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Nachrichten Familienzentrum ist vorerst gestoppt
Region Sehnde Nachrichten Familienzentrum ist vorerst gestoppt
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08:11 26.06.2019
In dem verwunschen-verwilderten Garten der evangelischen Kirchengemeinde soll das Sehnder Familienzentrum mit einer Grundfläche von rund 500 Quadratmetern errichtet werden. Quelle: Thomas Böger
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Sehnde

Der Ausschuss für für Kindertagesstätten und Jugend hat die Pläne für eine Kita und ein Familienzentrum auf dem Gartengrundstück der evangelischen Kirchengemeinde an der Mittelstraße mehrheitlich abgelehnt. Die Vertreter der CDU begründeten das mit dem Fehlen von Angaben zu den konkreten Kosten, der Repräsentant der AfD favorisiert ein grundsätzlich anderes Konzept. SPD und Grüne wollten das Projekt dagegen anhand der vorliegenden Informationen auf den Weg bringen, konnten sich aber nicht durchsetzen. Die Folgen für den weiteren Ablauf sind noch unklar.

Eigentlich ist sich eine große Mehrheit im Rat über die Notwendigkeit eines Familienzentrums in Sehnde einig. Auch über die inhaltliche Konzeption und die gemeinsame Unterbringung mit zwei Krippen- und einer Kindergartengruppe in einem zweistöckigen Gebäude herrscht weitgehend Einigkeit. Fachdienstleiterin Katharina Fischer erläuterte dem Ausschuss dazu und zur Raumplanung jetzt weitere Einzelheiten.

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Getrennte Eingänge, gemeinsamer Fahrstuhl

Entgegen dem ursprünglichen Plan sollen die beiden Bereiche vertikal getrennt werden, das heißt, beide erhalten Räume sowohl im Erd- als auch im Obergeschoss. Sie verfügen – wie gesetzlich vorgeschrieben – über separate Eingänge, können aber gemeinsam ein Fahrstuhl nutzen. In der Kita sind neben den Gruppenräumen ein gut 50 Quadratmeter großer Bewegungsraum sowie ein Leitungsbüro, eine Küche und einen Sozialraum vorgesehen. Das Außengelände umfasst knapp 670 Quadratmeter. Laut Fischer entspricht das alles den gesetzlichen Vorgaben.

Das Familienzentrum soll im Erdgeschoss ein Café mit Küche sowie einen Beratungsraum und Toiletten erhalten. In der oberen Etage sind ein gut 70 Quadratmeter großer, unterteilbarer Mehrzweckraum geplant sowie ein kleines Foyer mit Zugang auf eine Terrasse.

Als voraussichtliche Baukosten nannte Fischer 2,9 Millionen Euro. Für die Einrichtung würden weitere 130.000 Euro erforderlich. Dem stünden Fördermittel aus verschiedenen Quellen von 330.000 Euro für die Kita gegenüber. Weitere Zuschüsse werde es für das Familienzentrum geben, ihre Höhe stehe aber noch nicht fest, sagte Fischer.

Kirchenkreis mietet, Stadt zahlt

Das Gebäude soll von der städtischen Infrastrukturgesellschaft errichtet und an den Kirchenkreis Burgdorf als Träger beider Einrichtungen vermietet werden. Der wiederum wird sich die Mietkosten von der Stadt erstatten lassen. Die Einzelheiten sollen in einem Betriebsführungsvertrag zwischen Stadt und Kirchenkreis geregelt werden. Diese Konstruktion wollte die Verwaltung jetzt von den politischen Gremien absegnen lassen.

Doch im Fachausschuss fand der Vorschlag keine Mehrheit. Der designierte Bürgermeister Olaf Kruse (SPD) und Florian Schuchardt (Grüne) wollten das Projekt auf den Weg bringen und damit weitere Verzögerungen vermeiden. Aber „ich habe Probleme, über eine schwarze Box abzustimmen“, sagte Sepehr Sardar Amiri (CDU). Seine Fraktion forderte, die Verwaltung solle Zahlen dazu nennen, welche Kosten für Miete und Unterhaltung des Gebäudes auf die Stadt zukämen. Das ist laut Fischer zurzeit jedoch noch nicht möglich, da die Höhe wesentlich von den Konditionen abhänge, zu denen sich die Infrastrukturgesellschaft Kredite beschaffen könne. Das bestätigte Infrastruktur-Geschäftsführer Frank Jankowski-Zumbrink. Außerdem seien auch die genannten Baukosten „erst einmal nur ein Schuss“. Bei der anhaltenden Baukonjunktur könnten die Ausschreibungen auch deutlich andere Ergebnisse erbringen.

Rat hat am 3. Juli das letzte Wort

Wie es jetzt mit dem Familienzentrum weitergeht, ist noch unklar. Eigentlich sollte der Rat am kommenden Mittwoch das Konzept verabschieden. Doch das könnte spannend werden: Beim Grundsatzbeschluss im vergangenen Jahr hatten SPD, Grüne und die beiden inzwischen in der Gruppe „Unabhängig für Sehnde“ zusammengeschlossenen Ratsherren dafür votiert. Wenn sie das auch jetzt wieder tun und alle Fraktionsmitglieder an der Sitzung teilnehmen, dürfte die Mehrheit gesichert sein, denn es ist kaum anzunehmen, dass Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke gegen seinen eigenen Beschlussvorschlag votiert. Fehlt dagegen jemand bei den Befürwortern, könnte es eng werden. Bei einer Ablehnung durch den Rat würde das Projekt zumindest verzögert. Damit könnte der angestrebte Termin für die Eröffnung zum Beginn des Kita-Jahres 2021/22 hinfällig werden. Ob Sehnde dann ohne die eingeplanten zusätzlichen drei Gruppen den Rechtsanspruch auf eine Betreuung vollständig erfüllen kann, ist noch offen. tb

Der Kommentar: Stadt braucht kreative Ideen für breite Mehrheit

Hoffentlich endet die Planung für das Sehnder Familienzentrum nicht als Posse. Die Gefahr besteht durchaus, denn nichts anderes wäre es, wenn das Projekt nach jahrelanger Vorbereitung doch noch scheitern sollte – obwohl es eigentlich (fast) alle Kommunalpolitiker wollen.

Es mag sein, dass sich Rot-Grün mit Unterstützung der beiden Unabhängigen nächste Woche im Rat durchsetzt. Doch dann stünde das Gebilde auf einer äußerst schmalen Basis. Besser wäre es, die CDU noch mit ins Boot zu holen. Es müsste doch möglich sein, in die Beschlüsse eine Art Reißleine einzubauen, um die von der CDU befürchteten ausufernden Kosten abzusichern. Entweder man nennt beispielsweise eine Obergrenze für die bei der Stadt anfallenden Kosten. Oder die Aufträge an die Verwaltung werden vorbehaltlich einer späteren haushaltsrechtlichen Absicherung erteilt. Wahrscheinlich fallen den Experten im Rathaus noch andere, bessere Methoden ein – hoffentlich noch bis zum kommenden Mittwoch.

Von Thomas Böger

Von Thomas Böger