Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Stadt zeigt Baumfäller in Dolgen an
Region Sehnde Nachrichten Stadt zeigt Baumfäller in Dolgen an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 18.03.2019
Von der 100 Jahre alten Eiche steht nur noch der Stumpf. Quelle: Katja Eggers
Dolgen

Sie hat jahrelang das Dorfbild in Dolgen geprägt, Ende Februar wurde sie gefällt: Die Rede ist von einer etwa 100 Jahr alten Eiche gegenüber dem Spielplatz an der Haimarer Straße. Auf der Brachfläche liegen noch der zerlegte Stamm und etliche Äste. Doch anscheinend hätte die Eiche gar nicht gefällt werden dürfen. Laut der Stadt Sehnde steht der Baum zum Großteil auf städtischem Grund und hatte weder Schäden noch Krankheiten. Die Stadt hat mittlerweile Strafanzeige wegen Sachbeschädigung gestellt. Grundstückseigentümer Hendrik Preß ist sich indes keiner Schuld bewusst. Er spricht von einem „morschen Baum“ und habe nur seiner Verkehrssicherungspflicht nachkommen wollen. Schließlich habe die Eiche bereits auf die Straße geragt.

Stadt: Grenzbaum gehört größtenteils uns

Laut Sebastian Wels, beim städtischen Fachdienst Stadtentwicklung, Straßen und Grünflächen für Baumkontrolle, -pflege und -kataster zuständig, handelt es sich bei der Eiche um einen sogenannten Grenzbaum. Dieser stehe auf der Grenze des Privatgrundstücks zum öffentlichen Grünstreifen und gehöre somit sowohl der Stadt als auch dem Eigentümer des Privatgrundstücks. Beide Parteien hätten demnach das Recht ihn zu fällen – jedoch nicht ohne vorherige Rücksprache mit der jeweils anderen Partei. „Einen 100 Jahre alten Baum kann man nicht einfach so fällen – da hätte man vorher auf jeden Fall mit uns Kontakt aufnehmen und die Eigentumsfrage klären müssen“, betont Sabine Zilkenath vom städtischen Fachdienst. Wels erklärt, dass die Eiche sogar zu etwa 90 Prozent auf städtischer Seite gestanden habe und daher weitestgehend auch der Stadt gehöre.

Das Holz sieht laut Stadt gesund und gut aus. Quelle: Katja Eggers

Anders als die Bäume am Spielplatz auf der gegenüberliegenden Straßenseite habe die Eiche allerdings nicht unter Schutz gestanden. „Leider, denn sonst hätten wir rechtlich noch ganz andere Handhabe“, meint Wels. Eine Baumschutzsatzung, wie es sie etwa in der Nachbarstadt Lehrte gibt, existiert in Sehnde nicht. „Hätten wir eine Baumschutzsatzung, wäre diese Baumfällung eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldstrafe geahndet würde“, erklärt Wels.

Mittlerweile werde bei der Stadt jedoch über eine solche Satzung nachgedacht. „Es ist noch nichts in trockenen Tüchern – wenn überhaupt, geht es erstmal um eine Satzung für unsere eigenen Bäume“, erklärt Wels. Die Stadt hat indes Strafanzeige wegen Sachbeschädigung gestellt. Nun werde ermittelt. „Wir warten jetzt, was dabei herauskommt.“

Bei der Stadt herrscht angesichts der Baumfällung auch deshalb absolutes Unverständnis, weil die Eiche laut Zilkenath in einem gutem Zustand gewesen sei und einen Stammdurchmesser von fast einem Meter gehabt habe. „Der Baum war gesund und vital, hatte keine Krankheiten oder Pilze und war auch schön gewachsen.“ Sie könne dies mit Gewissheit sagen, weil sie der Eiche erst im vergangenen Jahr einen Pflegeschnitt verordnet hatte und dabei keine Schäden festgestellt worden seien.

Verlust fürs Ökosystem: Um den Stamm rankt sich Efeu, der vielen Insekten Nahrung bietet. Quelle: Katja Eggers

Holger Klinkert vom Naturschutzbund (Nabu) Sehnde betont, dass die die Fällung der Eiche ein großer Verlust für das Ökosystem sei. „So ein großer alter Baum ist Heimat für unzählige Insekten- und Vogelarten“, sagt er. Am Stamm hätte sich jede Menge Efeu in die Höhe gerankt. „Weil Efeu erst im Herbst blüht, wenn die meisten Pflanzen nicht mehr blühen, finden vor allem Wespen und Bienen dort noch spät Nahrung“, erklärt Klinkert.

Anwohner sieht sich im Recht

Preß behauptet indes, dass die Eiche keineswegs gesund, sondern von innen morsch gewesen sei. „Es gab handtellergroße Stellen, das konnte man von außen klar erkennen.“ Dass die Stadt dort 2018 einen Pflegeschnitt vorgenommen hat, zweifelt er an: „Für mich sind keine frischen Schnitte erkennbar.“ Der Dolgener sieht die Eiche zudem als seinen Baum an. Dass er auf der Grenze gestanden habe, sei für ihn nicht erkennbar gewesen. Preß ist sich sicher: „Ich bin im Recht.“

Baumschutzsatzung: Lehrte hat sie, Sehnde nicht

Sehnde hat keine Baumschutzsatzung. Beim Naturschutzbund (Nabu) ist man sich noch nicht sicher, ob Sehnde eine solche Satzung wirklich bekommen sollte. „Es gibt Vor- und Nachteile, wir diskutieren das noch“, erklärt Mitglied Holger Klinkert. Ganz anders dagegen die Stadt Lehrte. „In meinen Augen bietet eine Baumschutzsatzung nur Vorteile“, erklärt Volker Kemmling, Leiter des Umweltamtes. Denn damit würden in der Gemarkung Lehrte einschließlich der Kernstadt alle Laubbäume mit einem Stammumfang von 60 Zentimetern und mehr generell unter Schutz gestellt. „Leute können mit ihren privaten Bäumen dann nicht einfach machen, was sie wollen“, betont Kemmling.

Von Katja Eggers

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Reit- und Fahrverein „Das Große Freie“ aus Sehnde hat eine neue Vereinsmeisterin. Tiffany Tischmeyer wurde bei der Jahresversammlung ausgezeichnet.

15.03.2019

Die Theatergruppe Weimarer Kultur-Express hat rund 230 Siebtklässlern eindrucksvoll die Gefahren des übermäßigen Alkoholkonsums vor Augen geführt.

15.03.2019

Die Tankstelle Laas in Ilten besteht am Freitag auf den Tag genau seit 50 Jahren. Aus dem kleinen Familienbetrieb an der B 65 ist ein Unternehmen mit 20 Mitarbeitern geworden.

17.03.2019