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Nachrichten Heftiges Unwetter: Springer Feuerwehren sind im nächtlichen Dauereinsatz
Region Springe Nachrichten Heftiges Unwetter: Springer Feuerwehren sind im nächtlichen Dauereinsatz
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18:10 16.10.2019
Einsatz im Bohlweg in Völksen: Erneut kommt es nach dem Starkregen zu Überschwemmungen. Quelle: Fotos
Springe

Ab 22 Uhr prasselte der Niederschlag binnen weniger Stunden auf die Deisterstadt nieder. Vielerorts überlastete das die Kanalisation, Keller standen unter Wasser, Straßen waren unpassierbar. Ein Überblick und eine Ursachenanalyse. 

Die Feuerwehreinsätze:Fast 30-mal mussten die Ehrenamtlichen der Feuerwehren in der Kernstadt und in den Ortsteilen ausrücken. In Springe wurde, unter anderem, die Fahrbahn unter der Bahnbrücke entlang zur Industriestraße überflutet und war unpassierbar. Auch die Ellernstraße stand unter Wasser. „Springe ist noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen“, zieht Stadtbrandmeister Herbert Tschöpe dennoch positive Bilanz. Allein in Springe mussten die Einsatzkräfte elfmal ausrücken, in Eldagsen siebenmal. Alarmiert wurden außerdem die Feuerwehren aus Altenhagen I, Bennigsen, Alvesrode und Völksen. „Es sind keine Schäden an Gebäuden entstanden und es sind keine Bäume abgeknickt.“ Rund 140 Ehrenamtliche waren in der Nacht im gesamten Stadtgebiet unterwegs, unter anderem auch im Volkspark. Eine Einsatzleitung im Ort sei nicht eingerichtet worden.

Zwei Helfer verletzen sich

Zwei Einsatzkräfte wurden während der Bekämpfung des Hochwassers und seiner Folgen leicht verletzt. Ein Feuerwehrmann geriet während der Fahrt zum Feuerwehrhaus Völksen mit einem Rad in einen Schacht, dessen Abdeckung das Wasser hochgespült hatte. Bei Aufräumarbeiten zog sich eine Feuerwehrfrau zudem eine Prellung im Gesicht zu. Beide wurden vom Rettungsdienst versorgt, verbrachten die Nacht im Krankenhaus, konnten gestern Morgen allerdings – mit einer Krankschreibung – wieder nach Hause fahren.

Bennigser Feuerwehr überflutet

Die Bennigser Kameraden hatten selbst alle Hände voll zu tun: Ihr eigenes Feuerwehrhaus stand in der Nacht unter Wasser. „Das ist ein Trauerspiel“, kritisiert Tschöpe. Aufgrund der Schräglage, in der das neue Haus gebaut wurde, stünde ständig Wasser vor und in der Halle. Gestern Vormittag hatte sich Ortsbrandmeister Patrick Rokahr gemeinsam mit der Stadt vor Ort getroffen, um konkrete Verbesserungsmaßnahmen zu besprechen.

Getroffen hat es auch den Stadtteil Völksen. „Der Bohlweg war bis zu 50 Zentimeter überflutet, Wasser und Schlamm machten die Straße unpassierbar“, berichtet Feuerwehrsprecher Stefan Quentin. Angrenzende Grundstücke waren betroffen, in einem Wohnhaus war der Keller vollgelaufen.

Die Einsatzkräfte pumpten das Wasser von einem Grundstück in die Kanalisation und beseitigten Schlamm von der Straße. Zusätzlich wurde die Freiwillige Feuerwehr Alvesrode angefordert, die mit Tauchpumpen den Keller auspumpte. Es sei immer dieselbe Straße, die überschwemmt werde, kritisiert Tschöpe. „Da müsste man die Zuständigkeiten mal prüfen und schauen, welche Lösungen man da findet.“ Das neue Unwetter fiel heftiger aus als das letzte Ende Mai.

