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Region Sehnde Nachrichten Ehemann soll Frau wegen Affäre getötet haben
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16:17 10.12.2018
In diesem Gebüsches bei Höver hatte ein 80-jähriger Radfahrer die Tote im Mai entdeckt. Quelle: Oliver Kühn (Archiv)
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Höver/Hildesheim

Dieses Kapitalverbrechen hatte Höver geschockt: Ende Mai war eine Leiche in einem Gebüsch am Wirtschaftsweg in der Verlängerung der Straße Gretlade hinter dem Gewerbegebiet nahe der Bundesstraße 65 entdeckt worden. Nun beginnt der Prozess wegen Totschlags gegen den Ehemann der Toten am Landgericht Hildesheim.

Sieben Monate nach dem Gewalttod der zweifachen Mutter aus Bockenem muss sich der Ehemann von Dienstag an vor Gericht verantworten. Der 32-Jährige soll seine gleichaltrige Frau nach einem Streit am 17. Mai getötet haben. Kurz zuvor soll er von einem Verhältnis zwischen ihr und ihrem Chef erfahren haben. Nach dem Tod der Frau soll er über ihr Facebook-Konto noch Nachrichten verschickt haben, um ihren Tod zu verschleiern. Das Opfer und der Angeklagte stammen aus Bulgarien.

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Der Angeklagte verstrickte sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft bei Vernehmungen immer wieder in Widersprüche. Nachdem er die Leiche erst in der eigenen Wohnung versteckt hatte, brachte er sie am nächsten Tag nach Kenntnis der Ermittler in ein Gebüsch an dem Wirtschaftsweg in Höver, 45 Kilometer von seinem Wohnort entfernt. Die Tote hatte ein 80-jähriger Fahrradfahrer erst zehn Tage später hinter dem Gewerbegebiet an der Gretlade entdeckt – ausgerechnet am Schützenfestsonntag. Kurz vor dem Umzug durch den knapp 2000 Einwohner zählenden Ort hatte sich die schreckliche Nachricht schnell über die sozialen Medien verbreitet. Auch am Tag danach war der Leichenfund etwa im Kiosk und der Bäckerei Gesprächsthema im Dorf.

Schlimm war die Entdeckung der Leiche vor allem für den Finder, den Vater der stellvertretenden Ortsbürgermeisterin. Der 80-jährige Landwirt, der zugleich auch Jäger ist, hatte bei einer kleinen Radtour den typischen Verwesungsgeruch in die Nase bekommen und war ihm gefolgt – in der Annahme, dass dort in dem schwer zugänglichen Gehölz irgendwo ein totes Tier liege. Als er schließlich Schleifspuren im hohen Gras am Wegrand entdeckte, war er diesen gefolgt und ins dichte Gebüsch gekrochen. Zunächst hatte er nichts entdeckt, doch dann stieß er auf den Leichnam und erschauerte.

Zunächst habe die Tote ausgesehen wie eine Schaufensterpuppe, unbekleidet und starr, gab der Höveraner später zu Protokoll. Doch beim zweiten Blick und dem Geruch in der Nase hatte der 80-Jährige schnell gemerkt, dass dort ein toter Mensch liegt und sofort die Polizei alarmiert.

Verdächtiger sitzt seit Juni in Untersuchungshaft

Überwachungsvideos und die Auswertung von GPS-Daten hatten schließlich belegt, dass sich der Angeklagte in der Nähe des Leichenfundorts aufgehalten hatte. Er wurde deshalb am 22. Juni dem Haftrichter vorgeführt und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Für den am Dienstag beginnenden Prozess am Landgericht sind 14 Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil fällt nach derzeitiger Planung am 5. März.

Von Oliver Kühn mit Landesdienst Niedersachsen