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Region Sehnde Nachrichten Kommen bald explosive Stoffe nach Höver?
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15:40 23.08.2018
Das Holcim-Werk in Höver will im Drehofen den Ersatzbrennstoff Renotherm verheizen. Quelle: Katja Eggers
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Höver

Die Firma Holcim will im nächsten Jahr erstmals den Brennstoff Renotherm bei der Zementherstellung einsetzen. Dafür soll eine neue Anlage auf dem Betriebsgelände entstehen. In der Sehnder Politik gibt es zu dem Vorhaben viel Kritik, aber nur wenig ernsthaften Gegenwind.

„Wir sehen das als Fraktion schon kritisch“, sagt SPD-Fraktuionschef Olaf Kruse. Das Thema sei kontrovers diskutiert worden. Im Brennstoff Renotherm steckten „durchaus Stoffe, die es in sich haben“, meint Kruse. Es handele sich dabei um teilweise explosive Stoffe, ergänzt er. Dem stimmt die Ratsfrau Elisabeth Schärling (CDU) zu: „Wir haben aber dazu eine Stellungnahme abgegeben und setzen darauf, das diese Punkte von Holcim berücksichtigt werden.“

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Die Firma Holcim plant eine Änderung ihrer Anlage zur Zementherstellung. Zum Heizen des Drehofens soll als Ersatzbrennstoff statt dem bisherigen sogenannten Fluff der Brennstoff Renotherm eingesetzt werden. Der Stoff wird dann bei 2000 Grad Celsius verbrannt.

Die Firma Remondis stelle in einer Abfallbehandlungsanlage Bramsche den Brennstoff Renotherm nach definierten Rezepturen her, heißt es in einer Erklärung von Holcim dazu. Renotherm wird aus diversen Industrieabfällen wie Verpackungen, Farben, Lacken, Lösemitteln, Bau- und Abbruchabfällen – auch aus verunreinigten Standorten –hergestellt. Desweiteren können lösemittel- und ölhaltige Schlämme aus Tankanlagen in der chemischen Industrie sowie aus Raffinerien dabei sein. In einer Art Schüttgut soll der Stoff in Lastwagen nach Höver geliefert und dort im Drehofen verbrannt werden. Sehr giftige Abfälle sollen laut der Erklärung von Holcim aus Arbeitsschutzgründen konsequent von der Behandlung in der Renotherm-Anlage ausgeschlossen sein.

„Darin sind so viele Stoffe, die wir gar nicht definieren können. Wir halten das für hochgefährlich“, sagt Wilfried Brauns von den Sehnder Grünen. Schon der Transport nach Höver sei nicht ungefährlich. Seine Fraktion habe deshalb das Vorhaben abgelehnt. Die Abfallprodukte aus der chemischen Industrie seien hochbrennbar, kritisiert auch SPD-Fraktionschef Kruse.„Holcim wird damit noch mehr zum Abfallverwerter“, meint der Kommunalpolitiker.

Mit Holcim habe man einen guten und verlässlichen Partner, sind sich indessen Kruse und Schärling (CDU) einig. Holcim habe durch den jahrelangen Einsatz von Ersatzbrennstoffen zudem Erfahrung. Die Verbrennung werde zudem gut überwacht. Das Unternehmen habe immer offen mit der Stadt zusammengearbeitet, sagt Schärling, die selbst in Höver wohnt.

Um Gefährdungen für die Bevölkerung zu vermeiden, habe die Stadt eine entsprechende Stellungnahme abgegeben, sagt Schärling. Um die Gefahren für die Anwohner – insbesondere an der Hannoverschen Straße – zu minimieren, soll etwa eine Anlieferung des Materials ausschließlich von der A 7 aus Richtung Westen – ohne Nutzung der Ortsdurchfahrt erfolgen. Zudem dringen die Sehnder Politiker in ihrer Stellungnahme auf „eine lückenlose Überwachung“ und daruf „die Inhalte vor Einbringung in den Verbrennungsprozess von einem unabhängigen Institut überprüfen zu lassen“. Schärling setzt weiter auf eine gute Zusammenarbeit der Firma Holcim. „Letztlich können wir außer einer Stellungnahme auch nichts dagegen unternehmen“, sagt sie.

Regelbetrieb mit neuem Brennstoff nicht vor Ende 2019

Es gab zwar bei Holcim schon Probeläufe mit dem neuen Brennstoff Renotherm, doch der Bau für die neue Anlage hat noch nicht begonnen. „Wir rechnen mit der Genehmigung frühestens im vierten Quartal 2018“, sagt Unternehmenssprecher Jens Marquardt. Die Bauzeit soll rund drei Monate betragen. Für die Inbetriebnahme werden noch einmal sechs Monate benötigt. „Somit wird der Regelbetrieb wohl frühestens im vierten Quartal 2019 starten“, sagt der Sprecher.

Regelmäßige Stoffkontrollen seien dann – wie auch bei den anderen in Höver zum Einsatz kommenden Ersatzbrenn- und Rohstoffen – „fest eingeplant“, sagt Marquardt. Remondis führe über einen unabhängigen Prüfer entsprechende Ausgangskontrollen des Stoffes durch. „Vor Ort werden wir später zusätzliche kontinuierliche Stoffbeprobungen über einen automatischen Probennehmer durchführen“, sagt er. Die Proben würden in Laboren untersucht.

Von Patricia Oswald-Kipper