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Nachrichten Schlägerei mit Nunchaku: Wer war der Täter – und wer das Opfer?
Region Springe Nachrichten Schlägerei mit Nunchaku: Wer war der Täter – und wer das Opfer?
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16:41 24.10.2019
Eine blutige Schlägerei endete vor Gericht, das Urteil ist jedoch noch offen. Der Prozess wird am 12. November fortgesetzt. Quelle: Heike Lyding
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Wer war der Täter – und wer das Opfer? Die Rollen bei einer Schlägerei in der Springer Innenstadt im Dezember vergangenen Jahres sind jetzt während einer Verhandlung am Springer Amtsgericht undurchsichtig geblieben.

Auf der Anklagebank saß ein 40-jähriger Springer, der einen anderen Mann mit einer Waffe, einem sogenannten Nunchaku, geschlagen haben soll. Doch der 40-Jährige bestritt das. Er war letztlich derjenige, der mit diversen Verletzungen ins Krankenhaus transportiert werden musste. Doch auch sein Gegenüber hatte viele Wunden davongetragen. Womöglich war an der blutigen Auseinandersetzung noch ein weiterer Mann beteiligt. Die Verhandlung wurde unterbrochen, um weiter Zeugen zu hören.

Nunchaku „zur Sicherheit“ dabei

Dem Streit vorausgegangen war ein nächtlicher Anruf, den der Angeklagte erhielt. „Wahrscheinlich brauchten sie mein Auto und haben mich verwechselt“, so der 40-Jährige. Er traf sich dennoch mit dem Anrufer und mindestens einem weiteren Mann auf der Straße. „Ich hatte ein Nunchaku dabei, weil ich nicht wusste, mit wie vielen Leuten sie kommen würden“, erklärte er. Verletzt habe er damit aber niemanden. „Ich habe nur damit herumgewirbelt, um zu drohen“, so der Mann. Das Teil tauge ohnehin nur zum Teppichsaubermachen. Er habe das Nunchaku auch schon bald weggeworfen. „Dann haben wir eine Schlägerei gemacht, das wars“, so der 40-Jährige.

Waffe von Spürhund gefunden

Deutlich dramatischer schilderte eine Zeugin das Geschehen, das sie von ihrer Wohnung aus beobachtet hatte. „Ich kam mir vor wie in einem schlechten Film“, so die 55-Jährige. Sie sah, wahrscheinlich – wie der Angeklagte die Waffe aus seiner Jacke hervorzog. Ob er dann auch damit geschlagen hat, konnte sie aber nicht erkennen. In jedem Fall aber soll der Mann das Nunchaku kurze Zeit später seelenruhig etliche Meter weiter hinter eine Hausecke gebracht haben. Dort fand es später auch ein Spürhund der Polizei. Das wiederum passte nicht mit der Schilderung des Angeklagten zusammen, der die Waffe einfach von sich geworfen haben will.

Über Motorhaube gerollt

Ein Taxifahrer, der auf die Prügelei hinzukam, hatte indes gar keine Waffe wahrgenommen. Er sah „zwei Personen, die auf der Straße gekämpft haben“. Weder durch Licht- noch durch Signalhupe ließen sich die beiden Männer trennen. Auch als er langsam auf die Kontrahenten zurollte, um sie zu trennen, kämpften sie weiter, rollten schließlich über seine Motorhaube auf die Straße. Dabei habe der Angeklagte zeitweise am Boden gelegen, der andere Mann habe seinen Kopf mit Faustschlägen traktiert.

Erst die eintreffende Polizei, auf die der zweite Beteiligte auch noch einprügelte, konnte den Kampf beenden. Genau dieser Mann ist bereits rechtskräftig zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Er hatte zunächst gegen einen Strafbefehl Widerspruch eingelegt, diesen Widerspruch dann aber doch zurückgenommen, sodass er nun 1050 Euro zahlen muss. Bei einer Fortsetzung der Verhandlung soll er nun als Zeuge gehört werden. Denn möglicherweise kommt nun auch der dritte Mann als Beteiligter mit ins Spiel. „Diesen Unbekannten haben wir bisher noch nicht beleuchtet“, sagte die Strafrichterin. Der Prozess im Amtsgericht wird am 12. November um 11 Uhr fortgesetzt.

Von Anne Brinkmann-Thies