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Nachrichten Gericht: Sein Molotow-Cocktail verbrannte die Tür einer Flüchtlingsunterkunft
Region Sehnde Nachrichten Gericht: Sein Molotow-Cocktail verbrannte die Tür einer Flüchtlingsunterkunft
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00:16 15.05.2016
IN HANDSCHELLEN: Heiner D. (43, Name geändert) wurde von zwei Justizbeamten in den Gerichtssaal geführt. Er sitzt seit dem 9. November 2015 in Untersuchungshaft.
IN HANDSCHELLEN: Heiner D. (43, Name geändert) wurde von zwei Justizbeamten in den Gerichtssaal geführt. Er sitzt seit dem 9. November 2015 in Untersuchungshaft. Quelle: Tobias Welz
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Sehnde

Heiner D. (43, Name geändert) aus dem Sehnder Stadtteil Haimar ist 1,73 Meter groß, wiegt 106 Kilogramm, ist also eigentlich gebaut wir ein Bär. Doch gestern im Landgericht Hildesheim wirkte er eher wie ein gebrochener Mann.
Er saß stundenlang zitternd und leise wimmernd da, wie ein Häufchen Elend, und ließ das Verfahren wegen schwerer Brandstiftung gegen sich einfach geschehen. Die Hände wie zum Gebet gefaltet, ein Stofftaschentuch zwischen die Finger gepresst, saß er in seinem Jeanshemd verkrümmt da und weinte in sich hinein.

Was war geschehen? Am ersten November 2015 bastelte er in seiner Garage einen Molotow-Cocktail, den stellte er – oder warf er – vor die Holztür einer Flüchtlingsunterkunft im Ort. Die Tür fing Feuer, Passanten löschten den Brand jedoch schnell. Die dreiköpfige Familie aus Montenegro, die zur Tatzeit im Haus schlief, blieb unverletzt. Hinweise, die auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund schließen lassen, ergaben sich aus den Ermittlungen aber nicht. Ein Gutachter führte die Tat eher auf eine Art Minderwertigkeitsgefühl des Täters zurück, der sich damit gegenüber anderen habe “erhöhen“ wollen.

Zur Tatzeit hatte der 43-Jährige zudem einen Blutalkoholwert zwischen 1,7 und 2,2 Promille. Die Steuerungsfähigkeit war laut Gutachten trotzdem nicht eingeschränkt. Zu handlungsfähig wirkte er auf Zeugen, zu gut schnitt er bei diversen medizinischen Tests ab, zu planvoll ging er bei seiner Tat vor.

Seine Mutter und seine Frau waren zur Begleitung von D. im Gerichtssaal. „Er hat seine gesamte soziale Situation im Dorf kaputt gemacht, das weiß er auch“, befand der Gutachter. Der 43-Jährige lebt quasi seit der Geburt in Haimar, war in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv und im Jagdverein. Ob er nun von der Dorfgemeinschaft ausgestoßen wird, ist unklar.
Ein Urteil kündigte der Richter für den 20. Mai an.

Von Tobias Welz