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Region Seelze Nachrichten Polizei beschlagnahmt regelmäßig Waffen
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15:34 27.01.2019
Katrin Baum zeigt einige der Waffen, die die Polizei Seelze in den vergangenen Tagen beschlagnahmt hat.
Katrin Baum zeigt einige der Waffen, die die Polizei Seelze in den vergangenen Tagen beschlagnahmt hat. Quelle: Thomas Tschörner
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Seelze

Eine Handvoll Waffen, die die Besitzer nicht bei sich tragen dürfen, beschlagnahmt die Polizei Seelze im Schnitt jeden Monat. Meist handelt es sich dabei um sogenannte Einhandmesser, gefolgt von Schlagstöcken und Schreckschusswaffen, sagt Seelzes Polizeisprecher Ralf Hantke, der auch Leiter des Einsatz- und Streifendienstes ist. Dabei sind diese Waffen nicht generell illegal, betont Katrin Baum, die im Kommissariat Seelze für Waffenrecht zuständig ist. „Der Erwerb und der Besitz sind frei ab 18 Jahren.“

Allerdings dürfen diese Waffen nicht ohne Weiteres außerhalb der Wohnung mitgenommen werden. Wer damit nur auf der Straße unterwegs ist, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Ist die Waffe dagegen beim Schützenfest oder einer anderen öffentlichen Veranstaltung dabei, wird dies als Straftat eingestuft und entsprechend härter geahndet, betont Baum. Stellt die Polizei derartige Waffen sicher, sieht der Eigentümer sie nicht wieder, erklärt Hantke. „Das sind alles Einziehungsgegenstände, die amtlich vernichtet werden.“ Die Vernichtung leitet die Waffenbehörde in die Wege, die Mitte vergangenen Jahres von der Stadt Seelze an die Region Hannover abgegeben wurde. „Wir geben die in Seelze beschlagnahmten Waffen dort ab“, sagt Baum. Verboten ist auch die Abgabe oder das Überlassen der sogenannten freien Waffen an unter 18-Jährige.

Erst am Montag hatte die Polizei bei einem 30-jährigen Mercedes-Fahrer aus Nienstädt in Letter ein Einhandmesser beschlagnahmt. Die Meldung nahmen Leser zum Anlass auf Facebook und per Anruf in der Redaktion darauf hinzuweisen, dass derartige Messer nicht verboten sind und ein generelles Mitführverbot nicht bestünde. Dem widerspricht beispielsweise das Bundeskriminalamt (BKA), das auf seiner Internetseite https://www.bka.de/SharedDocs/FAQs/DE/Waffenrecht/waffenrechtFrage03.html neben feststehenden Messern mit einer Klingenlänge von mehr als zwölf Zentimetern und Teleskopschlagstöcken auch die Einhandmesser als unter das Führverbot des Waffengesetzes fallend aufführt. Hantke schließt nicht aus, dass der ein oder andere aus Unkenntnis gegen das Gesetz verstößt.

Als Einhandmesser werden Taschenmesser bezeichnet, deren Klinge meist mit dem Daumen mittels Knopf oder Loch geöffnet werden kann und die im geöffneten Zustand fest im Griffstück einrastet. Während einige Arten aufgrund ihrer Klingenform von vornherein als Waffe eingestuft sind, steht bei manchen Messern eher der Werkzeugcharakter im Vordergrund und sie werden auch an Minderjährige verkauft. Die Mitnahme von Einhandmessern unterliegt bestimmten Regelungen: Wer ein solches Messer außerhalb der eigenen vier Wände oder des eigenen Grundstücks dabei haben will, braucht einen nachvollziehbaren Grund. Das Bundeskriminalamt (BKA) nennt auf seiner Homepage etwa Berufsausübung, Sport und Brauchtumspflege. Jeder „sozialadäquate Gebrauch“ von Messern sei weiter möglich. Ausdrücklich als verboten ausgeschlossen ist dagegen die Mitnahme eines derartigen Messers zur Selbstverteidigung. Für die Polizei Seelze gibt es keinen plausiblen Grund, dass jemand einfach so mit einem Einhandmesser in der Stadt unterwegs ist: Die Beamten beschlagnahmen deshalb die Messer. „Es ist auch egal, ob das Messer in der Hosentasche oder im Rucksack mitgenommen wird“, sagt Hantke. Auch die Länge der Klinge spiele keine Rolle. So seien kleine Messer genauso gefährlich wie größere Modelle, weil sie nicht sofort in der Hand des Nutzers gesehen würden.

Sogenannte Elektroschocker brauchen ein amtliches Prüfzeichen. „Ohne Prüfzeichen ist das Gerät prinzipiell verboten“, sagt Baum. Dies gelte dann nicht nur für die Mitnahme, sondern auch den Besitz in der eigenen Wohnung. Gleiches gilt für Schreckschusspistolen und -revolver, die mit Prüfzeichen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) mit einer Nummer im Kreis versehen sein müssen. Ohne Prüfzeichen ist die Waffe ebenfalls verboten. Allerdings können Schreckschusspistolen und -revolver mit einem PTB-Zeichen geführt werden, wenn der Besitzer einen „Kleinen Waffenschein“ hat, erklärt Baum. Hantke hält von den Schreckschusswaffen nichts. Die Nutzer brächten sich leicht selbst in Gefahr. Denn: „Oft sind die Schreckschusswaffen von echten Schusswaffen nicht zu unterscheiden.“ Dies sei auch für Polizisten nicht zu erkennen, die dann möglicherweise von der eigenen Waffe Gebrauch machen würden.

Insgesamt sei die Verschärfung des Waffenrechts richtig gewesen, sagt Hantke. „Die Dinger müssen vom Markt.“

Von Thomas Tschörner