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Region Seelze Nachrichten Rollstuhltest: An diesen Stellen ist die Seelzer Innenstadt wenig barrierefrei
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16:12 11.09.2019
"Wir wollen nicht anprangern, sondern für das Thema sensibilisieren": Die Grünen in Seelze haben zu dem Rundgang mit Betroffenen und der Polizei eingeladen. Quelle: Linda Tonn
Seelze

Rund vier Zentimeter ist der neue Belag auf der Hannoverschen Straße hoch – für Holger Heinemann sind das vier Zentimeter zu viel. Mühsam muss er seinen Rollstuhl ankippen, um die Straße überqueren zu können. „Das kann auch mal schief gehen“, sagt er. Dutzende solcher kleiner Hindernisse kann der 68-Jährige in der Seelzer Innenstadt benennen: herausstehende Gehwegplatten, nicht abgesenkte Bordsteine, enge Bürgersteige. „Das nehmen gesunde Menschen gar nicht wahr.“

Für Barrierefreiheit sensibilisieren

Bei einem Rundgang durch die Innenstadt zeigt der Rollstuhlfahrer, an welchen Stellen es besonders kompliziert für ihn wird. Die Seelzer Grünen haben dazu eingeladen. „Wir wollen die Probleme erforschen“, sagt Sprecherin Evelyn Werner. Beim 31. Grünen Frühstück sei das Thema aufgekommen, deshalb wollten sich die Politiker die konkreten Fälle einmal in der Realität anschauen und dokumentieren. Es ginge nicht darum, anzuprangern, was die Stadtverwaltung versäumt habe, sagt Werner. „Wir wollen für das Thema Barrierefreiheit sensibilisieren.“

Um zu erkennen, wie beschwerlich Wege für Menschen mit Rollstuhl oder Rollator sein können, reicht es, Heinemanns Rollstuhl für ein paar Meter zu schieben. Immer wieder muss man gegen den leicht abschüssigen Bürgersteig ansteuern. Sobald eine Bodenplatte heraussteht, verhaken sich die Rollen – dann ist Kraft gefragt.

„Nach nur zweieinhalb Jahren musste ich die Stoßdämpfer an meinem Rollstuhl austauschen“, sagt Karl-Heinz Bruer, der seinen elektrischen Rollstuhl zwar sicher durch die Straßen steuert, aber auch jeden herausstehenden Stein und jede Unebenheit spürt.

Selbst die kleinsten Schwellen - wie hier an der Hannoverschen Straße - stellen für Rollstuhlfahrer ein großes Hindernis dar. Quelle: Linda Tonn

Hindernisse auch für Menschen mit Rollator

Natürlich könne man nicht alles glattbügeln, sagt er. „Aber die Stadt sollte schon das Nötigste machen.“ Immerhin seien auch viele ältere Menschen mit einem Rollator unterwegs – auch für sie stellten die unebenen Wege Hindernisse dar.

Bei der Polizei Seelze sind die Probleme der Rollstuhlfahrer bekannt. „Es gibt viele solcher Baustellen in der Stadt“, sagt Pressesprecherin Simone von Barfus. Allerdings sei die Polizei in den meisten Fällen nicht zuständig: „Wir können die Anliegen nur sammeln und weitergeben.“

Behinderten-WC ist unpraktisch

Der nächste Halt des Rundgangs ist das Behinderten-WC am Rathausplatz. Die Rampe für Rollstuhlfahrer sei zwar kunstvoll und unauffällig angelegt – allerdings völlig unpraktisch, sagt die Behindertenbeauftragte der Stadt Seelze, Sylvia Böhme. Zudem sei die Toilette nicht gekennzeichnet. „Ich bin in dem engen Raum sogar schon stecken geblieben“, so Bruer. Man könne sich darin mit einem Rollstuhl fast gar nicht bewegen. Außerdem sei der leicht ansteigende Weg dorthin gefährlich, weil er an einer Seite stark abschüssig und ohne Absicherung sei.

Die Behindertentoilette am Rathausplatz ist nur schwer zu erreichen. Der Eingang ist sehr eng. Quelle: Linda Tonn

„Seit vier Jahren rege ich schon an, dass das WC tatsächlich behindertengerecht ausgebaut wird“, sagt Böhme. Bislang habe sich noch nichts getan. Als Behindertenbeauftragte kann sie Eingaben bei der Stadtverwaltung machen: „Das dauert allerdings immer sehr lange.“ Im vergangenen Jahr etwa habe sie einen Antrag gestellt, dass das Haus der Vereine in Dedensen barrierefrei umgestaltet werden solle. „Die dortigen Räume sind nur über eine steile Treppe zu erreichen. Dadurch ist die Teilnahme an Veranstaltungen für Senioren extrem erschwert und für Rollstuhlfahrer absolut unmöglich“, schrieb sie im August 2018.

Der Rat habe dem Antrag zugestimmt und zugesagt, dass man prüfen werde, ob ein Lift angebaut werden könne. Passiert sei allerdings nichts, sagt Böhme. Viele Hindernisse würden von gesunden Fußgängern nicht wahrgenommen, Rollstuhlfahrer würden dadurch jedoch ausgebremst.

Defekter Aufzug an der Heimstättenbrücke

Am Bahnhof Seelze zum Beispiel sorgt ein Aufzug für den barrierefreien Zugang zu den Gleisen. „Das ist aber keine Lösung“, sagt Rollstuhlfahrer Heinemann. „Der Aufzug ist oft kaputt und dann habe ich keine Chance.“ Auch an der Heimstättenbrücke ist für ihn gerade kein Weiterkommen mehr. Es sei schwierig einen Menschen und seinen schweren Rollstuhl die steilen Treppen hoch- und wieder herunterzutragen, sagen die beiden Mitarbeiter der Sicherheitsfirma, die wegen des defekten Fahrstuhls ihre Hilfe anbieten.

Der Aufzug an der Heimstättenbrücke ist kaputt. Für Menschen mit Rollstuhl und Rollator ist die Treppe unüberwindbar. Quelle: Linda Tonn

„Man muss einfach mal die Perspektive wechseln, um zu sehen, wie groß die Probleme für die Rollstuhlfahrer zum Teil sind“, sagt Evelyn Werner von den Grünen. Sie würde sich wünschen, dass sich auch Mitarbeiter der Stadtverwaltung auf ähnliche Begehungen einlassen – eventuell auch in anderen Stadtteilen. Meckern alleine reiche nicht. Es müsse gehandelt werden.

Unebene Bürgersteige, enge Straßen, kaputte Aufzüge: Für Rollstuhlfahrer und Menschen mit einem Rollator bietet die Innenstadt viele Hindernisse. Wo sie sind, wollten die Grünen bei einem Rollstuhlspaziergang herausfinden.

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Von Linda Tonn

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