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Nachrichten Umstrittener Bahnhof Deisterpforte: Region verteidigt Pläne
Region Springe Nachrichten Umstrittener Bahnhof Deisterpforte: Region verteidigt Pläne
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19:21 17.10.2019
In Springe ist in Sachen Bahnanschluss von der Region „ein großes Nachfragepotenzial ermittelt“ worden. Quelle: Ralf T. Mischer
Springe

Die Linie S 5 fährt an. Und bremst schon fast wieder. Wenige Hundert Meter liegen zwischen den beiden Stationen. Zukunftsmusik in der Kernstadt? Nein, Realität in Langenhagen, erinnert die Region: Dort liegen die Bahnhöfe Pferdemarkt und Mitte in unmittelbarer Nähe. „Die Nachfrage ist heute sehr zufriedenstellend, beide Stationen ergänzen sich“, sagt Regionssprecher Klaus Abelmann.

Warum, glaubt die Region, sollte das also nicht auch in Springe funktionieren? Grundsätzlich seien recht kurze Abstände zwischen den Haltestellen ein Merkmal des S-Bahn-Systems: „Ähnliche Strukturen finden wir in verschiedenen S-Bahn-Systemen national und international. Springe – mit zwei Stationen in der Kernstadt – wäre also eher der Normalfall“, so Abelmann.

„Planung ist Ergebnis einer Potenzialanalyse“

Ohnehin wehrt man sich bei der für den Nahverkehr zuständigen Region gegen den Eindruck, hier ohne jeglichen Bedarf ins Ungewisse hinein eine S-Bahn-Station bauen zu wollen: „Die vorliegende Planung für die Station Deisterpforte ist Ergebnis einer Potenzialanalyse zu sinnvollen weiteren Stationen im S-Bahn-Netz Hannover“, teilt Abelmann mit. Dass der Halt in den S-Bahn-Betrieb passe, habe eine eisenbahntechnische Untersuchung gezeigt; außerdem sei für den Standort „ein großes Nachfragepotenzial ermittelt“ worden. Konkret spricht Abelmann von rund 3200 Menschen, die in einem Abstand von 500 Metern rund um den Bahnübergang Heinrich-Göbel-Straße wohnen – gehe man auf 1000 Meter, seien es doppelt so viele. Sie seien planerisch „heute nicht durch die S-Bahn erschlossen“. Man erwarte täglich 1000 bis 1400 Ein- und Aussteiger.

Wie geht es jetzt weiter? Weil die Region für den Bau des Bahnhofs Fördergelder vom Land braucht, muss sie zunächst beweisen, dass das Projekt auch wirtschaftlich tragbar ist. Der Bund der Steuerzahler Niedersachsen hatte gefordert, diesen Punkt zunächst transparent zu klären, bevor die Regionspolitik nächste Woche über erste Planungskosten abstimmt (150 000 Euro).

„Noch mitten im Abstimmungsprozess“

Man befinde sich „mitten im Abstimmungsprozess, den die Landesnahverkehrsgesellschaft im Auftrag des Landes Niedersachsen detailliert begleitet und prüft“, so Abelmann. Nur wenn die Bewertung positiv ausfalle, habe man eine Chance auf Fördergelder: „In diesem Fall kann die Öffentlichkeit sichergehen, dass die Steuergelder sinnvoll eingesetzt werden“, betont Abelmann.

Dass der neue Bahnhof kaum Parkplätze bekommen soll, verteidigt Abelmann: Man wolle den gesamten Parksuchverkehr innerhalb der Kernstadt bündeln. Gerade erst hatte die Region neben dem Bahnhof neue Stellplätze geschaffen. Die Station Deisterpforte soll vornehmlich zu Fuß oder per Fahrrad angesteuert werden.

Dass aus den Reihen der Springer Politik und der Bevölkerung viele kritische Stimmen zur Notwendigkeit des Baus kommen, bereitet der Region indes keine Sorgen: „Die Region realisiert Maßnahmen wie den Bau zusätzlicher Eisenbahnstationen nur in Abstimmung und mit Zustimmung der politischen Gremien vor Ort“, betont Abelmann. Und erinnert daran, dass der Springer Ortsrat und der Planungsausschuss des Rats die Pläne im Juni und August 2016 ausdrücklich befürwortet hätten. Das steht auch so in den Protokollen der Sitzungen.

„Wir haben nicht die Wahl“

Bürgermeister Christian Springfeld warnt in Sachen Bahnhof Deisterpforte vor falschen Vorstellungen: Dass die Region etwa – wie von Ratsherr Uwe Lampe beantragt – das Geld stattdessen in die Sanierung des bisherigen Bahnhofs steckt, sei illusorisch: „Klar sind das Steuergelder – aber die werden nicht eingespart oder woanders in Springe ausgegeben. Sondern die fließen dann eben in eine andere Stadt, die sich dann darüber freuen kann. Wir haben nicht die Wahl.“ Er wundere sich, so Springfeld, über die teils massiven Widerstände dagegen, „dass hier Geld in die kommunale Infrastruktur fließt“. Schließlich habe eine solche Investition immer noch weitere positive Effekte auf Stadt und Umgebung.

Besonders wundere er sich über Lampes Kritik: Der werbe für sozialen Wohnungsbau, engagiere sich nun aber nicht für ein Projekt, das das dortige Umfeld aufwerte.

Von Christian Zett