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Nachrichten Insolvenz: Binos wird abgewickelt
Region Springe Nachrichten Insolvenz: Binos wird abgewickelt
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19:31 26.04.2019
Das Binos-Verwaltungsgebäude an der Industriestraße: „Hier wird nicht mehr gearbeitet“, sagt der Insolvenzverwalter. Quelle: Marita Scheffler
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Springe

20 Jahre ist es her – da stieg Binos ein bisschen wie Phoenix aus der Asche hervor: Ein Unternehmen, das mit den altehrwürdigen Bison-Werken nicht nur den Standort und irgendwie auch den Namen teilte – sondern nach jahrelangem Ärger um die alte Firma auch neue Hoffnung an den Wirtschaftsstandort Springe brachte. Jetzt ist der Traum ausgeträumt: Der Anlagenbauer Binos ist insolvent, die Arbeit eingestellt, 62 Mitarbeiter stehen erst einmal auf der Straße.

Anlagenbauer kann Auftrag nicht mehr abwickeln

Die vergangenen Tage waren der traurige Höhepunkt einer rasanten Entwicklung, die vor einigen Wochen ihren Anfang nahm: Mitte Februar verkündet Binos noch einen großen Auftrag; es geht um ein Werk für Holzfaserdämmstoff in Norwegen. Zu dem Zeitpunkt sucht das Unternehmen auch noch neue Mitarbeiter; noch sind auf der Internetseite unbefristete Stellen ausgeschrieben.

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Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens schon Ende Februar

Aber: Zu dem Zeitpunkt gibt es offenbar auch schon echte Probleme. Ende Februar reicht die Geschäftsführung schließlich den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ein. Das Ziel: In Eigenverwaltung, also ohne Übernahme durch einen Insolvenzverwalter, will man sich sanieren. Firmenvertreter verbreiten Optimismus, wollen sich aber gegenüber dieser Zeitung erst öffentlich äußern, wenn das zuständige Hamelner Insolvenzgericht über den Antrag entschieden hat.

Anwalt Stephan Höltershinken wird Binos’ Insolvenzverwalter

Am Mittwoch dieser Woche, 12.30 Uhr, kommt von dort dann ein neuer Beschluss: Anwalt Stephan Höltershinken aus Minden hat ab sofort als vorläufiger Insolvenzverwalter das Sagen an der Industriestraße. Er hatte bislang als sogenannter Sachwalter das Verfahren überwacht, verfügte aber nicht über Handlungsgewalt. Das Gericht hebt gleichzeitig die Eigenverwaltung auf – die Geschäftsführung verliert nun die Entscheidungsmacht über das Unternehmen. Was Höltershinken jetzt erfährt und sieht, lässt ihn umgehend handeln: Binos ist schlicht und einfach das Geld ausgegangen. Die Kosten können nicht gedeckt werden. Und: Ende April läuft das sogenannte Insolvenzausfallgeld aus, mit dem der Staat zuletzt die Gehaltszahlungen bezuschusst hatte. Auch ein erhoffter Großauftrag kam offenbar nicht zustande.

Bei Betriebsversammlung wird Aus für Binos verkündet

Höltershinken beruft eilends eine Betriebsversammlung ein – und verkündet das sofortige Aus für den Standort. „Hier wird nicht mehr gearbeitet“, bestätigt er am Freitag. 62 Mitarbeiter trifft der Schritt; weitere acht haben in den vergangenen Wochen von sich aus gekündigt. Viele von denen, die noch da sind, trifft das plötzliche Aus bei allen Sorgen der vergangenen Wochen völlig unerwartet. Teilnehmer berichten, bei der Versammlung seien Tränen geflossen. Noch Anfang April soll die Geschäftsführung den Mitarbeitern positivere Aussichten vermittelt haben, heißt es.

Insolvenzverfahren wird bald eröffnet

Höltershinkens Mitarbeiter haben im Verwaltungsgebäude bereits Unterlagen und Daten gesichtet. Sie müssen das Unternehmen nun abwickeln, Gläubiger ermitteln, mit dem Betriebsrat einen Sozialplan aushandeln, Kündigungen aussprechen. Bereits kommende Woche könnte das Insolvenzverfahren dann auch offiziell eröffnet werden. Achim Hackspiel, neben Tom Greten zuletzt Geschäftsführer von Binos, hatte das Unternehmen bereits vor zwei Wochen offiziell verlassen. Was mit dem Firmengelände passiert, ist offen: Während Binos das Verwaltungsgebäude angemietet hatte, gehören benachbarte Firmenhallen zum Betriebsvermögen.

Bürgermeister Christian Springfeld erfuhr am Freitag durch die Zeitung vom Aus – und reagierte geschockt über die Nachricht: „Das ist ein Schlag in die Magengrube – für die Mitarbeiter, aber auch für die gesamte Stadt.“ Mit dem Aus für Binos schließe ein „Traditions- und Familienunternehmen“. Er habe nach dem Bekanntwerden der finanziellen Schwierigkeiten Ende Februar Gespräche geführt und die Hilfe der Stadt angeboten. „Ich habe sehr gehofft, dass sie sich berappeln.“ Sein erster Gedanke gelte nun den betroffenen Mitarbeitern, so Springfeld. Für den Firmen-standort „hoffe ich, dass sich etwas entwickeln kann“. Die Wirtschaftslage sei gut, die Nachfrage nach Gewerbeflächen stark. Bei Bedarf biete auch hier die Stadt ihre Hilfe an.

Von Christian Zett