standortfrage. Wie berichtet, wird der ehemalige Festplatz am Hallenbad wegen des Kita-Neubaus nicht mehr zur Verfügung stehen. Vor dem Hintergrund der Rathaus-Anbauplanungen zeichne sich ab, dass der Museumshof ebenfalls nicht mehr genutzt werden könne. Allerdings betonte man bei der Stadt bereits mehrfach, dass trotz eines womöglich umgestalteten Museumshofs weiterhin Veranstaltungen dort stattfinden können – womöglich mit anderer Anordnung der Zelte und Attraktionen.

In diesem Jahr war es dem Jagdklub nicht nur gelungen, das Fest nach der Absage wiederzubeleben, sondern auch, es wieder auf den Burghof zurückzuholen. Das sei zwar „ein großer und toller Schritt“ gewesen, habe jedoch „auch seinen Preis“ gehabt, stellt die Feuerwehr klar – und spielt vor allem auf die Lärmauflagen und die erforderlichen Lärmmessungen an. Ohnehin seien die Zeiten, in denen gefeiert werden darf, stark eingeschränkt. Auch das Katerfrühstück mit dem Heinerich-Wettbewerb sowie der Kinder- und Seniorennachmittag werde immer weniger angenommen, sagt Doege, der die Entwicklung schon über mehrere Jahre hinweg beobachtet hat.

Absage überrascht Schützengilde nicht

Eineinhalb Stunden lang habe das Kommando diskutiert, bis eine Entscheidung gefallen war: Schließlich teilten die Verantwortlichen das Fest-Aus dann allen ausrichtenden Vereinen und Ortsbürgermeister Karl-Heinz Friedrich mit. Doch auch, nachdem die Nachricht am Dienstag öffentlich wurde, habe es bei ihm bislang keine Reaktionen gegeben, so Doege. Die Entscheidung bedeute nicht, dass sich die Feuerwehr nicht mehr an anderen öffentlichen Veranstaltungen beteiligen werde oder keine eigenen Aktionen mehr auf die Beine stelle, betonen die Ehrenamtlichen - und erinnern an Maibaumfest, Laternenumzug oder Forstgrenzbegehung sowie die Veranstaltungen des Feuerwehrmusikzugs. Eine große Überraschung war die Absage für Heinrich Schwarze, Vorsitzender der Schützengilde, nicht. „Traditionen werden überall abgebaut. Wir werden jetzt im Vorstand besprechen, wie es weitergeht“, sagt der Chef des größten Springer Schützenvereins. Noch, so Doege, bestehe die Chance, dass sich Freiwillige finden, die die Ausrichtung 2020 übernehmen.

Im Rathaus wurde Bürgermeister Christian Springfeld von der neuerlichen Absage überrascht: „Natürlich ist es immer schade, wenn Traditionen wegbrechen.“ Andererseits habe sich schon lange angedeutet, dass das bisherige Ausrichtermodell nicht mehr funktioniere: „Wenn man so etwas am Laufen haben will, braucht man ein starkes Team.“ Die Taktik, die Verantwortung jedes Jahr auf einzelne Schultern zu legen, „ist ja nachweislich nicht von Erfolg gekrönt“. Springfeld verweist auf Nachbarorte, in denen alle Akteure mit Interesse an großen Festen ihre Kräfte gebündelt hätten: vom Freischießen in Eldagsen mit seinem Schützenrat bis zum Barsinghäuser Stadtfest. „Da steht auch ein Verein hinter.“ Die Stadt unterstütze alle Vorhaben gerne – könne aber selber nicht als Veranstalter auftreten.

Von Saskia Helmbrecht und Christian Zett