Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Hitze raubt Bären im Wisentgehege den Appetit
Region Springe Nachrichten Hitze raubt Bären im Wisentgehege den Appetit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:47 27.06.2019
Wenig Hunger: Braunbär Siggi verspeist einen Fisch. Normalerweise verdrückt das 350-Kilo-Tier pro Tag 20 Kilo Futter. Quelle: Ralf T. Mischer
Anzeige
Alvesrode

Sie haben es nur gut gemeint mit ihnen, die Tierpfleger. Aber den Braunbären Siggi und Karla war es zu heiß – und die Erfrischung war so weit weg: Bär Siggi frisst zwar den Fisch, den Raubtierpflegerin Heike Brömer ins Becken geworfen hat. Die Eisbombe ist aber ein wenig weiter vorn gelandet – und damit fing das Elend an. Denn um sie zu erreichen, müsste der 350-Kilo-Koloss ein paar Meter schwimmen. Und das mag er sich bei diesen Temperaturen lieber nicht antun: Auf weit über 30 Grad ist das Thermometer geklettert. Und Siggi lässt die geeisten Früchte lieber liegen.

Seine Schwester Karla traut sich noch nicht mal aus ihrem Schattenplatz heraus. „Karla“, ruft Brömer immer wieder. Aber die lässt sich nicht blicken.

Anzeige

Braunbären sind hohe Temperaturen gewöhnt

Dabei lebten sie ganz früher sogar im Deister – ganz ohne Zaun. Und deshalb haben sie auch keine Probleme mit der Hitze – eigentlich: Der letzte in Deutschland wild geborene Braunbär soll bereits 1835 erschossen worden sein. „Die heute frei lebenden Populationen, etwa in Rumänien, sind aber noch an viel heißere Temperaturen gewöhnt“, weiß Wisentgehege-Chef Thomas Hennig. Deshalb machen ihnen die 36 Grad im Schatten am Mittwochmittag auch nichts aus, zumindest theoretisch. Aber die Hitze kann offenbar auch für Bären ein Motivationskiller sein.

Tiere bewegen sich kaum

Dabei hat es Tierpflegerin Brömer so gut gemeint: Äpfel, Weintrauben, Birnen, das alles geeist in einem gefrorenen Block aus Wasser, sind für die Allesfresser mit den großen Tatzen eine Delikatesse – wenn diese nur nicht so schwer zu erreichen wäre. „Die Tiere bewegen sich bei diesem Wetter so wenig wie möglich", erläutert Brömer.

Und ruft: „Siggi, Karla“. Das Bärengeschwisterpaar kam 1998 ins Wisentgehege. Damals waren beide zwei Jahre alt. Jetzt kommen sie nicht. Erst nach fünf Minuten schleicht Siggi aus dem Schatten der Büsche. Sonst, weiß Brömer, ist er schneller unterwegs: Braunbären werden bis zu 60 Stundenkilometer schnell. Von der Eisbombe, die sie ins Wasser wirft, nimmt er keine Notiz. Und auch der erste Fisch, den die Tierpflegerin mit Schwung ins Wasser befördert, interessiert ihn nicht. Stattdessen besprenkelt der Riese sein Gesicht mit Wasser, haut dafür mit der Tatze in den Teich. Erst als ihm die Pflegerin einen Fisch vor die Füße wirft, greift er nach ihm mit der Tatze – und beginnt zu kauen.

Für die Eisbombe beginnen sich die Goldfische zu interessieren. Sie knabbern am kühlen Obst, während Siggi zurück in den Schatten des Baumes schleicht. „Jetzt macht er wieder Siesta“, sagt Brömer.

Zweiter Familien-Aktionstag

Zweiter Aktionstag für die ganze Familie: Seine neue Veranstaltungsserie „Rudeltage“ setzt das Wisentgehege am Sonntag, 30. Juni, fort: „Raus in die Natur und etwas unternehmen – denn mit dem eigenen Familienrudel ist es immer noch am schönsten“, lädt der Springer Tierpark ab 11 Uhr zu einem Aktionsprogramm ein. Im Sommerhalbjahr stehen an jedem letzten Sonntag des Monats Mama, Papa und ihre Kinder im Mittelpunkt – bei den tierischen Hauptdarstellern ebenso wie bei den Besuchern.Vor einem Monat fiel der Startschuss. Für den zweiten Rudeltag haben die Mitarbeiter und mehrere Kooperationspartner eine Tier-Olympiade vorbereitet, außerdem gibt es Bogenschießen, Ponyreiten, Kinderschminken, Bastelaktionen, einen Nistkastenbau zusammen mit dem Nabu und – wenn das Wetter so bleibt ein echtes Highlight: Waldbaden. Dabei wird der Wald mit allen Sinnen wahrgenommen. Außerdem gibt es Familienaktionen wie die Riesenportion Pommes zum Sonderpreis oder auch an der Kasse die rabattierte Familien-Jahreskarte.

Von Ralf T. Mischer und Marita Scheffler