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Region Springe Nachrichten Pläne für Neubaugebiet stoßen auf Skepsis
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16:23 08.11.2019
Manfred Dietzsch (l.) und Dirk Ausmeier stellen der Politik die Pläne für das Neubaugebiet in Lüdersen vor. Quelle: Saskia Helmbrecht
Lüdersen

Etwa 1000 Einwohner leben in Lüdersen – wenn es nach Investor Manfred Dietzsch geht, soll das beschauliche Bergdorf nun massiv wachsen. Der Laatzener hat die 5300 Quadratmeter große Fläche unterhalb der St.-Marien-Kirche gekauft und will dort 14 Reihenhäuser und 18 Wohnungen bauen. Doch die Pläne sorgten im Ortsrat für jede Menge Diskussionsbedarf – für den Investor gab es von der Politik und den zahlreichen Zuhörern erheblichen Gegenwind.

Ambitioniertes Bauprojekt sieht Abriss der Hofstelle vor

Erstmals hat Dietzsch öffentlich Infos zu dem ambitionierten Bauprojekt vorgestellt. Er plant, die bisherige Hofstelle im Ortskern abzureißen und dort Wohnraum zu schaffen. Der Rat hat für den Aufstellungsbeschluss bereits grünes Licht gegeben. Jetzt muss ein Bebauungsplan erstellt werden. Bevor es aber so weit ist, wollten sich der Investor und das Büro H&P Ingenieure aus Laatzen ein Votum aus Lüdersen holen. „Wir wollen schauen, ob wir Zustimmung gewinnen können und Anregungen sammeln, das ist noch keine endgültige Planung“, betonte Ingenieur Dirk Ausmeier, der die Bauleitplanung mit der Stadt übernimmt.

18 Wohnungen und 14 Reihenhäuser mit etwa 140 Quadratmetern Wohnfläche – je nach Bedarf – sind derzeit auf dem Gelände geplant. Alle Autos – gerechnet wird mit zwei Stellplätzen pro Wohneinheit – sollen in einer Tiefgarage abgestellt werden, berichtete Ausmeier. 80 Einstellplätze sind geplant. Zusätzliche Parkplätze für Besucher sollen ebenfalls unterirdisch geschaffen werden.

Barrierefreie erreichbare Wohnungen

Die Häuser sollen dank Fahrstühlen barrierefrei erreichbar sein. Sie sind zweigeschossig und mit einem ausgebauten Dachgeschoss geplant. „Wegen der Hanglage muss das Gelände komplett umgekrempelt werden“, erklärte Bauchef Jörg Klostermann. Durch eine Aufschüttung soll das Gelände auf Erdgeschosshöhe gebracht werden. Der Höhenunterschied liegt immerhin bei zehn Metern. Das Fundament soll dann auf den Pfeilern der Tiefgarage stehen, sodass der Höhenunterschied ausgeglichen werden kann. Durch ein Kellergeschoss wollen die Planer die Hanglage zusätzlich in den Griff bekommen.

Tobias Helmich (CDU): „Projekt passt nicht zum Ort“

Das heißt aber auch, dass die Häuser linear stehen werden. Die kleinen Einheiten seien hingegen typisch für das Ortsbild in Lüdersen, so Klostermann. „Das wirkt alles sehr massiv, das ist eine unheimlich dichte Bebauung für so einen ländlichen Bereich“, kritisierte Ute Austermann-Haun (CDU) und bekam sofort Unterstützung von Parteikollege Tobias Helmich. „Das Projekt ist nicht ortsüblich und passt nicht zum Ort.“ „Ja, es ist viel Masse für Lüdersen“, räumte Klostermann ein. Allerdings seien sowohl die Tiefgarage als auch die innerörtliche Entwicklung von Vorteil, immerhin würde damit eine leere Fläche wiederbelebt. „Wir wollen jetzt weiterkommen und wünschen uns daher ein Votum, man kann sich über vieles noch unterhalten. Die Frage ist, ob wir das Vorhaben so auf den Weg bringen.“ Wenn es nach dem Ortsrat geht, jedenfalls nicht – das wurde während der Sitzung am Donnerstagabend mehr als deutlich.

Häuser sollen weniger massiv wirken

Sowohl SPD als auch CDU äußerten zahlreiche Bedenken. Das Fazit: So, wie sich die Planer das Gelände vorstellen, wird die Politik dem Vorhaben nicht zustimmen. Die Bebauung sei zu dicht und die Häuser zu massiv – ein direkter Blick auf die Kirche sei nicht mehr möglich, kritisierten mehrere Zuhörer. „Ich nehme die Kritikpunkte nun als Aufgabe wieder zurück in die Verwaltung mit“, so Klostermann. „Unser Ziel ist es, dass die Häuser gerade von der Bergdorfstraße aus nicht so massiv wirken sollen“, so Dietzsch. Dafür müssten architektonische Lösungen gefunden werden.

Austermann-Haun machte keinen Hehl daraus, dass es vielen Lüdersern lieber gewesen wäre, wenn der Hof weitergeführt worden wäre – Interessenten habe es nämlich durchaus gegeben. „Und das ist bitter.“ Der Bedarf an zusätzlichem Wohnraum sei aber in Lüdersen gegeben. „Die Wohnungen wird man ganz sicher los.“

Fakt ist aber auch: Wenn das Bauprojekt realisiert wird, wird es in den kommenden zehn Jahren kein derart großes Vorhaben mehr geben. Denn im Regionalen Raumordnungsprogramm ist festgelegt, inwieweit sich ein Ort vergrößern darf. „Natürlich wäre es noch möglich, Baulücken zu schließen“, so Klostermann.

Die weiteren Planungen sollen dem Ortsrat später erneut präsentiert werden.

Von Saskia Helmbrecht