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Nachrichten Darmspiegelung im Kanal
Region Springe Nachrichten Darmspiegelung im Kanal
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18:07 27.10.2019
Björn Jungfer beantwortet alle wichtigen Fragen zum Thema Dichtheitsprüfung.
Springe

„Die Dichtheitsprüfung ist wie eine Darmspiegelung. Es ist eine Bestandsaufnahme“, sagt Fachmann Björn Jungfer. Er weiß, dass das Thema viele Grundstücksbesitzer beschäftigt.

Spätestens alle 25 Jahre unaufgefordert Dichtheitsprüfungen vorzunehmen und bestehende Anlagen auf Dichtheit zu überprüfen – das verlangt das neue Abwasserbeseitigungsgesetz, das die Stadt nun vorgelegt hat. Danach ist jeder Hauseigentümer verpflichtet, für die Dichtheit seiner Abwasseranlagen Sorge zu tragen. Entspricht diese den Anforderungen nicht, müsse er innerhalb angemessener Fristen Reparaturen durchführen. Werden Schäden am Kanal festgestellt, kann es für den Hausbesitzer auch mal teuer werden.

Überdurchschnittlich hoher Grundwasserstand

Wegen schwerer Lehmböden habe Springe einen überdurchschnittlich hohen Grundwasserstand, sagt Jungfer – umso schneller könne Wasser durch undichte Rohre von außen ins Kanalnetz dringen. Jungfer, Inhaber der Firma Rohr Fit, war bei den Aktiven Frauen in Springe zu Gast, um über das Thema zu referieren. Über den Aufwand des Kanal-TÜVs entscheide auch die Art der Abwasserleitungen: Ein Mischsystem führe häufiger zu Rückstaus und Überschwemmungen: „Das haben wir letzten Dienstag erst erlebt“, erinnerte Jungfer an den Starkregen, der in der vergangenen Woche an vielen Orten Überschwemmungen zu Folge hatte.

„Wer jetzt baut, sollte stattdessen auf das sogenannte Trennsystem setzen.“ Bei diesem System müsse bei einer Prüfung lediglich die Schmutzwasseranlage auf die Dichtheit geprüft werden und damit nur ein Drittel der Rohre. Aber auch dieses System birgt laut Jungfer Nachteile, weil nicht nur zwei Kontrollschächte saniert werden müssten, sondern rund 20 Prozent mehr Rohre beim Bau verlegt werden, was schließlich zu höheren Baukosten führe.

Exkurs in die Materialkunde

Problematisch seien Immobilien, die älter sind als 50 Jahre, was Jungfer mit einem Exkurs in die Materialkunde begründete: Weil man damals noch mit organischen Materialien baute, seien die Zersetzungsprozesse weit fortgeschritten: „Diese Rohre sind zu 80 bis 90 Prozent undicht“, so Jungfer. Jungfer empfiehlt Grundstückseigentümern, ihre Hausaufgaben zu erledigen: Gebäudepläne mit Kanalverlauf zu kopieren oder bei der Stadtentwässerung das Kanalkataster zu beantragen. Es gelte auch zu prüfen, wo die Schächte verlaufen, gegebenenfalls die Schachtdeckel freizulegen wie auch Revisionsöffnungen im Keller freizuräumen – so könne man sich auf die Dichtheitsprüfung vorbereiten. „Die Hausaufgaben sind keine Pflicht. Sie sparen aber Zeit und Geld“, sagte Jungfer. Während einer Prüfung finde vor Ort eine Ersteinschätzung statt. Kriterien wie etwa, wann das Haus gebaut wurde oder woraus das Rohrmaterial besteht, spielen ebenfalls eine Rolle.

Bei der Prüfung selbst taucht mitunter Kurioses auf: „Wir finden regelmäßig Handys, Brillen, Schmuck und sogar Zahnersatz“, berichtete Jungfer. Und auch Ratten seien „ständige Begleiter“.

Werden die Kanäle und Leitungen nicht gecheckt, könne neben der Exfiltration von Abwasser ins Grundwasser auch die Infiltration von Grundwasser in das schadhafte Abwasserleitungssystem passieren, die schließlich zur Grundwasserabsenkung führe, sagte Jungfer. „Und im Extremfall führt es zum überschwemmten Keller.“

So läuft eine Dichtheitsprüfung ab

Vor allem Abwasseranlagen, die vor 1970 gebaut wurden, werden häufig mittels einer Kamera inspiziert, so Experte Björn Jungfer. „Neben einem Abschlussbericht bekommen Sie einen Kostenvoranschlag.“

Während der tatsächlichen Prüfung werden die Leitungen abgesperrt, der abgesperrte Bereich mit Luft oder Wasser gefüllt und anschließend das Rohr unter Druck gesetzt. Werden Schäden festgestellt, gibt es zwei verschiedene Reparaturmethoden: die offene Bauweise, bei der neue Rohre verlegt werden und die geschlossene Bauweise, bei der die Rohre mit sogenannten Inlinern von innen repariert werden.

Von Patricia Szabo