Bis 3 Uhr morgens im Einsatz

Die Einsätze waren gegen 3 Uhr beendet. Für Tschöpe steht nach der Nacht fest: „Die Unwetterlagen nehmen auch in Springe zu, mindestens einmal im Jahr müssen wir jetzt mit so einem Ereignis rechnen.“ Lob gibt es von der Feuerwehr auch für die Arbeit der Bauhofmitarbeiter. „Insgesamt ist es toll gelaufen, wir sind sehr gut vernetzt.“

Nicht überall, also vor allem bei kleineren Wassermengen, musste die Feuerwehr am Ende wirklich tätig werden. Einige, darunter auch zwei Feuerwehrleute, hätten sich selbst geholfen. Selbst abgepumpt hätten die Einsatzkräfte unter anderem das Wasser in einem Haus an der Bahnhofstraße, wo das Wasser etwa einen halben Meter hoch stand, so Tschöpe. 

Die Schäden: Im Freibad Bennigsen haben die starken Regenfälle ein regelrechtes Chaos angerichtet: „Bei uns steht alles unter Wasser“, sagt Freibadchefin Martina Riemer. Und mit alles meint sie – wirklich – alles: Das Wasser hat sich seinen Weg durch alle Räume gebahnt, vom Technikkeller bis zu den Toiletten im Bistro – alles ist voller Schlamm. Gestern war die Feuerwehr im Einsatz und pumpte das Planschbecken aus – zur Erleichterung von Riemer, denn das Wasser darin drohte die Wände des Gebäudes aufzuweichen. Bis 11.30 Uhr waren die Ehrenamtlichen laut Rokahr im Freibad im Einsatz. Dennoch werden größere Schäden befürchtet. Riemer: „Ob die Technik kaputt ist, wissen wir noch nicht.“ Gekommen ist das Wasser offenbar von den Feldern hinter dem Badgelände.

Überall liegt der Schlamm

Auf etlichen tieferliegenden Straßen sammelte sich Schlamm und Wasser, was die Stadtmitarbeiter auf den Plan rief. „In den Gullys sammelten sich Blätter und Dreck, was den Abfluss des Wassers verhinderte“, berichtet Jürgen Olschewski vom Betriebshof gestern. Die Mitarbeiter hätten eine Nachtschicht hingelegt und seien teilweise noch immer im Einsatz mit der Beseitigung von Schmutz auf den Straßen und der Reinigung von Gräben und Wehren. Und diese Aufgabe werde die Stadtmitarbeiter auch noch eine Weile beschäftigen – mindestens die nächsten drei Tage, schätzt Olschewski.

Gestern liefen auch in Völksen die Aufräumarbeiten immer noch auf Hochtouren, berichtet Ortsbürgermeister Andreas Wietstock. Von den Feldern sei jede Menge Erde – also Schlamm – bis zum Konsumplatz und dem Minikreisel in die Ortsmitte geflossen. In gleich mehrere Häuser sei Wasser gelaufen. „Mit der Feuerwehr hat das hier alles sehr gut funktioniert.“ Mit Schaufeln wurde der Schlamm bei strömendem Regen von der Fahrbahn und den Gehwegen geschippt.

Die Regenstärke:Tobias Schaaf ist Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst. Und wenn er auf die Daten von Dienstagnacht für Springe schaut, spricht er von einem ungewöhnlichen Ereignis. „Das war eine ganz schöne Hausnummer“. Den Messungen des Deutschen Wetterdienstes zufolge fielen in Springe in der Nacht 42 Liter Regen pro Quadratmeter – so viel, wie normalerweise in einem Durchschnittsoktober herunterkommen. Der meiste Niederschlag ist den Messungen zufolge in der Zeit zwischen 22 bis 23 Uhr gefallen. Über Daten aus den einzelnen Ortsteilen verfügt der Deutsche Wetterdienst indes nicht.

Von Ralf T. Mischer, Bernhard Herrmann und Saskia Helmbrecht