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Nachrichten Bauhof muss immer mehr wilden Müll entsorgen
Region Sehnde Nachrichten Bauhof muss immer mehr wilden Müll entsorgen
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11:05 28.03.2019
Babykarre, Altölkanister, ein Grill und jede Menge Elektroschrott: Das ist nur eine kleine Auswahl an Müll, der jüngst illegal im Sehnder Stadtgebiet entsorgt worden ist. Quelle: privat
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Sehnde

Lösungsmittel, Lacke, Farben, Altöl, Autozubehör wie Reifen und Batterien, Sperrmüll vom Küchenschrank bis zum Lattenrost: Die Liste der Abfälle, die Umweltsünder im Sender Stadtgebiet in der Natur abladen, ist lang. Sogar Abfälle von privat geschlachtete Tieren haben die Mitarbeiter des städtischen Baubetriebshofs in der Feldmark schon eingesammelt. „Es gibt nichts, was es nicht gibt – wir haben sogar schon eine Gefriertruhe aus dem Papenholz geholt“, berichtet Steffen Bartelt, der Leiter des Baubetriebshofs. Obwohl die Stadt regelmäßig über die legalen Entsorgungsmöglichkeiten informiere und auf mögliche Strafen für Umweltsünder hinweise, sei eine Besserung keinesfalls in Sicht. „Im Gegenteil“, sagt Bartelt, „es ist definitiv mehr geworden.“

Hausmüll im öffentlichen Abfallbehälter

Plätze, an denen besonders häufig illegal Müll abgeladen wird, kann der Bauhofleiter allerdings nicht ausmachen. „Das wechselt und zieht sich im Prinzip durch das ganze Stadtgebiet“, sagt Bartelt. Ortsräte, Vereine, Abfallverbände und andere Einrichtungen würden zwar im Frühjahr regelmäßig zu den üblichen Müllsammelaktionen aufrufen. Bartelt und seine Mitarbeiter sind aber dennoch das ganze Jahr über damit beschäftigt, illegal entsorgten Abfall einzusammeln. Für die ordnungsgemäße Entsorgung entstehen der Stadt zusätzliche Kosten von mehr als 3000 Euro. „Und das sind nur die Kosten für die reine Entsorgung – da sind die Transport- und Personalkosten noch gar nicht eingerechnet“, betont Bartelt.

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Dass Menschen immer wieder ihren Abfall in der freien Natur abladen, kann Bartelt nur schwer nachvollziehen. „Es scheint für manche Menschen angenehmer zu sein, die alten Autoreifen abends im Wald abzuladen, statt sie am kommenden Werktag ganz legal und kostenfrei auf dem Wertstoffhof abzugeben“, meint Bartelt. Er berichtet zudem von öffentlichen Abfallbehältern, in die privater Hausmüll entsorgt wird. „Da werden dann gern mal Windeln, Katzenstreu und andere Dinge reingepackt“, weiß Bartelt. Umweltsünden würden zudem in jedem Alter begangen, die Gründe seien vielfältig. Der Bauhofleiter vermutet eine Mischung aus Faulheit und Geiz. „Da sind Jugendliche genauso dabei wie Omis und gut situierte Damen mittleren Alters, die kein Geld für den Kauf von schwarzen Säcken ausgeben wollen“, erklärt Bartelt.

Anzeige bei der Polizei

Um welche Menschen es sich bei den Umweltsündern handelt, kann Bartelt mitunter an Schriftstücken ablesen, die ebenfalls im Müll gelandet sind. Neben dem Elektroschrott oder den alten Reifen tauchen dann etwa Unterlagen vom Arbeitsamt oder Kontoauszüge auf. „Wenn ich die Person dann namentlich zuordnen kann, erstatte ich Anzeige bei der Polizei“, berichtet Bartelt.

Der Leiter des Baubetriebshofs hofft jedoch, dass sich diejenigen, die ihre Abfälle bisher unsachgemäß entsorgt haben oder dies vorhaben, besinnen und in Zukunft die entsprechenden Einrichtungen nutzen. So mancher Abfall sei schließlich auch gefährlich. Eine besondere Gefahr gehe etwa von umweltschädlichen Abfällen aus. Lacke, Öle und Farben sind laut Bartelt giftig, explosiv und brennbar. Verwesende Schlachtabfälle können zudem Aasfresser anlocken und Krankheitserreger in die Natur gelangen.

Menschen, die unsachgemäß entsorgten Abfall finden oder andere beim Entsorgen beobachten, bittet die Stadt um Mithilfe. Im akuten Fall ist die Polizei der direkte Ansprechpartner. Meldungen können zudem auf der Homepage der Stadt unter www.sehnde. de über die Bürgertipps erfolgen. Der Baubetriebshof ist unter Telefon (05138) 707500 oder per E-Mail an steffen.bartelt@sehnde.de zu erreichen.

Abfall landet sogar auf der Tischtennisplatte

Die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs müssen nicht nur immer mehr illegal entsorgten Abfall in der Sehnder Feldmark einsammeln. Sie rücken auch regelmäßig zur Jugendhütte in Ilten aus. Erst kürzlich haben sie vor dem Häuschen sowie auf und rund um die fest installierte Tischtennisplatte jede Menge kaputte Glasflaschen, Tetrapacks, einen Einweg-Grill, Plastik- und Papiermüll eingetütet. „Die Jugendlichen machen dort am Wochenende Party und lassen dann alles liegen“, schimpft Steffen Bartelt, Leiter des Baubetriebshofs. In den Sommermonaten und zur Ferienzeit sei es besonders schlimm. „Drei große Säcke voll nehmen wir eigentlich immer mit“, erklärt Bartelt. In der Vergangenheit habe es dort auch mal Ärger mit campierenden Obdachlosen gegeben. Derzeit würde der Müll jedoch von feierfreudigen Jugendlichen verursacht. Ein öffentlicher Abfallbehälter ist an der Hütte zwar vorhanden. „Aber der wurde leider abgetreten“, berichtet Bartelt. eg

Von Katja Eggers