Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Flüchtlinge summen Weihnachtslieder mit
Region Sehnde Nachrichten Flüchtlinge summen Weihnachtslieder mit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:40 20.12.2018
Sie feiern aus Solidarität mit dem Verein Flüchtlingshilfe Weihnachten mit: Ayana aus Indien (von links) sowie Medine, Dad, Ravi und Ajmal aus Afghanistan. Quelle: Oliver Kühn
Anzeige
Rethmar

Damit hatte niemand gerechnet: 70 Menschen haben sich am Mittwochabend zum ersten Lebendigen Adventskalender des Vereins Flüchtlingshilfe Sehnde in Rethmar eingefunden, um kurz innezuhalten und sich auf Weihnachten zu besinnen. „Dabei waren mehr Neubürger als Deutsche dabei“, sagt die Vorsitzende Ortrud Mall erfreut. Kleine Laternen wiesen den Weg zum Treffpunkt „Vielfalt“ auf dem Gelände des ehemaligen Bundessortenamts an der Hauptstraße. Zu Beginn hatten Ortsbürgermeister Matthias Jäntsch und weitere Mitstreiter kurze Texte vorgetragen, um auf den Abend einzustimmen und gegen Ausländerfeindlichkeit das Wort zu ergreifen sowie für Solidarität mit den Geflüchteten zu werben.

Außer einem gemeinsamen Gebet werden auch Weihnachtslieder gesungen, von Karl-Heinz Riesch mit der Gitarre begleitet. Quelle: Oliver Kühn

Von diesen waren etliche erschienen, um ihrerseits ihre Solidarität mit deutschen Bräuchen zu zeigen, die sie aus ihrer Heimat nicht kennen. So wie etwa Ravi aus Afghanistan. „Wir sind hier gut angenommen worden“, erklärt der 22-Jährige, der vor drei Jahren aus dem Hindukusch geflüchtet ist und mittlerweile gut Deutsch spricht. Seine Familie ist noch in seinem Heimatland, und in der Weihnachtszeit, in der hierzulande die Familien zusammenrücken, wolle er nicht allein sein.

Anzeige

Es sei ihm wichtig, sich gemeinsam mit seinen deutschen Freunden über das Weihnachtsfest zu freuen. „Das muss man tun“, sagt der 22-Jährige mit Nachdruck und auch mit Blick auf andere Flüchtlinge. Nur so könne man ein Teil der Gesellschaft werden. Ein ähnliches Motiv hatte auch Ayana aus Indien, die mittlerweile in Hannover wohnt, aber bei der Flüchtlingshilfe Sehnde Deutschkurse für Frauen gibt. „Ich will nicht allein sein“, gesteht die 25-Jährige. Weihnachten kenne sie durchaus von Christen in ihrem Heimatland, sagt die Hindu.

Veganes Schmalzbrot und süße Kekse schmecken auch Bahar (8, von links), Rujin (7) und Zeinab (8). Quelle: Oliver Kühn

Vor dem Treffpunkt war ein großes Büfett aufgebaut, das nicht nur mit Keksen und Gebäck, sondern auch mit veganem Schmalzbrot aufwartete – weil Muslime bekanntermaßen kein Schweinefleisch essen. Dazu gab es Punsch. Ein gemeinsames Gebet sollte zudem die Verbundenheit miteinander betonen. Darüber hinaus durften natürlich auch Weihnachtslieder nicht fehlen, die von Karl-Heinz Riesch mit der Gitarre begleitet wurden. Der Rethmarer hatte sich dafür extra die Finger an einem Heißgetränk gewärmt, wie er mit einem Augenzwinkern sagte. Mit Hilfe von verteilten Texten versuchten auch viele Flüchtlinge, wenigstens ein bisschen mitzusummen.

 Die Vereinsvorsitzende Mall erinnerte zudem daran, dass in Rethmar an den Stehtischen und am Büfett auch das Friedenslicht stand. Dieses haben christliche Pfadfinder und jugendliche Muslime in Hannover verteilt, von dort wurde es nach Rethmar geholt. „Die Botschaft beinhaltet ja auch Toleranz gegenüber anderen, den wir in unserem Treffpunkt auch leben“, sagte Mall.

Nach einer guten halben Stunde war die Aktion des Lebendigen Adventskalenders auch schon wieder vorbei und alle Teilnehmer wünschten sich beim Abschied ein frohes Fest.

Von Oliver Kühn