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Nachrichten Polizei warnt vor Handynutzung im Verkehr
Region Seelze Nachrichten Polizei warnt vor Handynutzung im Verkehr
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16:33 29.03.2019
Birgit Bögeholz und Marius Schumacher führen als Moderatoren durch den Vormittag. Quelle: Sandra Remmer
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Mucksmäuschenstill ist es am Freitagmorgen im abgedunkelten Forum des Georg-Büchner-Gymnasiums. Auf der Bühne genügen ein weißes Holzkreuz und einige Grablichter als Dekoration. Keine Zwischenfragen, kein Applaus, so lautet die Bitte, solle die Ernsthaftigkeit des Themas unterbrechen. „Abgelenkt...ist neben der Spur“, heißt die Präventionsaktion der Polizeiinspektion Garbsen, die Jugendliche auf die Gefahr der Handynutzung im Straßenverkehr aufmerksam machen soll.

„Es gehört zu den schwersten Aufgaben in meinem Beruf, Eltern zu sagen, dass ihr Kind bei einem Verkehrsunfall gestorben ist“, erzählt Polizeibeamtin Maren Fritzler den Schülern. Überbringen einer Todesnachricht heiße das in der Fachsprache. Gewöhnt habe sie sich auch nach 29 Jahren Dienstzeit nicht daran. Unterschiedlich fielen die Reaktionen aus. Von Schockstarre über Nervenzusammenbrüche bis zum Nicht-Wahrhaben-Wollen – das Spektrum an Reaktionen sei vielfältig. Auch persönliche Beleidigungen und verbale Entgleisungen habe sie in solchen Fällen schon erlebt.

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Ihren Schilderungen zuvor gegangen war ein Film, der einen Unfall mit tödlichem Ausgang zeigte, der sich 2014 in Hannover ereignet hat. Damals war ein Mädchen, das Kopfhörer trug und zugleich in ihr Smartphone vertieft war, von einer Stadtbahn erfasst und dabei getötet worden. Nicht nur die Polizeibeamten, die den Unfall aufgenommen haben kommen zu Wort, auch der Stadtbahnfahrer schildert in ergreifender Weise, wie er den Unfall erlebt hat und wie er noch immer an den Folgen leidet. Außerdem erzählt die Notfallseelsorgerin von ihren Erlebnissen und Erfahrungen beim Überbringen von Todesnachrichten.

„Ich habe vor einiger Zeit selber einen Unfall mit angesehen, bei dem ein Mann ums Leben gekommen ist“, erzählt Cemre (16). Der Fahrer hatte aufs Handy gesehen, war angefahren, hatte zu einem Überholmanöver angesetzt und war letztendlich mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Baum geprallt. „Das vergisst man nicht so schnell“, sagt der Schüler. Er selber nutze das Handy im Straßenverkehr aber so gut wie gar nicht. Auch Maximilian (17) sagt „Ich lassen mein Handy im Verkehr in der Tasche, schaue höchstens einmal drauf, wenn ich an der roten Ampel stehe“.

Am Ende des Vormittags liest der Polizeibeamte Marius Schumacher Wünsche vor, die die Schüler zuvor formuliert und auf einem großen Luftballon geklebt habe. „Glücklich sein“, „irgendwas mit Medizin machen“, „gesund bleiben“, „ins Ausland gehen“, liest Schumacher vor, als ein lauter Knall für ein allgemeines Aufschrecken sorgt. Der Ballon ist geplatzt, die Wünsche liegen verstreut auf dem Boden. „Passt auf euch auf. So schnell kann es gehen. Der Bruchteil einer Sekunde genügt, um ein Leben zu zerstören. Lasst das Handy im Verkehr weg“, so die eindringliche Botschaft, die die Polizeibeamten den Elftklässlern mit auf den Weg geben.

Basis von „Abgelenkt... ist neben der Spur“ sind Unfälle aus dem Bereich der Region Hannover, bei denen Ablenkung ursächlich war. Wissenschaftliche Untersuchungen zufolge passieren rund 60 Prozent der Verkehrsunfälle aufgrund von Ablenkung. Karsten Schröder vom Präventionsteam der Polizeiinspektion Garbsen ergänzt dazu, dass die Präventionsaktion sich gezielt an die Altersgruppe mit der höchsten Handynutzungsrate sowie der höchsten Tötungsrate im Straßenverkehr richtet.

Von Sandra Remmer